Der Krieg in der Ukraine geht bald ins fünfte Jahr und vor allem Kinder sind dem Kriegstreiben weiterhin ausgesetzt. Der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland findet klare Worte und appelliert an die Weltgemeinschaft.
Nach vier Jahren Krieg in der Ukraine sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF mehr als ein Drittel der ukrainischen Kinder und Jugendlichen auf der Flucht - insgesamt fast 2,59 Millionen.
Mehr als 791.000 Kinder und Jugendliche wurden innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben, rund 1.798.900 haben im Ausland Zuflucht gesucht, wie UNICEF am Dienstag mitteilte. Mehr als 3.200 Kinder wurden seit Kriegsbeginn getötet oder verletzt. Russland war am 24. Februar 2022 in der Ukraine einmarschiert.
"Millionen Kinder und Familien haben ihre Heimat verlassen, um Sicherheit zu suchen", erklärte die UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien, Regina De Dominicis. "Auch vier Jahre nach Beginn dieses unerbittlichen Krieges ist noch immer jedes dritte Kind auf der Flucht."
Für Kinder in der Ukraine werde es aufgrund der anhaltenden russischen Angriffe auf Wohngebiete im ganzen Land immer schwieriger, Schutz zu finden. "In vielerlei Hinsicht holt der Krieg diese Kinder immer wieder ein", sagte De Dominicis.
Krieg in der Ukraine: Auswirkungen auf Kinder sind dramatisch
Der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, erklärte, es lasse sich "kaum noch in Worte fassen, was Kinder und Jugendliche in der Ukraine seit vier Jahren aushalten: die ständige Angst vor Angriffen, die langen Nächte in derzeit eisiger Kälte ohne Strom und Licht, die Flucht ohne eine wirkliche Chance auf Sicherheit, die Isolation von Gleichaltrigen."
Dennoch geben sie nicht auf: Vor wenigen Wochen habe ihm ein junges Mädchen in Charkiw gesagt: "Ich will eine Zukunft in der Ukraine", berichtete Schneider. "Diese Hoffnung verpflichtet uns alle - gemeinsam müssen wir alles daransetzen, Kinder zu schützen und ihnen Stabilität zurückzugeben", erklärte Schneider.
Flucht ist für viele der einzige Ausweg
Viele Kinder mussten dem Bericht zufolge bereits mehrfach aus ihrer Heimat fliehen. Bei einer kürzlich vom UN-Kinderhilfswerk vorgenommenen Umfrage gab unter den Vertriebenen jeder dritte Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren an, mindestens zweimal geflohen zu sein.
Als häufigster Grund für die Flucht wurde die Sorge um die Sicherheit genannt. Die Zahl getöteter und verletzter Kinder stieg 2025 um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auch grundlegende Dienste, auf die Kinder angewiesen sind, wurden in den vergangenen vier Jahren stark beeinträchtigt und sind laut UNICEF zunehmend überlastet. Mehr als 1.700 Schulen und andere Bildungseinrichtungen seien im Krieg beschädigt oder zerstört worden. Jedes dritte Kind könne deshalb und aufgrund der Gefahren durch erneute Angriffe nicht mehr ganztägig am Präsenzunterricht teilnehmen.
Menschen in der Ukraine harren ohne Strom und Wasser aus
Die jüngsten Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben den Angaben zufolge Millionen Kinder und Familien in eine lebensbedrohliche Lage gebracht. Bei eisigen Temperaturen müssen sie teils tagelang ohne Heizung, Strom und Wasser auskommen.
Besonders Babys und Kleinkinder seien unter diesen Bedingungen gefährdet - etwa durch Atemwegserkrankungen und Unterkühlung, mahnte UNICEF. Zugleich gerieten medizinische Einrichtungen durch die Angriffe und die eingeschränkte Energieversorgung immer weiter unter Druck.
Alarmierend: Kinder und Jugendliche verlieren die Hoffnung
Die psychischen Belastungen durch den Krieg nehmen laut UNICEF ebenfalls zu. Die ständige Angst vor Angriffen, das wiederholte Ausweichen in Schutzräume und die Isolation zu Hause mit nur wenigen sozialen Kontakten belasteten viele Jugendliche stark.
Eine kürzlich vorgenommene Umfrage habe gezeigt, dass jeder vierte 15- bis 19-Jährige die Hoffnung auf eine Zukunft in der Ukraine verliere. Dies mache deutlich, wie dringend Kinder und Jugendliche Sicherheit und Stabilität benötigten, genauso wie Investitionen in die Grundversorgung und Angebote, die ihnen Perspektiven geben, betonte das UN-Kinderhilfswerk.
Unterstützung durch UNICEF und deutsche Bundesregierung
Nach eigenen Angaben erreichte UNICEF im Jahr 2025 gemeinsam mit örtlichen Behörden und Partnern sieben Millionen Menschen, darunter 2,5 Millionen Kinder, mit humanitärer Hilfe.
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Zugleich hätten die Wiederaufbauprogramme von UNICEF in Zusammenarbeit mit nationalen und örtlichen Behörden dazu beigetragen, soziale Dienste für rund 9,8 Millionen Menschen im ganzen Land zu stärken. Dabei sei die Bundesregierung eine wichtige Säule der Unterstützung, erklärte UNICEF. (afp/bearbeitet von cm)