Seine Geburt war eine Sensation – jetzt geht Klon-Pferd Kurt wichtige Schritte: Der junge Przewalski-Hengst lernt wie ein Wildpferd zu leben…

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Er ist gerade mal zwei Jahre alt und hat keine Ahnung, dass auf ihm ganz viel Hoffnung ruht. Der junge Przewalski-Hengst Kurt soll seine Rasse vor dem Aussterben retten – und für Gen-Vielfalt sorgen. Dafür wurde er aus 40 Jahre alter DNA geklont und von einer Leihmutter ausgetragen. Die Geburt des Hengstes galt daher als Meilenstein in den Bemühungen zum Erhalt der Art. Doch davon weiß Kurt nichts. Er genießt einfach sein Leben im San Diego Zoo Safari Park. Und hat jetzt eine Freundin, die ihn auf sein Leben als Wildpferd vorbereiten soll. Denn genau davon hat Kurt bislang keine Ahnung.

"Die Paarung von Kurt und Holly ist ein Schritt in einem langen Prozess, um dieser vom Aussterben bedrohten Art die verlorene genetische Vielfalt zurückzugeben", so der Zoo in einer Pressemitteilung. Doch damit das auch klappt, muss er erst einmal Wildpferdisch lernen. Denn Kurt kam als Sohn einer Leihmutter, einer Quarter Horse-Stute, auf die Welt. Und das heißt: Er hatte keine Erfahrung mit anderen Przewalski-Pferden.

Stute Holly ist jetzt die Lehrerin für Kurt

"Przewalski-Pferde leben normalerweise in Gruppen, in denen sich ein Jungtier seinen Platz in der Herde von seiner Mutter sichert", erklärt Kristi Burtis. Sie ist Direktorin der Wildtierpflege beim San Diego Zoo Safari Park. "Da Kurt nicht in eine Herde hineingeboren wurde, kannte er die Verhaltenssprache nicht, die für Przewalski-Pferde einzigartig ist. Unser erster Schritt, um ihn zu sozialisieren, war, ihn Holly vorzustellen."

Kurt bekommt zur Eingewöhnung Hilfe von Holly.
Kurt bekommt zur Eingewöhnung Hilfe von Holly.

Holly kam im Mai 2021 im San Diego Zoo Safari Park an. Nur wenige Monate älter als Kurt, wuchs die junge Stute in einer Przewalski-Pferdeherde auf. Daher kennt sie das gesamte Repertoire an Wildpferdesprache. Die Hoffnung: Sie kann Kurt alles beibringen.

Bald soll der Junghengst für Nachwuchs sorgen

Und die Wildtierpflegespezialisten hatten Glück: "Nach einigem ‚Verhaltens-Sparring‘ haben sich die beiden zu einer liebevollen Paarung gefunden", so die Mitarbeiter des Zoos. Mittlerweile genießen Kurt und Holly ihre Zweisamkeit, laufen herum und spielen miteinander. Zuerst waren die beiden Jungpferde in einem abgetrennten Bereich. Seit kurzem haben sie ihr eigenes Areal im zentralasiatischen Bereich des Safari-Parks, wo sie auch von Besuchern gesehen werden können. Dieser Schritt wird sie weiter darauf vorbereiten, sich bald der größeren Herde von Przewalskis Pferden anzuschließen, teilt der Zoo mit. Der Plan: Kurt soll für Nachwuchs sorgen, wenn er im Alter von drei bis vier Jahren erwachsen wird. Doch das funktioniert nur, wenn er Wildpferdisch kann – und von den anderen Stuten als Leithengst anerkannt wird.

"Kurt ist wichtig für seine Art, weil er die Hoffnung bietet, der Population die verlorene genetische Vielfalt zurückzubringen", sagte Nadine Lamberski von der San Diego Zoo Wildlife Alliance. "Es ist unerlässlich, alles zu tun, um diese genetische Vielfalt zu retten, bevor sie verschwindet." Denn: In freier Wildbahn war das Przewalski-Pferd bereits ausgestorben. In den letzten 40 Jahren hat die Rasse fast ausschließlich in Zoos auf der ganzen Welt überlebt. Und alle überlebenden Pferde sind mit zwölf Przewalski-Pferden verwandt, die in freier Wildbahn geboren wurden.

Kurt kann Vorbild für andere gefährdete Wildtiere sein

Die Wiederansiedlung von Przewalski-Pferden hat seit den 1990er Jahren mehrere wilde Herden in China und der Mongolei etabliert. Die Aufrechterhaltung der genetischen Variation ist ein wichtiger Teil zur Sicherung der Rasse. Denn: Während das Klonen bei Hauspferden und Rindern mittlerweile fast schon zum Standard gehört, gab es bislang nur wenige Versuche, mit gefährdeten Arten zu arbeiten.

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Daher war "Kurts Geburt ein wichtiger Meilenstein für den Schutz der Przewalski-Pferde", sagte Oliver Ryder vom San Diego Zoo Wildlife Alliance. "Sein Erfolg wird als Modell für die Rettung gefährdeter Wildtiere durch den Einsatz von Klonen dienen, wobei DNA verwendet wird, die in der Wildlife Biodiversity Bank der San Diego Zoo Wildlife Alliance gespeichert ist." Bis es so weit ist, lässt sich Kurt von Holly erziehen. Und so ist auch sie ein wichtiger Teil zum Erhalt der Rasse.  © Pferde.de