Autohändler bekommen Privatkunden, die einen Neuwagen kaufen, immer seltener zu Gesicht: Eine aktuelle Studie zeigt, dass den Deutschen die Lust auf einen Neuwagen immer mehr vergeht. Die Gründe dafür sind vielfältig, sagt Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer.

Klar, ein beträchtlicher Teil der großen BMW-, Audi-, und Mercedes-Modelle, die Tag für Tag über die Autobahnen der Bundesrepublik schießen, sind Firmenwagen – das ist keine Neuigkeit. Doch deutschen Autofahrern scheint die Lust am Neuwagen generell zu vergehen, wie jetzt eine Studie des CAR-Forschungszentrums der Universität Duisburg-Essen ergab. Sie offenbart, dass in Deutschland immer weniger Neuwagen auf private Käufer zugelassen werden. Gleichzeitig werden private Pkw immer älter. Schon heute hat das Durchschnittsauto deutscher Autofahrer 9,3 Jahre hinter sich.

Werden Neuwagen schlicht langweilig?

Im ersten Halbjahr 2017 habe der Anteil an Privatkäufen einen neuen Negativrekord erreicht: Gerade einmal 34,6 Prozent der gekauften Neuwagen wurden auf Privatleute zugelassen. Zum Vergleich: 2006 lag der Anteil noch bei 47,4 Prozent. Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer sieht mehrere Gründe für diese Entwicklung. Zum einen werde das Auto in Deutschland immer mehr zum Gebrauchsgegenstand. Heißt konkret: Wo es früher noch eine emotionale Bindung zum Pkw gab und Autobesitzer stolz auf den erworbenen Wagen waren, macht sich heute eher eine nüchterne und rationale Betrachtung gegenüber dem eigenen Vehikel breit.

Zum anderen sieht Dudenhöffer die derzeitige Entwicklung in der Autoindustrie kritisch: Kontinuierliche Verbesserung von Fahrzeugen werde für Kunden irgendwann langweilig. Die Autobauer sollten eher mit neuen Ideen um die Ecke kommen. Denn gerade jüngere Käufer von Neuwagen gibt es immer weniger – und diese verlangten auch nach wirklichen Innovationen. Als erfolgreiches Beispiel nennt er das kalifornische Unternehmen Tesla, das es geschafft habe, eine neue Technologie emotional aufzuladen.

Die besten Kunden sind die Hersteller selbst

Dudenhöffer weist außerdem darauf hin, dass die Autohersteller auch zunehmend selbst ihre besten Kunden seien. Immerhin seien im ersten Halbjahr 30,6 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland auf das Konto der Händler und Hersteller gegangen - 2006 waren es noch 24,6 Prozent für den gleichen Zeitraum. Der Grund dafür ist natürlich die harte Rabattschlacht der Hersteller: Neuwagen mit Tageszulassung sind zwischen 20 und 35 Prozent günstiger. Einen weiteren Grund für den Rückgang bei den Privatzulassungen sieht der Fachmann allerdings auch im Dieselskandal. Aktuell sei die Verunsicherung angesichts drohender Fahrverbote groß, einen neuen Diesel zu kaufen.  © 1&1 Mail & Media/ContentFleet