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Viele Autokonzerne überdenken ihre ursprüngliche Elektroauto-Strategie. Sie wollen parallel auch weiterhin Verbrennungsmotoren anbieten. Hier der Überblick.

Die zuletzt in vielen Ländern abflauende Nachfrage nach Elektroautos bringt Hersteller zur Abkehr von der bisherigen Elektro-Strategie. Statt des noch vor Kurzem angekündigten "Electric only"-Konzepts, nach dem in naher Zukunft ausschließlich elektrisch angetriebene Pkw angeboten werden sollen, gibt es immer mehr Ankündigungen, dem Verbrennungsmotor parallel zum Stromantrieb eine Zukunft einzuräumen.

In diesem Beitrag sammeln wir die entsprechenden Trends der Hersteller zum Thema. Neu im Lager der Sowohl-als-auch-Marken sind Mercedes und Ford; außerdem kommen entsprechende Äußerungen aus dem Stellantis-Konzern und von General Motors.

Mercedes-Benz

Auf der Hauptversammlung am 8. Mai 2024 räumte Mercedes-Konzernchef Ola Källenius die ursprüngliche Strategie ab, nach der zur Mitte des Jahrzehnts Elektroautos bereits die Hälfte des Absatzes ausmachen sollten. Die Wirtschaftswoche zitiert den Konzernlenker stattdessen mit den Worten "Die Transformation könnte länger dauern als gedacht" und dem Hinweis, dass es neben Elektroautos auch "hochmoderne, elektrifizierte Verbrenner" geben werde und das, sofern es die entsprechende Kundennachfrage gäbe, "bis deutlich in die 2030er-Jahre".

Ford Europe

Die Argumentation mit der Kundennachfrage ist auch bei der Europa-Zentrale von Ford ein Thema. Dort galt ursprünglich als gesetzt, dass ab 2030 in Europa nur noch Elektroautos der Marke angeboten werden. Beim Financial Times Future of the Car summit in London (7.-9. Mai 2024) gab Martin Sander, General Manager von Ford of Europe jedoch zu, dass die Elektroauto-Nachfrage schwächer als angenommen sei. Automotive News zitiert den Manager mit der Aussage: "Wenn wir eine starke Nachfrage sehen, zum Beispiel nach Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen, werden wir sie anbieten".

Skoda

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte sich der Skoda-Vorstandsvorsitzende Klaus Zellmer dahingehend geäußert, dass die Marke über das Jahr 2035 hinaus am Verbrenner festhalten würde. Dies zwar ausdrücklich nur für Märkte außerhalb der EU, doch auch in der Politik gerät das Verbrenner-Verbot im Jahr 2035 ins Wanken.

Cadillac rückt vom Elektro-Ziel ab

Aktuell stimmt auch General Motors in dieses Lied ein. Bei der Luxusmarke von General Motors, Cadillac, wurde in der Vergangenheit betont, bis zum Jahr 2030 das gesamte Markenangebot auf rein elektrischen Antrieb umzustellen. Jüngste Äußerungen des Vizepräsidenten von Cadillac, John Roth, lassen eine Planänderung erahnen: Vor Reportern sagte er Anfang Mai, dass Elektro- und Benzinantriebe "für eine Reihe von Jahren nebeneinander existieren werden".

Dementsprechend würden zwar alle Baureihen bis zum Jahr 2030 mit E-Antrieb angeboten, jedoch alternativ weiterhin mit Benzinmotoren zur Verfügung stehen. Das Branchenblatt Automotive News zitiert außerdem einen Cadillac-Sprecher mit der Aussage, dass "der Übergang weg von Benzinmotoren langsamer sein könnte als erwartet".

Planänderung bei Stellantis

Der Stellantis-Konzern ist diesen Schritt in der jüngeren Vergangenheit bereits gegangen: Ursprünglich nur mit Elektroantrieb angebotene Modelle werden wieder mit Diesel- und Benziner-Verbrennungsmotoren angeboten. Grund dafür ist die weltweit lahmende Nachfrage nach Elektroautos, welche die Stromer-Verkaufszahlen nicht auf die ursprünglich gewünschten Höchstzahlen treibt.

Jüngste Beispiele in Deutschland ist die Wiedereinführung von Benzin- und Dieselmotoren für die kleinen Van-Baureihen (Citroën Berlingo, Peugeot Rifter, Fiat Doblo), die Pkw-Versionen dieser Großraum-Kombis wurden zuletzt nur noch mit Elektroantrieb angeboten. Bei der mittleren Van-Baureihe der Stellantis-Marken in den Pkw-Varianten, ursprünglich ebenfalls nur noch elektrisch unterwegs, hatte Peugeot im April die Wiedereinführung eines Dieselmotors für den Traveller bekanntgegeben.

Jeep mit Alternativen

Die Stellantis-Marke Jeep hatte diesen Weg ebenfalls schon einmal gewählt, mit dem eigentlich nur als E-Auto geplanten Avenger. Den gibt es inzwischen auch als Hybrid und als günstige Einstiegsversion sogar mit einem Turbo-Benziner ohne jede Elektrifizierung.

Jetzt sieht es so aus, als würden zwei bislang nur mit E-Antrieb angekündigte Jeep-Modelle schon vor der ersten Auslieferung umgeplant und alternativ mit Benzinmotoren angeboten werden. Dabei handelt es sich um den Jeep Recon (siehe Bildergalerie), einen betont offroadigen Geländewagen im Stil des Jeep Wrangler, und um den Wagoneer S, ein Luxus-SUV als Ergänzung zum Jeep Grand Cherokee.

Video: Im Video: Stellantis STLA-Large-Plattform

Möglich machen soll den Sinneswandel die STLA-Large-Plattform (siehe Video oben), welche alternativ mit Elektroantrieben oder konventionellen Verbrennungsmotoren bestückt werden kann. Diese Variante ist nun offenbar tatsächlich auch für die beiden neuen Jeep-Modelle vorgesehen, die Ende des Jahres debütieren werden. Gegenüber Automotive News sagte der neue Jeep-Chef Antonio Filosa mit Bezug auf diese zwei neuen Baureihen, dass, sollten sich Gelegenheiten für Verbrenner-Versionen ergeben, "wir sie ergreifen müssen, oder jemand anderes wird es tun". Das klingt mehr als deutlich.

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In dieselbe Kerbe schlug jüngst die Stellantis-Finanzchefin Natalie Knight, die gegenüber dem US-Informationsdienst WardsAuto betonte: "Die meisten unserer Produkte sollen die Multi-Energie-Plattformen nutzen, die wir haben. Dies ist eine großartige Gelegenheit für uns im Vergleich zu unseren Mitbewerbern, die Multi-Energie-Plattformen für alle unsere Produkte in der Entwicklung zu haben und die Agilität zu haben, sich zwischen ihnen zu bewegen".

Hinweis: In der Fotoshow zeigen wir Ihnen die aktuell meistverkauften Elektroautos in Deutschland.  © auto motor und sport

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