ChatGPT und Nachhaltigkeit: Passt das zusammen?

Texte schreiben, Infos erfragen, Reisen planen: ChatGPT ist für viele längst Alltag. Doch kann man die KI mit Blick auf die Umwelt guten Gewissens nutzen? Wie viel Strom, Wasser und CO₂ stecken hinter einer Anfrage? Wir werfen einen Blick auf die Zahlen und geben Tipps, wie Sie Ihre ChatGPT-Nutzung umweltbewusster gestalten können.
  Von Nicole – Lesedauer: 6 Min.
 
ChatGPT erhält Milliarden Anfragen pro Tag. Immer mehr Menschen nutzen die Künstliche Intelligenz zur Erstellung von Texten, zum Schreiben von E-Mails, zum Rechnen oder gar für ihre Reiseplanung.
Doch auch für einfachste Suchanfragen muss ChatGPT anstelle von Google, Bing oder anderen Suchmaschinen mittlerweile herhalten.
Was einst ein "Ich google das mal eben" war, ist bei vielen nun ein "Ich frag' schnell ChatGPT".

Aufgrund des ungebremsten KI-Booms und des damit verbundenen wachsenden Energiehungers und Wasserbedarfs, stellt sich die Frage nach den ökologischen Auswirkungen von KI. Tatsächlich ist die Antwort darauf ziemlich komplex und hängt von vielerlei Faktoren ab.
Eine grüne Hand mit der Oberfläche einer Blumenwiese streckt den Zeigefinger in Richtung des Zeigefingers einer Roboterhand.
Was sind die ökologischen Auswirkungen von KI? Kann sie überhaupt nachhaltig sein?

Wie viel Strom benötigt eine Anfrage bei ChatGPT?

Grundsätzlich gilt: Je komplexer und schwieriger die Fragestellung an ChatGPT ist und je mehr Rückfragen nötig sind, desto mehr Strom wird benötigt.
Die Zahlen variieren von 0,3 Wattstunden (etwa so viel wie ein Backofen in einer Sekunde benötigt) bis hin zu 2-3 Wattstunden pro Anfrage, wobei hier das energiefressende Training der KI bereits mit inbegriffen ist.
 
Zugegeben klingt das nach wenig, mit Blick auf die Gesamtmenge aller Anfragen weltweit ergibt sich daraus aber eine beträchtliche Summe.

Einer aus dem Jahr 2025 veröffentlichten Studie zufolge sprechen wir von 39.98 Million kWh pro Tag. Und falls Sie das jetzt nicht einordnen können, hier ein plakatives, aber eindrückliches Beispiel: Das ist genügend Strom, um 8 Millionen Handys aufzuladen oder das Empire State Building für anderthalb Jahre mit Strom zu versorgen.
 
Vergleich Google-Suche vs ChatGPT
Bei der gewöhnlichen Google-Suche wird nur etwa ein Zehntel der Energie verbraucht, die bei ChatGPT anfällt. Google und Co. beantworten natürlich aber auch immer nur eine Frage und keine komplexe Fragestellung.
Allerdings rücken auch hier KI-generierte Zusammenfassungen in den Fokus, die zu einem erhöhten Stromverbrauch führen. Sie können die KI-Suche jedoch ausschalten, z. B., indem Sie "-ai" hinter Ihre Suchanfrage eintippen.

Wie viel CO₂ erzeugt ein ChatGPT-Prompt?

Wie beim Energieverbrauch so gilt auch in puncto CO₂-Emissionen: Eine einzelne Anfrage bei ChatGPT ist harmlos, die Masse jedoch macht den Unterschied.
Was die konkreten Zahlen angeht, so sind auch hier die Art und Umfang der Nutzung entscheidend. Als Faustregel können Sie sich merken:

Bei kleineren Suchanfragen liegt der CO₂-Ausstoß eher im Bereich Zehntelgramm,
bei großen, komplexen Prompts gehen sie in den Grammbereich.

Bei der Berechnung der CO₂-Emissionen spielt natürlich auch der Strommix des jeweiligen Rechenzentrums eine Rolle: Bei fossilen Energien fällt die Klimabilanz schlechter aus als bei Rechenzentren, die mit regenerativen Energien betrieben werden.

Wie viel Wasser verbraucht eine Suchanfrage mit ChatGPT?

Was vielen nicht bewusst ist: Rechenzentren mit großen Servern, so wie sie für KI benötigt werden, erzeugen viel Abwärme und benötigen konstante Kühlung. Das geschieht häufig mit Wasser.

Studien schätzen, dass eine einzelne KI-Anfrage mehrere Milliliter Wasser verbrauchen kann. Zum Vergleich: Das ist weniger als ein Schluck aus dem Wasserhahn, aber deutlich mehr als bei einer normalen Google-Suchanfrage. Jedoch gilt auch hier:

Blickt man auf die Milliarden von Anfragen pro Jahr, summiert sich der Wasserverbrauch zu Millionen Litern Wasser. Das kann vor allem in Regionen mit Wasserknappheit zu großen Problemen führen, wie in diesem ARD-Beitrag auf YouTube zu sehen ist.

Übrigens wird nicht nur beim Kühlen der Server Wasser benötigt. Betrachtet man nämlich den gesamten Lebenszyklus einer KI (was man auch beim Thema Strombedarf und CO₂-Bilanz tun sollte), so wird auch z. B. auch zur Gewinnung von Strom für den Betrieb der KI-Modelle Wasser benötigt, ebenso für die Herstellung der Hardware. Sehr detailliert zeigt dies der aktuelle Forschungsbericht der Gesellschaft für Informatik aus dem Jahr 2025. 

Kann KI auch nachhaltig sein?

So ressourcenintensiv KI in der Gesamtbilanz auch ist: Sie hat gleichzeitig auch das Potenzial, direkt oder indirekt Ressourcen zu sparen. So kann sie beim Recherchieren, Programmieren und Analysieren helfen, Arbeitsprozesse optimieren und Wiederholungen bzw. Korrekturschleifen vermeiden helfen. Zudem wird durch digitale Texte und Zusammenfassungen weniger Papier benötigt.
 
Die KI-Konzerne selbst können unter anderem durch eine geeignete Standortwahl (nicht in wasserarmen Regionen) oder durch die Nutzung regenerativer Energien dazu beitragen, dass KI nachhaltiger wird. 

5 Tipps wie Sie umweltbewusst prompten

Sie möchten wissen, wie man möglichst ressourcenschonend ohne schlechtes Gewissen bei ChatGPT promptet? Hier finden Sie fünf wertvolle Tipps:
  1. Bewusst nutzen: KI verbraucht Ressourcen – das im Hinterkopf zu behalten hilft schon.
  2. Klar prompten: Lieber ein gut formulierter Prompt als fünf Nachfragen.
  3. Gezielt einsetzen: Für einfache Fragen reicht oft eine Suchmaschine, für Rechenaufgaben ein (digitaler) Taschenrechner.
  4. Ergebnisse wiederverwenden: Ein mithilfe KI generierter Text kann mehrfach genutzt werden.
  5. Komplexität bitte nur bei Bedarf: Sehr lange Analysen kosten deutlich mehr Energie.

Lesetipp: Kennen Sie schon unsere KI-Themenreihe im Blog?
 
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