Seit Monaten warnen Hilfsorganisationen vor einer sich weiter verschlechternden Lage im Südsudan. Es herrscht Angst vor einem erneut aufflammenden Bürgerkrieg und der dramatischen Ernährungslage. Wieso auch die humanitäre Unterstützung immer schwieriger wird.
Im jüngsten Staat der Welt, dem Südsudan, ist die Situation kurz vor dem Kipppunkt. Seit der Unabhängigkeit 2011 ist das Land geprägt von Unsicherheit und immer wieder aufflammenden Konflikten. Der Südsudan gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, trotz eines hohen Ölvorkommens.
Die Gewalt zwischen Regierungstruppen und der Opposition eskalierte erneut, nachdem das Friedensabkommen von 2018 im letzten Jahr zunehmend zerfallen war. Der damals amtierende Vizepräsident Riek Machar wurde festgenommen. Die UN-Blauhelm-Mission warnt vor einer Rückkehr zum Bürgerkrieg, berichtet die "Tagesschau" Ende März.
Aufgrund der Gewalt und Unsicherheit sind laut UNICEF rund zwei Millionen Menschen im Land auf der Flucht. Sie alle benötigen humanitäre Hilfe, schreibt das Kinderhilfswerk auf seiner Seite. Der stellvertretende Geschäftsführer von UNICEF, Ted Chaiban, war im März dieses Jahres in der Region Jonglei, im Norden des Landes, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Die Situation in der Region ist besonders angespannt.
Immer mehr Menschen bedeutet auch immer mehr Hilfe nötig
Im Dorf Chuil traf er unter anderem auf Gesundheitshelfer, die verzweifelt versuchten, vor allem die Kinder mit dem zu versorgen, was sie am dringendsten benötigen. Von allem gibt es zu wenig: Nahrung, sauberes Wasser, Medikamente und geschützte Räume.
Zahlreiche Menschen aus der Region suchen Schutz in umliegenden Dörfern. "Die ursprüngliche Bevölkerung betrug 6.000 Menschen", berichtet Chaiban, "und in den letzten zwei Monaten ist sie auf 30.000 angewachsen."
Der Bedarf an Hilfsgütern und sicheren Unterkünften ist somit stetig gewachsen. Schon vor dem erneuten Ausbruch der Gewalt seien mehr als zwei Millionen Kinder von akuter Mangelernährung bedroht gewesen, sagt Chaiban. Nach Angaben von UNICEF sind ca. 700.000 Kinder lebensgefährlich mangelernährt.
Der Krieg im benachbarten Sudan erhöht den Druck auf den Südsudan zusätzlich. Denn auch von dort fliehen Familien vor der Gewalt und suchen Unterstützung im Nachbarland – etwas, was dieser noch so junge Staat in der Krise kaum stemmen kann.
Eine Ernährungskrise könnte kommen
Die UN sorgt sich vor einer schleichenden Ernährungskrise. Menschen, die geflüchtet sind, können ihre Felder nicht bestellen. Dadurch gibt es nicht genügend verfügbare Lebensmittel. Hinzu kommen gesundheitliche Gefahren, die in Geflüchtetenunterkünften auf sie lauern.
Hier leben sehr viele Menschen auf engem Raum, es gibt zu wenig Toiletten oder keine ausreichenden Möglichkeiten sich zu waschen. Dadurch verbreiten sich Krankheiten schnell. Kleine Kinder sind besonders anfällig für Durchfallerkrankungen, insbesondere wenn sie zusätzlich durch Mangelernährung geschwächt sind.
Laut UNICEF sind mehr als 450.000 Kinder in der Region Jonglei gefährdet, aufgrund der anhaltenden Gewalt akut mangelernährt zu sein. Gefährlich ist auch, dass der Konflikt dazu geführt hat, dass 17 Gesundheitseinrichtungen (Stand Februar 2026) schließen mussten, die ansonsten die Menschen mit therapeutischer Zusatznahrung und Behandlungen gegen Mangelernährung versorgt hätten. Andere Einrichtungen wurden geplündert, berichtet UNICEF Südsudan.
Humanitäre Hilfe ist bedroht
Nicht nur eine mangelnde Finanzierung bedroht die humanitäre Hilfe im Südsudan. Organisationen, die vor Ort aktiv sind, haben erhebliche Schwierigkeiten, die Menschen zu erreichen, die dringend Unterstützung benötigen. Zudem gibt es immer wieder Angriffe auf Helfende. UN-Vertreter Jean-Pierre Lacroix sagt gegenüber der "Tagesschau": "Der Südsudan zählt zu den gefährlichsten Orten der Welt für humanitäre Helfer."
Empfehlungen der Redaktion
UNICEF fordert gemeinsam mit den UN-Organisationen alle Parteien auf, die Gewalt zu beenden, um die Lebensperspektive hauptsächlich der Kinder im Land nicht zunichtezumachen.
Verwendete Quellen
- tagesschau.de: Angst vor neuem Bürgerkrieg im Südsudan
- tagesschau.de: Wenn Helfer zu Opfern werden
- unicef.org: Escalating conflict in South Sudan threatens safety and survival of women and children
- unicef.de: Südsudan: Hungerkrise bedroht Kinderleben