Ein sportliches Modell mit 675er-Triple – das gibt’s nicht mehr nur von Triumph, sondern neuerdings auch vom chinesischen Hersteller CFMoto. Erste Test-Runden mit der neuen CFMoto 675 SR-R – und erstaunliche Erkenntnisse.

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In der Riege der chinesischen Hersteller, die mit Macht in den Weltmarkt drängen, muss man CFMoto ganz oben auf dem Zettel haben. Mit dem äußerst (preis-)attraktiven Dreizylinder-Alltagssportler 675 SR-R und der Naked-Bike-Variante 675 NK zeigt der aufstrebende Global Player seine neueste Antriebs-Plattform.

3 Zylinder und 88 PS für Europa

88 PS im Euro-5+-Trimm, 67 Newtonmeter maximales Drehmoment und ein fahrbereites Gewicht von gut 190 Kilogramm – was Eckdaten und Auslegung als Alltags-Sportler angeht, ist die CFMoto 675 SR-R ganz nah an der Triumph Daytona 660. Die wird sie mit einem Preis unter 8.000 Euro um rund 2.000 Euro oder circa 20 Prozent unterbieten. Erstmals antesten konnten wir den sportlichen China-Triple auf der schnellen MotoGP-Strecke in Portimao – was ehrlicherweise ein Einsatz weit, weit außerhalb der Komfortzone eines solchen Budget-Burners darstellt. Doch erstaunlicherweise konnte die 675er sogar dort bei durchaus ambitionierter Gangart parieren.

Außerhalb Europas mit 95 PS

Motorisch bietet die CFMoto 675 SR-R exakt das, was man von einem Reihendreizylinder mit diesen Eckdaten erwartet: breitbandiger Schub ohne Ein- oder Ausbrüche, frühe Fahrbarkeit im Drehzahlkeller, prinzipiell "smoothe" Gasannahme, vibrationsarmer Lauf, oben raus Pep, aber kein Zorn. Anfänger werden nicht überfordert, Routiniers nicht gelangweilt. Auch Getriebe und Kupplung funktionieren tadellos. Der Quickshifter (kein Blipper, keine Mappings, da kein "Ride by Wire") arbeitet eher grob. Dafür ist der Triple-Sound exzellent, nämlich selbstbewusst rotzig-frech. Kleiner Wermutstropfen: Außerhalb Europas darf der Reihendreier "offene" 95 PS (70 kW) bei 11.000/min leisten.

Video: CFMoto 675 Fahrbericht motorrad Test

Alltagstaugliches Sport-Motorrad

Die Ergonomie der CFMoto 675 SR-R ist der jungen Zielgruppe und dem Einsatzzweck angemessen: durchaus sportlich, in letzter Konsequenz aber noch alltagstauglich. Die Sitzbank ist mit 800 Millimeter nicht besonders hoch, die Lenkerstummel auf Höhe Gabelbrücke sind nicht besonders tief, der Tank baut kurz, die Fußrasten liegen hoch. Die Triumph Daytona 660 soll erneut als Referenz dienen, auf ihr sitzt man einen Hauch bequemer. Die Yamaha R7 wirkt dagegen extremer.

Gelungenes Fahrwerk mit Komponenten von Kayaba (KYB)

Beim Fahrwerk der CFMoto 675 SR-R setzen die chinesischen Techniker auf Einstellbares von Kayaba (KYB). Das spricht sensibel an, dämpft adäquat und versteht es gut, seine preisbewusst einfache Machart zu kaschieren. Gabel und Federbein spielten bei der supersportlichen Zweckentfremdung in Portimao lässig mit. Das Handling ist äußerst leichtfüßig, die Fahrstabilität ordentlich, die Zielgenauigkeit gut. Wirklich: Hut ab!

Video: CFMoto 675 SR - Supersportler mit Triple

Überraschend gute Sport-Reifen von CST

Großes Lob in unerwartete Richtung müssen wir der Erstbereifung der CFMoto 675 SR-R, einem "Semi-Slick" aus dem chinesischen Hause CST aussprechen. Dort scheint sich massiv etwas getan zu haben, denn diesen Gummi hatte man zuvor als ausgewiesenes Sturzrisiko auf dem Schirm gehabt. Unter vor Ort vorherrschenden milden Bedingungen konnte der Pneu aber mit greifbarem Feedback und überraschend hohem Grip-Niveau punkten. Er rangiert irgendwo zwischen Sport- und Hypersportreifen, passt für "gelegentlichen Rennstreckenausflug mit 90 PS" aber, ja wirklich, perfekt. Nässe? Wir sind im Starkregen nicht gestürzt.

Standard-Elektronik ist an Bord

In Sachen Connectivity ist man auf der CFMoto 675 SR-R mit Android Auto und Apple Car Play (sowie Geofencing und anderen Spielereien) ganz vorn. Ansonsten gibt es, was die Elektronik angeht und gemessen an der Konkurrenz, nach wie vor Entwicklungspotenzial. Das ABS ist simpel gestrickt und für halbwegs schnelle Runden zwingend zu deaktivieren, auch die zweistufige Traktionskontrolle agiert grob. Immerhin: Auf der schärferen Stufe funkt sie nur bei sehr zornigem Strich rein, straft dann aber mit vielen, vielen Sekunden dauernder Zündunterbrechung. Fürs Protokoll: Ein 8.000-Euro-Motorrad muss das auch nicht können, kein 8.000-Euro-Motorrad kann so etwas.

CFMoto 675 SR-R zum Kampfpreis unter 8.000 Euro

Womit der Kreis um die neue CFMoto 675 SR-R sich schließt: Zum Kampfpreis – voraussichtlich unter 8.000 Euro – gibt es nichts Vergleichbares. Was gleich stark oder ähnlich ausgestattet ist, ist deutlich teurer. Was gleich günstig ist, ist deutlich schwächer und nicht ansatzweise so gut ausgestattet. Wie es um die Dauerhaltbarkeit bestellt ist, kann und soll hier nicht beantwortet werden, doch Anlass für Zweifel bot die sportliche Präsentation keine. Wie CFMoto den Vertrieb über Partner KTM aufsetzt, wird man nun sehen. Das Produkt jedenfalls überzeugt voll.

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Fazit

Beim ersten, eigentlich übertrieben supersportlichen Test auf der Rennstrecke in Portimao beeindruckte die neue CFMoto 675 SR-R mit tapferer Funktion. Besser als erwartet, Hut ab! Zumal bei der kostengünstigen Konzeption, denn voraussichtlich wird die sportliche 675er in Deutschland unter 8.000 Euro kosten. Kleiner Wermutstropfen: Im Euro-5+-Trimm bleiben von den 95 PS des Triples "nur" 88 PS übrig.  © Motorrad-Online