Selbst moderne Euro-6-Diesel erreichen meist nicht die gesetzlichen Anforderungen, was den Ausstoß von Stickoxiden betrifft. Das offenbart eine neue Studie der Umweltorganisation ICCT. Neun von zehn getesteten Dieselmotoren der neuesten Abgasnorm Euro 6 sind auf der Straße deutlich schmutziger als auf dem Papier.

Neuer Tiefschlag in der Dieseldebatte: Laut der Umweltorganisation ICCT (International Council On Clean Transportation) stoßen so gut wie alle modernen Euro-6-Diesel auf der Straße bedeutend mehr Stickoxid aus, als auf dem Papier steht. Die Organisation, die den Abgasskandal vor etwa zwei Jahren mit ins Rollen brachte, hat dies nun in einer Untersuchung festgestellt. Die ausgewerteten Messdaten von insgesamt 541 Diesel-Pkw mit den Abgasnormen Euro 5 und 6 zeigten dies deutlich, so die ICCT.

Hoher NOx-Ausstoß der Euro-6-Diesel ist nicht illegal

Durchschnittlich stoßen Euro-6-Dieselmotoren 4,5 Mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) aus, als die Norm maximal vorgibt. Bei den Euro-5-Dieseln ist es immer noch das 4,1-Fache – dort ist mit höchstens 180 Milligramm pro Kilometer allerdings auch der Grenzwert höher. Als bemerkenswert bezeichnet die ICCT die starken Unterschiede der Pkw: Während manche sogar deutlich unter dem strengen Grenzwert bleiben, reißen andere die Hürde mit dem Faktor 12. Fest steht jedoch: 90 Prozent der über 500 von Behörden und Organisationen getesteten Fahrzeuge können den Grenzwert im realen Fahrbetrieb nicht einhalten.

Illegal ist das Abgasverhalten der Motoren allerdings trotzdem nicht. Denn erst seit September 2017 ist in der gesamten EU für Neuzulassungen die Abgasnorm auch für den Ausstoß auf der Straße maßgeblich. Hinzukommt, dass die Hersteller für die Stickoxid-Werte einen sogenannten Konformitätsfaktor ausgehandelt haben, der es ihnen ermöglicht, bis zu einem gewissen Grad über der Obergrenze keinen Ärger zu bekommen. Das Problem in den Innenstädten löst dies freilich nicht: Die Luft bleibt schmutzig. Und das ist der EU nach wie vor ein Dorn im Auge.

Mehr unabhängige Tests gefordert

Sollte sich die Luftqualität in den deutschen Städten nicht bald verbessern, könnten nämlich Gerichte die Politik dazu zwingen, etwas zu tun. Konkret würde das zu den von vielen Autofahrern gefürchteten Fahrverboten führen. Um die Hersteller weiter unter die Lupe zu nehmen, fordern die Forscher des ICCT in Zukunft weitere unabhängige Tests unter realen Fahrbedingungen. Und zwar nicht nur mit dem Fokus auf Stickoxide, sondern auch den CO2-Ausstoß und damit den Verbrauch. Um Manipulationen vorzubeugen, sollen die Autos dabei von Kunden oder Mietwagenfirmen bereitgestellt werden, nicht von den Herstellern direkt.  © 1&1 Mail & Media/ContentFleet