• Trotz aller Kritik erfreuen sich Schottergärten großer Beliebtheit.
  • Der Umwelt kommen sie dabei allerdings nicht zugute.
  • Auch das Hauptargument, dass sie pflegeleichter sind, stimmt so nicht.

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Wer sich Kies oder Schotter vor die Haustür schüttet, tut dies mit der Absicht, einen pflegeleichten und ordentlichen Vorgarten anzulegen. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer versprechen sich einerseits wenig Arbeit damit und andererseits eine gepflegte Nachbarschaft. Doch damit tun Schottergarten-Besitzer weder sich noch der Umwelt einen Gefallen. Denn der Gartentrend ist nicht so pflegeleicht, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Warum sind Schottergärten so beliebt?

Seit Jahren sprießen vor vielen Häusern Schottergärten wie Unkraut aus dem Boden. Dahinter sieht der Gartengestaltungs-Experte Tjards Wendebourg gleich mehrere Gründe. Zum einen sei es einfach Herdentrieb, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Dieses Phänomen lasse sich in vielen Bereichen beobachten. Kauft der Nachbar ein neues Auto, muss man selbst nachlegen und ebenfalls mit einem neuen Fahrzeug gegenhalten. Gleiches sei bei den Steinschüttungen zu beobachten und letztlich der Angst vor dem Nachbarn geschuldet. Wer einen "unordentlichen" Garten hat, wird von der Nachbarschaft argwöhnisch beäugt.

Zum anderen nennt Wendebourg den Zeitmangel und fehlendes Pflanzenwissen als Ursache. Gartenbesitzer seien verunsichert davon, nicht zu wissen, wie sich Pflanzen entwickeln. Deshalb würden sie sich für die vermeintlich pflegeleichte und arbeitsarme Stein-Variante entscheiden. Dahinter vermutet der Experte auch Egoismus und Bequemlichkeit sowie überkommende Ordnungsvorstellungen. Den Begriff Schottergarten findet Wendebourg übrigens unpassend. Mit Gärten hätten diese nicht mehr viel zu tun. Er nennt das Phänomen vielmehr "Steinschüttungen".

Was ist das Problem von Schottergärten?

Der Annahme, dass eine solche Fläche pflegeleicht sei und wenig Arbeit verursache, widerspricht Wendebourg. Ganz im Gegenteil seien sie sogar aufwendiger, da über die Zeit Algen, Flechten und Moos die Steine überziehen, sich Pflanzen wie Löwenzahn, Birken und Weiden zwischen dem Schotter ausbreiten können. Diese zwischen den Steinen zu entfernen, sei alles andere als leichte Arbeit.

Aber das ist nicht das einzige Problem mit Schottergärten. Der Gartentrend ist aus Sicht des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) auch unter ökologischen Gesichtspunkten fragwürdig. Die Steine heizen sich im Sommer stark auf und erhitzen damit auch die Umgebung. Ein Grund, warum solche Schottergärten in südlichen Ländern nicht zu finden seien, sagt Wendebourg. Dort seien die Eingangsbereiche eher beschattet, um für Abkühlung zu sorgen.

Problematisch sind Schottergärten auch, weil sie keinen ökologischen Mehrwert bieten. Meist stehen nur wenige Pflanzen in solchen Gärten, die für Insekten und Tiere dazu kaum Nahrungsquelle sowie Rückzugsort bieten. In manchen Fällen wachsen gar keine Pflanzen. Hinzu kommt, dass die Steinflächen bodenversiegelnd wirken können, das Wasser also abläuft und somit zu Überschwemmungen beitragen kann.

Doch sollte man Kies oder Schotter im Garten nicht vollends verdammen. Das Material hat durchaus seinen Nutzen – wenn es richtig eingesetzt wird. Wendebourg nutzt etwa feinen Splitt und Kies mit einer Körnung von zwei bis fünf Millimeter zum Abmulchen von Staudenflächen. Auch größere Kiesflächen haben ihre Daseinsberechtigung; wenn sie als Wegeflächen dienen und Garageneinfahrten oder Gartenwege ersetzen. Überall, wo Pflanz- und Rasenflächen durch Steine ausgetauscht werden, schadet das der Umwelt und dem Garten.

Schottergarten versus Steingarten

Schottergärten dürfen auch nicht mit Steingärten verwechselt werden. Letztere rücken die Pflanzen in den Mittelpunkt und unterstreichen mit gezielt gesetzten Steinen ihren Charakter und erschaffen eine natürliche Umgebung, in der sich auch Tiere wohlfühlen. Im Schottergarten stehen dagegen ausschließlich Steine im Vordergrund.

Was sind pflegeleichte Alternativen zu Schottergärten?

Für viele Gartenbesitzer mag es komisch klingen, aber klassische Gärten verursachen deutlich weniger Pflegeaufwand als die vermeintlich pflegeleichten Schottergärten. Kaum Arbeit haben Sie beispielsweise mit einem Blumenrasen – sofern Boden und Standort geeignet sind. In der Regel müssen solche Wiesen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Die restliche Zeit erfreuen Sie sich an den Blüten und bieten Tieren eine reichhaltige Umgebung.

Eine andere Variante, die Wendebourg empfiehlt, ist eine stabile Staudenpflanzung, die zu einer dichten Decke zusammenwächst. Sie sei ein Mittelweg aus Ökologie, Kosten und Pflege. Stauden sind mehrjährig und winterhart. Andere Möglichkeiten sind der bereits erwähnte Steingarten oder eine Pflanzung mit Bodendeckern. Die Übergänge sind fließend.

Hier sind Schottergärten verboten

Das Thema Schottergärten erhitzt nicht nur die Gemüter unter Gartenfreunden, auch die Politik schaltet sich mittlerweile ein. In vielen Bundesländern, Gemeinden und Städten ist diese Gartenart sogar verboten. In Baden-Württemberg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sind sie nicht mehr erlaubt. In Bayern dürfen Städte und Gemeinde entscheiden, ob sie Schottergärten dulden. Die Landesbauordnung in Mecklenburg-Vorpommern schreibt vor, dass Flächen bepflanzt oder begrünt werden müssen.

Die Stadt Mainz hat Anfang Mai 2022 neue Schottergärten verboten, wie das Online-Portal des SWR berichtet. Bereits angelegte Gärten sind von dem Verbot nicht betroffen. Sie seien durch den Bestandsschutz geschützt. Auch in Saarbrücken sollen neue Schottergärten untersagt werden, berichtet die Online-Ausgabe des SR. Die Hauptstadt des Saarlandes will aber auch bestehende Gärten in Angriff nehmen – nicht mit einem Verbot, sondern mit einem Anreiz. Bis zu 4.000 Euro soll es für die Auflösung eines alten Schottergartens geben.

Für Wendebourg ist es auf jeden Fall wichtig, dass es nicht zu einer Spirale der Ächtung von Schottergartenbesitzern kommt. Oft würden diese nur einer Fehleinschätzung unterliegen und können mit den richtigen Argumenten überzeugt werden.

Über den Experten: Tjards Wendebourg ist Dipl.-Ing. Gartenbau, Autor (unter anderem: "Der Kies muss weg! Gegen die Verschotterung unserer Vorgärten"), Fachredakteur für Garten- und Landschaftsbau sowie Redaktionsleiter der Gemeinschaftsredaktion GaLaBau/Gartenbau/ Kommunal/Landschaftsarchitektur beim Verlag Eugen Ulmer. Zudem berät er private Gartenbesitzer bei der Gestaltung ihrer Gärten.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Tjards Wendebourg, Dipl.-Ing. Gartenbau, Buchautor, Fachredakteur Garten- und Landschaftsbau, Redaktionsleiter GaLaBau/Landschaftsarchitektur/Naturschutz/Gartenbau/Kommunen/Gärtnerischer Einzelhandel/Floristik (Verlag Eugen Ulmer)
  • Swr.de: "Stadt Mainz verbietet Schottergärten"
  • Sr.de: "Saarbrücken will Geld für Schottergarten-Rückbau anbieten "
  • Nabu.de: "Negativtrend mit ökologischen Folgen"
Schottergärten: Immer mehr Städte verbieten sie

Immer mehr Städte verbieten Schottergärten

Er gilt als modern, unkrautfrei und pflegeleicht – der Schottergarten. Über Aussehen und Gefallen lässt sich streiten, das wohl größte Problem der Steinlandschaft: Das Grau in Grau bietet Pflanzen und Tieren keine Heimat.
Teaserbild: © Getty Images/iStockphoto/U. J. Alexander