Fast 10.000 Zeitschriften gibt es auf dem deutschen Markt. Vom Fachblatt für Weihnachtsbäume über die Ufo-Forschung bis hin zur unabhängigen Zeitschrift für Medikamente - es ist wirklich für jeden etwas dabei.

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Ausverkauf bei der "FTD"

Die insolvente Zeitung versteigert ihr Inventar auf Ebay. Die skurrilsten Stücke.

Wie die Zeitschriftengruppe Gruner+Jahr mitteilt, musste sie im Jahr 2012 einen Verlust von 11 Millionen Euro hinnehmen. Vor allem die Kosten der Einstellung der "Financial Times Deutschland" seien für dieses schlechte Ergebnis verantwortlich. Doch das Hamburger Verlagshaus steht mit seinen Problemen nicht alleine da. Veränderte Mediennutzung, kostenlose Internetangebote und mobile Informationsmöglichkeiten setzen der Printbranche zu.

Für manche ist ein Ausweg aus der Bredouille der Schritt in die Nische. Obwohl man sich manchmal staunend fragt, ob es für dieses oder jenes Thema tatsächlich so viele Interessenten gibt, wimmelt es in Deutschland von skurrilen Zeitschriften. Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick auf einen sehr facettenreichen Markt.

Von Nadeln, Saft und Schüttgut-Trends

Wunderschön ist zum Beispiel das "Nadel Journal". Wer allerdings annimmt, dass sich diese Publikation an Schneider oder an die Hersteller von Näh- oder Stecknadeln richtet, liegt ziemlich daneben. Denn das Monatsjournal ist die "unabhängige Fachzeitschrift für die deutsche und europäische Weihnachtsbaum- und Schnittgrünbranche sowie für alle, die einen Einblick in die Szene erhalten möchten". Die Auflage liegt bei 3.000 Exemplaren.

"Flüssiges Obst" - da gibt es kein Vertun - beschäftigt sich mit Fruchtsaft. Allerdings richtet sich diese Fachzeitschrift an die gesamte Getränkewirtschaft (Auflage knapp 2.000 Exemplare). "Schüttgut" hat dagegen mit Getränken rein gar nichts zu tun. Die Fachzeitschrift (Auflage 5.000 Stück) wird vom Verlag "als die crossmediale Transfer-Plattform zwischen Anwendern, System- und Komponentenlieferanten sowie Wissenschaft" beschrieben. Außerdem geht es in den Heften um Problemlösungen und "Trends rund um ein effizientes Schüttgut-Handling". Dazu muss man wissen, dass Schüttgut ein loses Gut ist, das zum Transport in den Laderaum eines Fahrzeugs geschüttet wird und nicht verpackt ist.

"Muh" macht das Rind

Die Zielgruppe der Monatszeitschrift "Beef!" sind kochende Männer. Und Männer essen Fleisch. Offenbar reicht das, um eine Zeitschrift mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren am Markt zu positionieren. An wen richtet sich wohl das Magazin "Muh"? Falsch - es geht nicht ums Kochen, es geht auch nicht um Rindviecher (da wäre das Fachblatt "Fleischrinder-Journal" zu empfehlen) - "Muh" ist das Magazin für alle, die sich für Bayern interessieren. Genauer gesagt "für bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeit und Ungemütlichkeiten". Humor hat die Redaktion jedenfalls - und offenbar Erfolg, denn die Auflage beträgt 17.000 Stück.

Dass sich die Zeitschrift "Blasmusik" an Freunde dieser Art des Musizierens wendet, kann man getrost annehmen. Denn sie ist die offizielle Fach- und Verbandszeitschrift des Bundes Deutscher Blasmusikverbände (Auflage 6.600 Hefte). Auf dem Holzweg ist dagegen, wer ähnliches vom Magazin "Blech" erwartet. Dahinter verbirgt sich kein Verband der Blechbläser. Das Fachblatt (Auflage 12.000 Stück) richtet sich an blechbearbeitende Betriebe und Abteilungen - und zwar "speziell und ausschließlich".

Auf deutschen Straßen

Wer den Titel des Magazins "asphalt" liest, denkt zunächst an ein Automagazin. Doch weit gefehlt. Es ist auch keine Obdachlosenzeitschrift gemeint (die gibt es wirklich und heißt "Magazin Asphalt"). "asphalt" ist schlicht und einfach eine Spezial-Fachzeitschrift um "Asphalt- Herstellung, -Einbau und -Verwendung". Sie erscheint acht Mal im Jahr mit einer Auflage von 6.000 Stück.

Ganz schön "Abgefahren"? Genau, so heißt eine weitere Zeitschrift. Sie beschäftigt sich aber nicht mit abgefahrenen Asphaltdecken oder Reifen. Es geht auch nicht um Großstadtkultur. Vielmehr soll das Heft das automobile Kulturgut fördern. Besonders die "junge Klassik-Szene" und Newtimer (also nicht ganz so alte Oldtimer) liegen der Redaktion am Herzen. Der schöne Titel wurde allerdings gerade in "Motor77" geändert - vielleicht, weil "abgefahren" ja nicht nur positive Assoziationen hervorruft? Die Auflage beträgt jedenfalls stattlich 45.000 Exemplare.

Mit Fahrzeugen der ganz anderen Art beschäftigt sich die Zeitschrift "DEGUFORUM". Das Objekt der Begierde ist ziemlich gut im Titel versteckt. Hier geht es nämlich um Ufos. Das Magazin (Auflage 250 Hefte) wird von der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufo-Forschung (DEGUFO) herausgegeben und befasst sich mit Sichtungen von unbekannten Flugobjekten und deren wissenschaftlicher Erklärung. Das Magazin "Der fliegende Teppich" (Auflage 10.000 Hefte) hat hingegen eine ganz andere Zielgruppe: Menschen, die sich für Kindertheater und Kinderkultur interessieren.

Mit Fantasie und Fantasy

"Nautilus" nennt sich eine weitere Zeitschrift, die monatlich 35.000 Hefte verkauft. Nein, es geht nicht um die gleichnamige Muschel. Das Stichwort "Nemo" könnte auf die Sprünge helfen, aber wer hier den lustigen Clownfisch aus dem Erfolgsfilm "Findet Nemo" vermutet, muss noch weiter überlegen. Denn der Name des Magazins leitet sich vom fantastischen Unterseeboot von Kapitän Nemo ab, der "Nautilus". Das Magazin wendet sich deshalb auch an die Fans von Fantasy und Science Fiction, "Abenteuer und Phantastik". Von hier ist es nur ein kleiner Schritt zur Zeitschrift "Hagia Chora", die sich mit Geomantie und Feng Shui beschäftigt, der Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung (Auflage unbekannt).

Nachdenklich, kritisch, niedlich

Wie wäre es denn mal mit "Selber denken"? Hier gelangen wir vom Esoterischen ins Philosophische. In frisch-frecher Form, sieht sich "Selber denken" doch als "die Café-, Radio- und Salonzeitung der philosophischen Lebenskunst" (Auflage 3.500 Exemplare).

Kritisch ist auch das Magazin "Gute Pillen - Schlechte Pillen", das unabhängig über Medikamente berichtet. Drei medizinische Fachzeitschriften ("arzneitmitteltelegramm", "Der Arzneimittelbrief" und der "Pharma-Brief") sind die Herausgeber, die Mitarbeiter der Zeitschriften bilden die Redaktion von "Gute Pillen - Schlechte Pillen". (Auflage unbekannt)

Wer jetzt noch Trost braucht, dem sei "Teddy & Co." empfohlen. Das Hobby-Magazin (Auflage 35.000 Stück) liefert alles rund um das Basteln von und für "Teddybären".