Rechtliche Fragen stellen sich jedem am Arbeitsplatz: Was darf mein Arbeitgeber und was könnte mich im schlimmsten Fall meinen Job kosten? Hier geben Expertinnen und Experten Antworten auf häufige – und manchmal auch skurrile – Fragen aus dem Arbeitsrecht.

Mehr zum Thema Karriere

+++ Dieser Artikel wird regelmäßig mit aktuellen Beiträgen ergänzt. +++

Wegen des Alters diskriminiert? Das können Betroffene tun

Update vom 22. Mai: Diskriminierungen aufgrund des Lebensalters sind zwar nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) grundsätzlich verboten. Im Arbeitsleben werden Bewerberinnen und Bewerber oder Beschäftigte aber dennoch häufig aufgrund ihres Alters benachteiligt. Das Gute: Betroffene können sich dagegen wehren.

Wer im Bewerbungsprozess Diskriminierung erfährt, kann sich zum Beispiel in einem ersten Schritt an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden. Dort bekommen Betroffene Hilfe bei der rechtlichen Einordnung ihres Falls. Betroffene können dann Entschädigung und Schadenersatzansprüche geltend machen.

Wann ist eine Stellenausschreibung altersdiskriminierend?

  • Ausgangspunkt sind häufig Stellenausschreibungen, in denen Kandidaten oder Kandidatinnen zwischen "18 und 35 Jahren" oder "junges, engagiertes Personal für den Vertrieb" gesucht werden. Derartige Formulierungen wurden in der Rechtsprechung in der Vergangenheit als Indiz für Diskriminierung gewertet.

Nach dem AGG sind Arbeitgeber außerdem in der Pflicht, innerbetrieblich Personen zu benennen oder Stellen einzurichten, die sich um die Gleichbehandlung von Mitarbeitenden kümmern.

Das kann etwa der Betriebsrat sein. In kleineren Betrieben wenden sich Beschäftigte am besten direkt an ihre Führungskraft oder eine vom Arbeitgeber ernannte Vertrauensperson. Die muss den Sachverhalt klären und kann je nach Fall eine Abmahnung, Versetzung oder Kündigung in Erwägung ziehen.

Arbeitnehmer haben Arbeitsverweigerungsrecht oder können klagen

Aber: Nicht alle Arbeitgeber unterstützen Opfer von Diskriminierung ausreichend. Dann haben Beschäftigte auch ein Arbeitsverweigerungsrecht. Das sollten sie aber nur in Anspruch nehmen, wenn es eindeutige Beweise für die Diskriminierung gibt - ansonsten besteht das Risiko einer Kündigung.

Eine weitere Option kann sein, den Arbeitgeber zu verklagen. Ist die Klage erfolgreich, steht dem Kläger Schadenersatz zu. Betroffene sollten sich von einer Gewerkschaft oder einem Anwalt beraten lassen.

Wann sind Altersgrenzen berechtigt?

  • Altersgrenzen können laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes aber auch gerechtfertigt und damit nicht diskriminierend sein. Dazu zählt etwa die Altershöchstgrenze von 42 Jahren beim Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei.

(dpa/sbi)

+++

EM-Minijob: Das gilt bei Kurzzeit-Jobs

Update vom 14. Mai: Vom Gastronomiebereich im Stadion über das Public Viewing bis hin zum Transport von Fans: Während der EM werden viele Arbeitskräfte für kurze Zeit gesucht. Dabei handelt es sich um eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung. Sie ermöglicht rasches Verdienen, ohne die Verdienstgrenze von 538 Euro eines regulären Minijobs.

Voraussetzung ist, dass man nicht berufsmäßig tätig ist, also der Verdienst aus der kurzfristigen Beschäftigung nicht den Lebensunterhalt sichert. Die Beschäftigungsdauer ist außerdem auf höchstens 70 Arbeitstage oder drei Monate innerhalb eines Kalenderjahres begrenzt.

Mehrere Jobs gleichzeitig? Kein Problem! Es gibt die Option, mehrere kurzfristige Beschäftigungen gleichzeitig auszuüben. Jedoch ist laut der Minijob-Zentrale Vorsicht geboten: Die Arbeitsstunden aus den verschiedenen kurzfristigen Beschäftigungen werden zusammengezählt und dürfen insgesamt nicht die Grenze von 70 Tagen oder drei Monaten überschreiten. (tar)

+++

Urlaubstage im Nebenjob: Muss der Arbeitgeber zahlen?

Update vom 13. Mai: Ob Werkstudententätigkeit, Minijob im Café oder kurzfristige Anstellung während der Sommerferien – darf sich der Arbeitgeber bei diesen Beschäftigungsformen weigern, Urlaubstage zu bezahlen?

Das ist laut Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht, nicht in Ordnung – auch wenn es ihr zufolge in der Praxis oft anders aussieht. Tatsächlich gilt bei allen drei Anstellungsarten: Urlaubstage müssen vom Arbeitgeber bezahlt werden. Auch vertraglich gibt es da keine Schlupflöcher: "Abweichende Regelungen zum Nachteil der Arbeitnehmer sind unwirksam."

Fünf-Tage-Woche: Wie viele Urlaubstage einem zustehen

  • Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland einen Anspruch auf mindestens 20 Urlaubstage pro Jahr.
  • Aber: Diese Anzahl gilt nur, wenn man fünf Tage die Woche arbeitet.

In Teilzeitjobs kann es manchmal unklar sein, wie viele Urlaubstage man tatsächlich bekommt, da die Einsatzzeiten stark variieren können. In der Praxis läuft das laut Oberthür dann so: Die Arbeitszeit wird in Stunden bemessen und mit einer Vollzeitstelle verglichen. Daraus ergibt sich dann ein anteiliger Anspruch auf Urlaubstage. Werden diese Urlaubstage während der Anstellung nicht gewährt, sind sie mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses auszuzahlen. (tar)

Über die Gesprächspartnerin

  • Nathalie Oberthür ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und Vorsitzende des Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

+++

Chef trägt mir ohne vorherige Absprache Urlaub ein: Darf er das?

Update vom 7. Mai: Manchmal hat man im November noch zehn Urlaubstage und weiß nicht, wohin damit. Doch was, wenn die Chefin oder der Chef plötzlich entscheidet, dass man ab nächster Woche zwei Wochen zu Hause bleiben und Urlaub nehmen muss - ist das erlaubt?

"Die einfache Antwort lautet: Nein", sagt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Grundsätzlich habe jeder Arbeitnehmer das Recht, über die zeitliche Lage seines Urlaubs zu entscheiden. Der Arbeitnehmer plant im Voraus seine Urlaubstage, und der Arbeitgeber genehmigt sie dann. Falls der Arbeitgeber den Urlaub nicht genehmigt, müssen dafür laut Meyer triftige Gründe vorliegen. Denkbar ist das etwa, wenn bereits viele andere Teammitglieder zu der Zeit Urlaubsanträge eingereicht haben.

Selbst wenn der Arbeitnehmer am Ende des Jahres noch offene Urlaubstage hat, darf der Chef laut Meyer nicht einfach den Urlaub festlegen. Aber: "Weist der Arbeitgeber den Arbeitnehmer auf den offenen Urlaub hin und fordert ihn auf, den Urlaub bis Jahresende zu nehmen, dann verfällt der Urlaub am Jahresende, wenn der Arbeitnehmer trotz Aufforderung seinen Urlaub nicht angetreten ist."

Betriebsferien sind eine Ausnahme

Ein Szenario, in dem ein Arbeitgeber vorschreiben kann, wann die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freinehmen müssen, gibt es aber doch. Nämlich dann, wenn in bestimmten Zeiträumen Betriebsferien festgelegt sind, etwa zwischen Weihnachten und Neujahr. In solchen Fällen bestimmt laut Meyer ausnahmsweise der Arbeitgeber die Urlaubszeit. Die Mitarbeitenden sind verpflichtet, in diesem Zeitraum ihren Urlaub zu nehmen. (sob)

Über den Gesprächspartner

  • Peter Meyer ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).
Laptop

Den privaten Laptop für den Job nutzen: Ist das erlaubt?

Die Übergänge sind oft fließend zwischen Job und Freizeit. Manche nutzen ihren privaten Laptop für die Arbeit. Aber ist das erlaubt? (Bildquelle: istock/Szepy)

+++

Verwendete Quellen

  • Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.