Es ist Weltwasserwoche! Jedes Jahr kommen in Stockholm Experten zusammen, die darüber beratschlagen, wie die weltweiten Herausforderungen bewältigt werden können, die in Zusammenhang mit Wasser stehen. Konkret heißt das: Wasserknappheit, Klimawandel und Sanitätsversorgung.

Der Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene ist essentiell für Überleben und Entwicklung – ganz besonders für kleine Kinder. Weltweit bereitet die Versorgung mit Wasser und sanitären Anlagen jedoch große Schwierigkeiten, insbesondere in Kriegs- und Krisengebieten.

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Die Wasserkrise geschieht jetzt

2,1 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Eine unfassbare Zahl. Rund 884 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Wasser. Betroffen sind vor allem Menschen oder Familien in den ärmeren Regionen der Welt – und dort vor allem in den ländlichen Gebieten.

Eine Besserung ist momentan nicht in Sicht. Laut aktuellem UN-Weltwasserbericht könnte bis 2050 die halbe Weltbevölkerung vom Mangel an sauberem Wasser betroffen sein. Der Bericht plädiert für "grüne" Lösungen – etwa natürliche Wasserkreisläufe, die für die Wasserversorgung genutzt werden sollten.

Wasser muss "sicher" sein

UNICEF spricht von "sicherem" Wasser, wenn es für die Menschen in der Nähe ihres Zuhauses zugänglich, bei Bedarf verfügbar und natürlich frei von Verunreinigungen ist.

Nur dann können sich Familien darauf verlassen, dass ihre Gesundheit nicht gefährdet ist. Was nützt es, wenn es zwar Wasser in der Nähe gibt, es aber aus einem verschmutzten Fluss kommt und voller Krankheitserreger steckt?

Krankheiten verbreiten sich besonders schnell

Verschmutztes Wasser aus Flüssen ist ein Problem – ein weiteres ist mangelnde Hygiene. 4,5 Milliarden Menschen nutzen keine sicheren Sanitäranlagen.

United Internet for UNICEF bietet Themen rund um die Arbeit mit UNICEF an.

Dazu gehört etwa eine Toilette, die dafür sorgt, dass Menschen nicht in Kontakt mit den Ausscheidungen kommen, und ein System, das die Ausscheidungen sicher entsorgt. Krankheiten können sich sonst schnell ausbreiten – eine tödliche Gefahr für kleine Kinder.

"Open defecation" ist weit verbreitet

Hierzulande praktisch undenkbar, in vielen Regionen der Welt Alltag: Über 892 Millionen Menschen praktizieren den Stuhlgang im Freien. Sie verfügen also noch nicht einmal über eine einfache Toilette, sondern verrichten ihre Notdurft am Straßenrand, auf Feldern oder im Gebüsch.

Wie kann man das ändern? Unter anderem durch Aufklärung: UNICEF kümmert sich beispielsweise in ländlichen Dorfgemeinschaften nicht nur um Ausbau und Wartung der Wassersysteme oder den Bau von Latrinen, sondern schult auch so genannte "Wasserkomitees".

Die Mitglieder der Komitees informieren andere Dorfbewohner dann beispielsweise über einfache Hygienepraktiken oder die Gefahr von Krankheiten. Oder sie überprüfen die Qualität des vorhandenen Trinkwassers.

Kinder sind am meisten gefährdet

Noch immer gehören der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren.

Jeden Tag sterben mehr als 700 Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie etwa Durchfall, die durch verunreinigtes Wasser oder mangelnde Hygiene hervorgerufen wurden.

Dabei ist Hygiene einer der einfachsten und kostengünstigsten Wege, um lebensgefährliche Krankheiten zu verhindern.

Geburten unter unhygienischen Bedingungen

Rund 35 Prozent der Krankenhäuser und Gesundheitszentren weltweit verfügen nicht über fließendes Wasser und Seife zum Händewaschen.

19 Prozent haben keine einfachen Toiletten. Unter solchen Umständen sind sichere Geburten kaum möglich. Und Hygiene ist rund um die Geburt lebenswichtig.

Wird beispielsweise die Nabelschnur mit einem nicht sterilen Gegenstand durchtrennt, kann das Baby Gefahr laufen, sich mit einer lebensbedrohlichen Krankheit wie Tetanus zu infizieren.

In Notsituationen ist die Lage besonders dramatisch: Als zum Beispiel 2015 zwei schwere Erdbeben Nepal erschütterten, wurden viele Krankenhäuser und Geburtszentren zerstört – in einigen Regionen sogar rund 70 Prozent der Geburtszentren.

Wassermangel verhindert Schulbildung

Wenn Kinder täglich lange Wege gehen müssen, um Wasser für die Familie zu holen, verpassen sie oft die Chance, zur Schule zu gehen. Gerade für Kinder ist dies wertvolle Zeit, in der sie nicht Kind sein und nicht lernen können.

Hinzu kommt: Wenn Schulen kein sicheres Trinkwasser und keine Toiletten haben, können Kinder nicht in einer angemessenen Umgebung lernen. Und Mädchen bleiben während ihrer Menstruation häufig lieber zu Hause.

Weltweit haben nur etwa 69 Prozent der Schulen grundlegenden Zugang zu Trinkwasser, und nur 66 Prozent haben sanitäre Anlagen. Rund 900 Millionen Kinder haben an ihrer Schule keinen Zugang zu Hygiene-Einrichtungen. Besonders betroffen sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara.

Klimawandel verschlechtert die Lage

Das sich verändernde Klima sorgt dafür, dass noch mehr Wasserquellen vertrocknen oder verschmutzt werden. Bis 2040 werden 600 Millionen Kinder in Gebieten leben, die von extremer Trockenheit betroffen sind.

Das globale Wetterphänomen El Niño hat uns in den vergangenen Jahren vorgeführt, welche Auswirkungen der Klimawandel haben kann. Insbesondere die Länder des östlichen und südlichen Afrika wurden mit voller Wucht getroffen: Extreme Trockenheit und Dürre wechselten sich mit sintflutartigen Regenfällen ab.

In Konflikten und Krisen verschärft sich die Notlage

Weltweit benötigen rund 117 Millionen Menschen in Notsituationen dringend sauberes Wasser. Ein besonders eindringliches Beispiel ist der Bürgerkrieg in Syrien. Jahrelange Kämpfe haben dort tiefe Spuren hinterlassen: Die Wasserversorgung ist in vielen Orten zusammengebrochen, Millionen Menschen sind betroffen.

UNICEF bekämpft den Wassermangel in Syrien mit Notlieferungen auf Trucks sowie dem Bau und der Reparatur von Brunnen und Infrastruktur.

(Der Text in der Originalversion erschien zuerst auf unicef.de von Tim Rohde)