(abb) - Textilien gängiger Modemarken wie C&A und Zara enthalten krebserregende und hormonell wirksame Giftstoffe. Das fand die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einem weltweiten Test heraus.

Von Armani bis Zara

Bei der eingehenden Untersuchung der Textilien berücksichtigte Greenpeace insgesamt 141 Kleidungsstücke, die in 29 Ländern eingekauft wurden. Darunter befanden sich sowohl Artikel für Herren und Damen, als auch für Kinder. Getestet wurden Bekleidungsstücke wie Jeans und Hosen, T-Shirts, Kleider und Unterwäsche. Ins Visier der Untersuchung rückten dabei populäre Unternehmen wie H&M, Mango, Zara und C&A. Getestet wurden auch Luxusmarken wie Armani und Tommy Hilfiger, oder Jeanshersteller wie Diesel und Levi‘s. Insgesamt analysierten Wissenschaftler Textilien von 20 Herstellern.1

Nachweis von Giftstoffen

Schockierend ist dabei die Tatsache, dass in wirklich jedem Kleidungsstück der berücksichtigten Herstellungs- und Einkaufsländer giftige Stoffe nachgewiesen wurden. Getestet wurden die Textilien vor allem auf krebserregende Farbstoffe, gesundheitsschädliche Weichmacher (Phthalate) und Nonylphenolethoxylate (NPE). Nonylphenolethoxylate konnten dabei in 89 der 141 Kleidungsstücke nachgewiesen werden. Die unter die "besonders besorgniserregenden Stoffe" fallenden hormonstörenden Phthalate wurden in vier Kleidungsstücken gefunden.2 Zwei Artikel enthielten sogar krebserregende Amine, die bei der Verwendung bestimmter Farbstoffe entstehen.

Die Kleidungsstücke mit den höchsten NPE-Konzentrationen stammen laut der Studie von Greenpeace von den Marken C&A und Mango, Levi's, Calvin Klein, Metersbonwe, Jack & Jones, Marks & Spencer und Zara. Fortpflanzungsschädigende Phthalate wurden in hohen Konzentrationen in bedruckten T-Shirts von Armani und Tommy Hilfiger festgestellt. Produkte von Zara enthielten sowohl hormonell wirksame Weichmacher, als auch krebserregende Chemikalien: Hohe NPE-Rückstände fanden sich in einer Kinderjacke aus China, gesundheitsschädliche Farbstoffe wie Amine in Zara-Jeans, hergestellt in Pakistan.

Schwere Folgen für Gesundheit und Umwelt

Inwieweit stellen diese Kleidungsstücke nun aber eine Belastung für unsere Gesundheit dar? Christiane Huxdorff, Chemie-Expertin von Greenpeace, ist sich sicher: "Von der Produktion bis zur Entsorgung schaden gefährliche Textilchemikalien Umwelt und Gesundheit. Auch wenn Textilien in China, Mexiko oder Pakistan produziert werden, sind die eingesetzten Schadstoffe in unserem Blut nachweisbar." Zudem, so die Expertin, würden die Modehersteller weltweit Flüsse als private Abwasserkanäle missbrauchen und so das Trinkwasser von Millionen von Menschen verschmutzen.

In der Tat werden Chemikalien durch das Fabrikabwasser in die Umwelt geleitet, wie eine Abwasseruntersuchung der Umweltschutzorganisation im Jahr 2011 bestätigt. Schwache Gesetze in den Herstellerländern und ein schlechtes Chemikalienmanagement der Modemarken führen dazu, dass diese Abfallstoffe in Flüsse, Seen und Trinkwasser fließen. Besonders schädlich ist dabei NPE, dass sich in der veränderten Umgebung zu Nonylphenol (NP), einer giftigen, persistenten und hormonell wirksamen Chemikalie abbaut. Dieser Giftstoff gelangt über Fische und Wildtiere in die Nahrungskette.

Chemikalien auch in deutschen Gewässern

Trotz strengerer Gesetze innerhalb der EU, konnten die Stoffe auch in deutschen Gewässern nachgewiesen werden. Hauptgrund für die Verunreinigung sind laut Umweltbundesamt importierte Textilien. Ein Greenpeace-Test zeigte, dass ein hoher Anteil der NPE-Rückstände und anderer wasserlöslicher Textil-Chemikalien bei der Haushaltswäsche herausgewaschen wird. Für uns als Verbraucher bedeutet dies zwar, dass wir beim Tragen der Kleidung weniger mit den giftigen Stoffen belastet werden. Doch für unsere Umwelt und unser Trinkwasser entsteht durch die Reinigung eine zusätzliche Belastung.

Kampf gegen giftige Substanzen

Um so wichtiger ist es, den Einsatz solcher Chemikalien von Beginn an zu verhindern. Denn selbst deutsche Klärwerke können NPE nicht komplett abbauen. Vielmehr beschleunigen sie die Umwandlung des Stoffes in das noch giftigere NP. Die einzige Möglichkeit, die Ableitung der giftige Stoffe in die Umwelt zu verhindern, ist eine schadstofffreie Produktion. Einige Marken haben bereits eine solche giftfreie Herstellung angekündigt. Dazu zählen die Modehäuser H&M, C&A und Marks & Spencer sowie die Sportartikelhersteller Puma, Nike, Adidas und Li-Ning.

Aber auch Verbraucher können im Kampf gegen Giftstoffe mitwirken. Vor allem die schnelllebige Mode und der damit einhergehende Konsum ist für die Massen- und Billigproduktionen verantwortlich. 2011 haben deutsche Verbraucher knapp sechs Milliarden Kleidungsstücke gekauft - auf dem Müll landen jährlich eine Million Tonnen.3

Meiden sollten Sie Kleidungsstücke mit den Hinweisen "separat waschen" oder "vor dem Tragen waschen". Die Farbstoffe dieser Textilien haften schlecht und können von der Haut aufgenommen werden. Auch Hinweise wie "bügelfrei" oder "knitterarm" sind sichere Hinweise auf chemische Substanzen.

1 Aufzählung der getesteten Marken: Armani, Benetton, Blazek, C&A, Calvin Klein, Diesel, Esprit, GAP, H&M, Jack & Jones, Levi‘s, Mango, Marks & Spencer, Metersbonwe, Only, Tommy Hilfiger, Vancl, Vero Moda, Victoria‘s Secret und Zara.
2 Phthalate lösen hormonelle Störungen aus und sollen sich unter anderem toxisch auf das Fortpflanzungssystem auswirken.
3 http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/die_giftige_masche_der_modemarken/