Camping kann eine nachhaltige Reiseform sein – und das macht es für mich so besonders. Die Natur ist immer nur einen Schritt entfernt und es ist für mich pures Vergnügen, sie dankbar, so gut es geht zu schützen. Nachhaltigkeit hilft dabei, die Liebe zum Camping und die zu unserer Erde zu verbinden.

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Das klingt doch gut, oder? Und das ist es auch. Es ist ein schönes Gefühl. Es ist irgendwie auch Entschleunigung. Das sind Punkte auf dem Karma-Konto, es ist mehr Bewusstsein und ein geringerer Fußabdruck. Die folgenden Tipps helfen dabei.

Tipp 1: Die Kunst des langsamen Reisens

Langsames Reisen bedeutet weniger Spritverbrauch, weniger CO₂-Emissionen, weniger Reifenabrieb, aber viel mehr Genuss. Nehmen wir mal den Reifenabrieb. Bei jeder Fahrt lösen sich winzig kleine Gummipartikel, die einen wesentlichen Teil zum Mikroplastik beitragen. Bis zu 120.000 Tonnen sind es alleine in Deutschland pro Jahr. Slow Travel hat aber nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch emotionale. Wer langsam reist, sieht und fühlt mehr. Momente werden bewusster erlebt. Und aufs Umfeld kann man sich intensiver einlassen.

Tipp 2: Lokaler Konsum & Zeichen von Dankbarkeit

Es ist nicht nur ein schönes Erlebnis, über regionale Wochenmärkte zu schlendern, es ist auch eine wunderbare Möglichkeit, Menschen vor Ort direkt zu unterstützen. Das kann das saisonale Gemüse sein, aus einem kleinen Garten. Oder aber ein Mitbringsel aus originalem Handwerk. Indem ich lokal konsumiere und nachhaltige touristische Angebote nutze, schaffe ich nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch mehr Bewusstsein für das, was diese Gegend ausmacht. Dabei schaue ich, dass der Weg zum Erzeuger möglichst kurz ist, mein Geld also direkt ankommt.

Tipp 3: Die grüne Stellplatzwahl

Fürs perfekte Naturerlebnis empfehle ich die Suche nach Natur- oder Öko-Campingplätzen. Dort wird, bestenfalls in Summe, Energie nachhaltig erzeugt und effizient eingesetzt, Müll getrennt, die lokale Wirtschaft unterstützt, Wasser gespart, Emission reduziert und die Natur geschützt. Das bedeutet, Urlaub machen und Gutes tun in Kombination. Und das meist in bester Lage.

Tipp 4: Das Campingklo ohne Chemie

Hier gibt’s gleich zwei Möglichkeiten, dem Chemiewahn ein Schnippchen zu schlagen. Die Kassettentoilette, der Klassiker unter den Campingklos, kann entweder ohne Zusätze – mit kurzen Leerungsintervallen – betrieben werden, oder aber mit biologisch abbaubaren Toilettenzusätzen auf mikrobiologischer Basis. Bei einer Trockentrenntoilette werden Urin und Fäkalien mittels Trenneinsatz getrennt aufgefangen und später entsorgt, der Urin kommt in einen Ausguss, die Fäkalien landen, verschlossen in einem Plastikbeutel aus recyceltem Kunststoff, im Restmüll.

Tipp 5: Natur für Haut und Haare

Sehr viele herkömmliche Kosmetikprodukte beinhalten fragwürdige Inhaltsstoffe, sorgen für jede Menge Verpackungsmüll und/oder basieren auf Raubbau und Tierversuchen. Naturprodukte sind als Alternative ein Win-win für Körper und Natur. Da gibt es zum Beispiel feste Seifen, die herrlich duften und lange halten. Plastikfreie Zahnbürsten wiederum sehen schöner aus. Natürliche Deos sind sanft zur Haut, Rasierhobel sparen Müll und Geld und mineralischer Sonnenschutz schützt Körper und Gewässer. Zertifizierte Naturkosmetiksiegel, wie das BDIH-Label, das NATRUE-Siegel oder ECOCERT, sind dabei eine gute Orientierung.

Tipp 6: Ökostrom selber machen

Aus Sonne wird Strom – und das ist, wie ich finde, eine ziemlich fantastische Angelegenheit. Alles, was es dafür braucht, sind Solarpaneele, ein Laderegler, eine Zusatzbatterie zur Stromspeicherung und, je nach Verbraucher, ein Wechselrichter. Mit dieser Kombi kann Ökostrom selbst produziert und genutzt werden, was in dem Fall unabhängig von fossilen Energieträgern und endlichen Ressourcen macht. Und das lohnt sich vor allem für Langzeitreisende.

Tipp 7: Nachhaltiger Umgang mit Wasser

Nur knapp 3% des globalen Wasservorkommens ist Süßwasser – und gerade einmal 0,3% stehen uns davon als Trinkwasserquelle zur Verfügung. Wasser ist somit kostbarstes Gut und Camping eine wunderbare Möglichkeit, sparsam damit umzugehen. Denn der geringe Platz im Camper macht, dass der Wasservorrat endlich ist. Ich filtere das Wasser beim Zapfen aus unbekannter Quelle auch noch und kann somit auf die vielen Einweg-Plastikflaschen verzichten, von denen in Deutschland rund 2 Millionen pro Stunde anfallen.

Tipp 8: Müll ist leider überall

Der Müll an Land und im Wasser wird zu einem immer größeren Problem, auf der ganzen Welt. Komplette Landstriche versinken in einer Plastikflut, Mikroplastikpartikel finden sich mittlerweile sogar in unseren Lebensmitteln wieder. Ein kleiner Beitrag gegen diese Verschmutzung, die sehr oft in unseren Gewässern landet, ist das Müllsammeln. Beim Wandern habe ich immer einen kleinen Beutel dabei, an Stellplätzen nehme ich mir die Zeit und befreie die Gegend so gut es geht vom Unrat. Und das ist eine schöne Möglichkeit, die Umgebung gleich mal intensiv kennenzulernen.

Tipp 9: Ökologischer Camper-Ausbau

Auch ein Camper ist gebaute Umwelt. Sogar mehr denn je, wenn ich mir die Entwicklung vom Vanlife in den letzten Jahren betrachte. Sollte dieser kleine (temporäre) Lebensmittelpunkt nicht so gesund, nachhaltig und naturnah wie möglich gestaltet sein? Maßnahmen gibt es einige. Die Dämmung kann aus nachwachsenden Rohstoffen sein, die Möbel können aus zertifiziertem Holz aus nachhaltigem Anbau oder aus formaldehydfreien Holzwerkstoffen gebaut werden. Die Holzbehandlung sollte ökologisch sein, ebenso wie der Bodenbelag, die Stoffe gibt’s in Bio-Qualität und das Verbauen von gebrauchten Materialien schont Ressourcen und Portemonnaie.

Tipp 10: Minimalismus ist der neue Luxus

Konsum mal anders gedacht. Der Campingmarkt boomt und für so einige Probleme gibt es mittlerweile viele Produkte, die man kaufen kann. Die Frage ist nur: Braucht es sie auch? Sehr oft eher nicht. Minimalismus – und das Nicht-Kaufen – schafft (finanziellen) Spielraum für mehr Erlebnisse. Upcycling und Recycling wiederum macht kreativ. Und materialistische Qualität schlägt billige Quantität.

Tipp 11 (promobil): Camper mieten oder zur Miete anbieten

Heutzutage ist es einfach, seinen Camper auf ein Portal hochzuladen und ihn anderen Campern zur Miete anzubieten. Das bringt nicht nur Geld für die Urlaubskasse, sondern hilft der Umwelt, denn durch aktives Mieten und Vermieten von Wohnmobilen sind insgesamt weniger Mobile im Umlauf. Auch als Mieter schützt man so die Umwelt.

Hier haben wir alle Tipps rund ums Wohnmobil-Mieten.

Tipp 12 (promobil): Die Wahl des umweltfreundlichsten Fahrzeugs

Wer ohnehin vorhat, sich ein neues Reisemobil zuzulegen, kann der Umwelt durch den Kauf eines E-Reisemobils helfen – durch lokale Emissionsfreiheit oder sofern der Strom für die Fahrzeugbatterien grün ist.

Wer bei einer Fahrzeugmiete auf einen Elektro-Camper zurückgreift, verkleinert seinen ökologischen Fingerabdruck noch weiter.

Hier haben wir elektrische Reisemobile zusammengesammelt, die ihr 2024 kaufen könnt.

Tipp 13 (promobil): Fahrweise optimieren

Oft denkt man, dass an der eigenen Fahrweise nichts auszusetzen ist. In vielen Fällen gibt es aber Optimierungsbedarf. Beispielsweise ist das Wissen, den Motor vor dem Losfahren erst einmal warmlaufen zu lassen, ein veralteter Mythos. Es empfiehlt sich, sofort und in niedrigen Drehzahlen loszufahren.

Ein Blick auf die Anzeige für Schaltvorschläge lohnt sich ebenfalls. Wer den Anweisungen folgt, spart in den meisten Fällen kostbaren Kraftstoff ein. Übrigens: Es ist nicht verboten, Gänge zu überspringen, wenn es beispielsweise bergab geht und die Verkehrsbedingungen es zulassen.

Extra-Tipp: Spülmittel selbst machen

Spülmittel kann man beim Camping ganz einfach mit nur wenigen natürlichen Zutaten selbst machen und ist dazu noch biologisch abbaubar, umweltfreundlich und günstig.

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Rezeptur für 600 ml selbstgemachtes Spülmittel

  • 30 g geriebene Pflanzenseife (ca. 6 EL)
  • 2 TL Natron
  • 600 ml Wasser

Nachdem das Wasser kocht, gibt man die geriebene Pflanzenseife (ich nutze meistens Aleppo-Seife) in den Topf und rührt so lange, bis sich die Seifenflocken aufgelöst haben. Es folgt das Natron und wenn sich die Flüssigkeit etwas abgekühlt hat, kann man das Spülmittel schon in ein schönes Gefäß abfüllen und benutzen. Et voilà!  © Promobil

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