Der Bilanzskandal um Wirecard nimmt kein Ende. Jetzt muss der Konzern abermals die Vorlage der Jahreszahlen verschieben - und sieht sich selbst als Opfer eines "gigantischen Betrugs". Die Aktie stürzt ab.

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Der Zahlungsdienstleister Wirecard kann wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorlegen.

Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY habe das Unternehmen darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag in Aschheim bei München mit. Damit geht es um etwa ein Viertel der gesamten Bilanzsumme.

Wirecard sieht sich als Opfer eines "gigantischen Betrugs"

Wirecard will Strafanzeige gegen unbekannt erstatten, wie ein Konzernsprecher am Donnerstag sagte. Das Unternehmen sehe sich als mögliches Opfer eines "gigantischen Betrugs".

Es gebe Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder oder aus dem Bereich von Banken, die die Treuhandkonten führen, "unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden", hieß es in der Mitteilung.

Der Aktienkurs des Dax-Konzerns brach daraufhin ein. Die Papiere des Zahlungsabwicklers stürzten am Donnerstagvormittag um fast 70 Prozent ab und waren vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden. Mit 35 Euro befand sich der Kurs zwischenzeitlich in etwa auf dem Niveau von Juni 2016. Im Anschluss erholte sich der Kurs etwas, lag aber am Mittag noch immer mit über 40 Prozent im Minus.

Konzern muss Jahresabschluss vertagen

Der Konzern muss seine bereits mehrfach - zuletzt auf diesen Donnerstag - verschobene Vorlage des Jahresabschlusses für 2019 daher erneut vertagen. Ein neues Datum steht noch nicht fest. "Der Vorstand arbeitet mit Hochdruck daran, den Sachverhalt in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer weiter aufzuklären", hieß es.

Sollte der Konzern einen testierten Abschluss bis Freitag (19. Juni) nicht vorlegen, könnten Kredite der Wirecard AG in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, warnte das Unternehmen. (jwo/dpa)

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