Werden Kinder unvermittelt von ihren Eltern getrennt, dann kann das ein traumatisches Erlebnis für sie sein. An der Grenze zu den USA wurden seit April rund 2000 Kinder gewaltsam von ihren Eltern getrennt, die in das Land einwandern wollten. Das kann Folgen für die Kinder haben, die ein ganzes Leben lang anhalten.

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Donald Trump und seine Regierung sind nicht gerade bekannt dafür, wichtige Themen zimperlich anzugehen. Die Administration griff auch gegenüber Flüchtlingen hart durch: An der Grenze zu Mexiko sind seit April zahlreiche Kinder von ihren Eltern getrennt worden. Kinder und ihre Eltern wurden jeweils getrennt in Lagern untergebracht.

Für die Trennung der Kinder von ihren Eltern erntete die Regierung herbe Kritik - sowohl aus dem Ausland wie auch innerhalb der USA. Audio-Aufnahmen gaben beispielsweise die Stimmen weinender Kleinkinder wieder, die auf Spanisch nach ihren Eltern riefen. In den US-Medien kursierten Bilder, die Aufnahmelager zeigten, in denen Kinder auf Gummimatten in Käfigen aus Maschendraht schliefen.

Trennung ist für Kinder sehr beängstigend

Seit Mitte April wurden laut Trump rund 2000 Kinder von ihren Eltern getrennt. Am Mittwoch nun gab der US-Präsident bekannt, die Familientrennungen beenden zu wollen. Das ändert aber nichts daran, dass viele Kinder bereits gewaltsam von ihren Eltern getrennt worden sind. "Das sind traumatische Erfahrungen für junge Menschen", sagt Ninja Charbonneau, Pressesprecherin von UNICEF Deutschland im Gespräch mit der Redaktion.

"Die Trennung ist für die Kinder eine komplett beängstigende Situation", sagt die Expertin. "Insbesondere kleine Kinder verstehen nicht, was eigentlich passiert. Sie sind plötzlich alleine in einer Situation, die ihnen völlig fremd ist und niemand tröstet sie oder nimmt sie in den Arm." Aber auch für ältere Kinder sei eine gewaltsame Trennung sehr belastend.

Der Stress kann sich auf das ganze Leben auswirken

"Kinder erleben dabei heftigen Stress, der sich auf das ganze Leben auswirken kann", sagt die Expertin. Zu den Langzeitfolgen zähle beispielsweise, dass die Entwicklung beeinträchtigt sein kann. "Kinder, die so etwas erlebt haben, laufen zum Beispiel Gefahr, dass sie schlechter persönliche Beziehungen aufbauen und nur sehr langsam Vertrauen entwickeln können", sagt die Pressesprecherin.

Psychologen sprechen dabei auch von toxischem Stress. Er tritt ein, wenn ein Ereignis so dramatisch ist, dass es nicht zu bewältigen zu sein scheint. Bei Kindern kann er sich zum Beispiel entwickeln, wenn sie unvermittelt von ihren Eltern getrennt werden - sei es durch Fälle wie zuletzt in den USA, aber beispielsweise auch durch Unfälle oder Krankheiten von Elternteilen. Je stärker das Gefühl ist, der Situation ausgeliefert zu sein und keine Kontrolle zu haben, desto größer wird auch der Stress.

Kinder haben allein ein höheres Risiko, zum Opfer von Gewalttaten zu werden

Das Problematische bei toxischem Stress ist, dass er chronisch werden kann. Bei Kindern kann er dazu führen, dass sich ihr Gehirn anders entwickelt und sie langfristig unter Ängsten oder anderen psychischen Problemen leiden, weil ihre Stresshormone dauerhaft erhöht sind.

Ein solches Erlebnis kann sich zudem nicht nur auf die Beziehungen zu anderen Menschen auswirken, sondern kann es Kindern auch später im Leben erschweren, ihre Emotionen zu kontrollieren.

Bei der Trennung der Kinder von ihren Eltern spielt darüber hinaus noch ein anderer Aspekt eine Rolle: ihre Sicherheit. "Einerseits sind es ohnehin schon herzzerreißende Szenen, wenn Kinder von ihren Eltern getrennt werden", sagt die Expertin. "Aber die Kinder geraten auch leichter in Gefahr."

Der beste Schutz für Kinder und Jugendliche sei in ihren Familien. "Werden sie von ihrer Familie getrennt und in Zentren untergebracht, dann haben sie ein deutlich erhöhtes Risiko, zum Opfer von Gewalt und Missbrauch zu werden."

Kinder sollen nun gemeinsam mit ihren Eltern inhaftiert werden

"Es ist erschütternd, wie an der Grenze mit den Kindern umgegangen wurde", sagt die Expertin. "Diese Entwicklung beobachten wir mit großer Sorge." Kinder hätten unabhängig von ihrem Alter ein besonderes Recht auf Schutz. Das sei in den USA missachtet worden. "Stattdessen haben die Kinder dort Kontrolle, Skepsis und Feinseligkeit erlebt."

Es bleibt abzuwarten, wie die Situation an der Grenze sich weiter entwickeln wird. Die Kinder sollen nun gemeinsam mit ihren Eltern inhaftiert und ihre Verfahren beschleunigt bearbeitet werden.

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