In der sudanesischen Stadt Al-Obeid spitzt sich die Gefahrenlage immer weiter zu: Vor allem Kinder sind von der ansteigenden Gewalt und Angriffen bedroht. Auch der Zugang für humanitäre Hilfe wird immer schwieriger.
In Nord-Kordofan steht die Stadt Al-Obeid derzeit unter massiver Bedrohung. Seit 18 Monaten werden hier nach Angaben der UN Zivilisten belagert. Sie haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, Lebensmitteln und sauberem Wasser. Laut UNICEF sind in der Region ca. 500.000 Menschen in akuter Gefahr. In nur drei Wochen im Juni gab es laut der UN 15 Drohnenangriffe auf Al-Obeid, bei denen mindestens 45 Zivilisten getötet wurden.
Besonders Kinder sind durch Kinderrechtsverletzungen und Gewalt in ihrer Unversehrtheit bedroht. Zu den Kinderrechtsverletzungen zählen unter anderem Rekrutierung und Einsatz durch bewaffnete Gruppen, Entführungen, sexualisierte Gewalt und Angriffe auf Schulen.
Kinder im Sudan leiden durch den Krieg nicht nur an der direkten Gewalt und Verletzungen, sondern auch an dauerhaftem Stress durch die ständigen Angriffe, an Angstzuständen und Traumata.
Al-Obeid: Knotenpunkt für Binnengeflüchtete und humanitäre Hilfe
Die Stadt Al-Obeid ist strategisch entscheidend, denn viele Vertriebene aus dem Westen und Süden der Region haben hier Zuflucht gesucht. Jetzt sind sie erneut Gefechten ausgesetzt und wissen nicht, wo sie noch Sicherheit finden können.
Zudem ist die Stadt für die humanitäre Hilfe unerlässlich und ein Knotenpunkt für die Lieferung und Verbreitung von Hilfsgütern. Durch die Zerstörung der Infrastruktur und Versorgungswege wird es Organisationen wie UNICEF erschwert, Menschen mit dem zu erreichen, was sie benötigen.
"In Al-Obeid entwickelt sich eine entsetzliche Katastrophe für Kinder und Familien", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, in einer Pressemitteilung. "Die dramatischen Ereignisse von Al-Fashir dürfen sich hier nicht wiederholen. Humanitäre Hilfe muss uneingeschränkt Kinder in Not erreichen können. Kinder brauchen jetzt Schutz und vor allem ein Ende der Gewalt."
Der UN-Sicherheitsrat warnte bereits Ende Juni vor dem raschen Vorrücken der Miliz RSF (Rapid Support Forces) in der Region. Sie war im letzten Jahr ebenfalls für die Gräueltaten in der Stadt Al-Fashir verantwortlich. Mindestens 6.000 Menschen sind hier innerhalb von drei Tagen getötet worden.
Der Krieg geht weiter und Kinder sterben
Der Krieg im Sudan dauert seit drei Jahren an und hat zu einer der größten Flüchtlingskrisen und humanitären Katastrophen weltweit geführt. In 2026 wurden laut UNICEF bereits 330 Kinder getötet oder verletzt, die meisten von ihnen in den Regionen Darfur und Kordofan. Über die Hälfte dieser Opfer sind auf Drohnenangriffe zurückzuführen, schreibt das Kinderhilfswerk in einer Pressemitteilung.
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"Kinder im Sudan wachsen in Gewalt, Unsicherheit und kaum vorstellbarer Not auf", mahnt Christian Schneider, "Viele wurden mehrfach vertrieben und mussten Schreckliches erleben. Sie leiden nicht nur unter dem Krieg selbst, sondern auch unter dem Zusammenbruch der Versorgungssysteme, die sie zum Überleben brauchen."
Verwendete Quellen
- unicef.de: Sudan: UNICEF warnt vor dramatischer Zuspitzung der Lage für Kinder in Al-Obeid
- unicef.de: Sudan: Mindestens 330 Kinder seit Jahresbeginn getötet oder verletzt
- un.org: Sudan UN High Commissioner for Human Rights Volker Türk’s remarks during the Human Rights Council urgent debate on situation in El Obeid, Sudan
- dw.de: Sudan: Drohen Al-Obeid dieselben Gräuel wie Al-Faschir?