• In Quarantäne gehen muss, wer als Kontaktperson einer infizierten Person eingestuft wird.
  • Muss man dann im Homeoffice arbeiten? Und wann hat man Anspruch auf Entschädigung?

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Wer in der Corona-Pandemie als Kontaktperson einer positiv auf das Virus getesteten Person gilt, muss in häusliche Quarantäne.

Für manche Beschäftigte bedeutet das: Sie können nicht zur Arbeit kommen, weil die Tätigkeit vor Ort im Betrieb stattfindet, obwohl sie grundsätzlich arbeitsfähig sind. Können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dann dazu verpflichten, von zu Hause aus zu arbeiten? Und welche Aufgaben dürfen einem dort auferlegt werden?

Grundsätzlich sieht Paragraf 28b (Abs. 7) des Infektionsschutzgesetz (IFSG) seit Einführung der "Bundesweiten Notbremse" folgendes vor:

  • Wenn keine Gründe dagegen sprechen, müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Angebot auf Homeoffice annehmen.

"Dies würde auch bei einer Quarantäne gelten", sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. "Anderenfalls würde der Arbeitnehmer nicht arbeiten, dann aber auch kein Gehalt bekommen."

Flexibilität bei Aufgabenbereich gefragt

Inhaltlich könnten dem Arbeitnehmer auch alle Tätigkeiten zugewiesen werden, die der Arbeitsvertrag vorsieht, erklärt Nathalie Oberthür, Vorsitzende des Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV),

Gegebenenfalls müssen Beschäftigte also auch andere Aufgaben übernehmen als sonst vielleicht üblich. Grundsätzlich gilt aber: Geringerwertige Aufgaben sind in der Regel nicht zulässig, sie müssen zum Beispiel in Hierarchie und Gehaltsstufe vergleichbar sein.

Bei Verdienstausfall Entschädigung beantragen

Gab es im Fall von Quarantäne oder einem Tätigkeitsverbot "keine Möglichkeit, den Verdienstausfall durch eine andere zumutbare Tätigkeit auszugleichen", können Beschäftigte Entschädigung beantragen. So ist es in einem FAQ des Infoportals zum Infektionsschutzgesetz nachzulesen.

Arbeitgeber geht in Vorleistung

Der Antrag muss innerhalb von 24 Monaten ab dem Anfang des Tätigkeitsverbotes oder dem Ende der Quarantäne gestellt werden. Betroffene erhalten die Entschädigung in den ersten sechs Wochen als Lohnfortzahlung von ihren Arbeitgebern. Diese müssen in Vorleistung gehen und können sich den Betrag anschließend erstatten lassen. Ab der siebten Woche müssen sie selbst einen Antrag bei der Behörde stellen.

Auch Selbstständige oder Beschäftigte, die sich wegen Schulschließungen um ihre Kinder kümmern müssen oder deren Kind sich auf behördliche Anordnung hin in Quarantäne befindet, haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Entschädigung.

Nach dem Infektionsschutzgesetz gibt es bei Gehaltsausfall auch dann Entschädigung, wenn das Einkommen nur teilweise ausfällt. Wie hoch die Entschädigung ist, variiert:

  • Bei Quarantäne oder Tätigkeitsverbot: "Die Entschädigung ist abhängig vom Verdienstausfall: Für die ersten sechs Wochen wird sie in voller Höhe des Verdienstausfalls gewährt. Mit Beginn der siebten Woche wird sie in Höhe von 67 Prozent des entstandenen Verdienstausfalls gewährt."
  • Bei Schließung von Schulen oder Betreuungseinrichtungen: "Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens und wird im Fall von nicht alleinerziehenden Personen für bis zu zehn Wochen, im Fall von alleinerziehenden Personen bis zu 20 Wochen, gewährt. Sie ist auf einen monatlichen Höchstbetrag von 2.016 Euro begrenzt."

Die meisten Anträge in NRW gestellt

Mindestens 750.000 Anträge auf Entschädigungszahlungen wurden bis Mitte April bundesweit gestellt - die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Hier forderten Arbeitgeber in etwa 235.000 Fällen Geld zurück, rund 15 Prozent davon wurden bislang bewilligt.

Die lange andauernde Pandemie führe dazu, dass eine erhebliche Anzahl an Quarantänen ausgesprochen würden und in der Folge Verdienstausfallentschädigungen vorliegen, sagte Frauke Füsers vom Gesundheitsministerium NRW. Bislang zahlte das Land um die 38 Millionen Euro aus. (af/dpa)

Verwendete Quellen:

  • IfSG (Infektionsschutzgesetz): ifsg-online.de, FAQ
  • dpa: Muss ich während meiner Quarantäne arbeiten? 3.5.21
  • dpa: Lohnfortzahlung in Quarantäne: über 150 Millionen Euro erstattet, 13.4.21

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