UNICEF ruft dazu auf, die Diskriminierung von Kindern mit Behinderungen zu überwinden und ihre Rechte zu stärken. In Entwicklungs- und Schwellenländern leben diese Kinder und ihre Familien laut des neuen UNICEF-Berichts "Zur Situation der Kinder in der Welt" zumeist in großer Armut.

Statt bestmöglicher Förderung in der Familie und in den Gemeinden gilt in vielen Ländern nach wie vor die Unterbringung in Heimen als einzige Lösung. Tief sitzende Vorurteile und Stigmatisierungen führen dazu, dass Kinder mit Behinderungen oft als "minderwertig" betrachtet und an den Rand gedrängt werden.

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"Wenn wir zuerst die Behinderung sehen, ist das nicht nur falsch für das Kind. Diese Sichtweise enthält der Gesellschaft all das vor, was dieses Kind ausmacht", erklärte UNICEF-Exekutivdirektor Tony Lake bei der Vorstellung des Reports in Vietnam. "Damit Kinder mit Behinderungen etwas zählen, müssen sie gesehen werden, bei der Geburt, in der Schule, im Leben."

Kinder mit Behinderungen und ihre Familien, so der UNICEF-Bericht, zählen weltweit zu den am stärksten benachteiligten und gefährdeten Menschen:

  • Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben lediglich 5 bis 15 Prozent der Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Entwicklungsländern notwendige Hilfsmittel wie zum Beispiel Rollstühle. Rund drei Viertel der Menschen in armen Ländern, die an Epilepsie leiden, verfügen nicht über die notwendigen Medikamente.
  • Weltweit gehen Kinder mit Behinderungen seltener zur Schule. Eine Untersuchung in 51 Ländern ergab, dass lediglich 42 Prozent der eingeschulten Mädchen und 51 Prozent der Jungen mit Behinderungen eine Grundschule abschloss. Der Anteil bei den nichtbehinderten Kindern lag jeweils um zehn Prozent höher.
  • Diskriminierung und Aberglaube führen dazu, dass Kinder mit Behinderungen immer wieder verfolgt werden – so zum Beispiel von Albinismus betroffene Kinder in Tansania. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt dort lediglich bei rund 30 Jahren. Aus Untersuchungen in Industrieländern weiß man, dass Kinder mit Behinderungen ein drei bis viermal höheres Risiko tragen, Opfer von Gewalt zu werden.
  • In Kriegs- und Krisengebieten wie zum Beispiel in Syrien erleiden viele Kinder schwere körperliche und seelische Verletzungen. Jedes Jahr werden weltweit noch immer über 1.000 Kinder durch Minen oder Blindgänger verstümmelt oder getötet. Bei einer Befragung in 25 Ländern sagten zwei Drittel der Überlebenden, dass sie "nie" oder "fast nie" notwendige Hilfe erhielten.

Viele Regierungen schenken dem Thema Behinderung bislang kaum Aufmerksamkeit. So haben nur wenige Staaten umfassende Informationen darüber, wie viele Menschen mit Behinderungen in ihrer Gesellschaft leben und wie sich diese auf ihr Leben auswirken.

UNICEF fordert Veränderungen

Einstellungen verändern: Eine "inklusive" Gesellschaft setzt voraus, dass Unwissenheit und Diskriminierung überwunden werden und die Fähigkeiten und Rechte der Kinder in den Mittelpunkt rücken. Zuerst muss das Kind, nicht seine Behinderung gesehen werden.

Barrieren abbauen: Barrieren, die die Teilhabe von Kindern mit Behinderungen in Schulen, Gesundheitseinrichtungen und im öffentlichen Leben erschweren oder verhindern, müssen abgebaut werden.

Institutionalisierung beenden und Familien stärken: Die verbreitete Unterbringung in Heimen muss gestoppt werden. Stattdessen müssen Familien gestärkt werden – zum Beispiel durch den Aufbau lokaler Netzwerke. Gezielte Sozialprogramme müssen die Folgen von Armut, Arbeitslosigkeit und höheren Lebenshaltungskosten mindern.

Rehabilitation in den Gemeinden ausbauen: Medizinische Hilfe, Schulen und soziale Unterstützung müssen für alle Kinder in den Gemeinden zugänglich sein. Frühzeitige Diagnose von Risiken sowie fachkompetente Förderung sind dabei besonders wichtig.

Kinder mit Behinderungen "sichtbar" machen: Um verlässliche und vergleichbare Informationen als Grundlage für politische Maßnahmen zu erhalten, ist verstärkte weltweite Forschung notwendig.

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