Wenn es nach dem Lynk & Co-CEO Alain Visser geht, soll seine Autofirma nicht möglichst viele Autos verkaufen. Viel mehr setzt der ehemalige Opel- und Volvo-Manager auf neue Vertriebswege wie das Auto-Abo und eine Community, bei der die Mitglieder sogar Auto fahren können, wenn sie selbst keines haben. Aus diesem Grund bietet Lynk & Co seinen Kunden die Möglichkeit an, ihr Auto in ein Carsharing-System zu integrieren. Die Mitglieder der Lynk & Co-Community können das Auto dann ausleihen, wobei die Abwicklung, Versicherung und alle Formalitäten über Lynk & Co. laufen.

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Video: Im Video: Carsharing von Lynk & Co. erklärt

Die Idee selbst ist nicht neu. Auch Hersteller wie Smart hatten ein solches Konzept entwickelt. Allerdings wurde die Ready-to-Share-App von Smart nach dem Start 2017 zum 31. Januar 2023 eingestellt. Ironischerweise geschah das im Zuge der Übernahme von Smart durch den Lynk & Co-Mutterkonzern Geely.

1,5 Millionen Stunden Carsharing-Einsatz

Neu ist allerdings die große Resonanz der Kundschaft auf das Thema Carsharing. Lynk & Co. erklärt, dass seine Kunden im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen Stunden ihr Auto im Carsharing-Einsatz hatten und insgesamt 850.000 Euro einnehmen konnten. "Das ist ein Rekord, mit dem wir selbst nicht gerechnet haben", erklärt Visser gegenüber auto motor und sport. In der Tat ist das ein beachtlicher Wert. Denn bislang gilt das Carsharing meist als Verlustgeschäft.

Die Preise beim Lynk & Co-Carsharing legen die Fahrzeugbesitzer selbst fest. Am günstigsten verleihen die Kunden ihr Auto in Schweden. Hier rufen sie durchschnittlich neun Euro pro Stunde auf. In Italien ist das Lynk & Co-Sharing dagegen mehr als dreimal so teuer: Dort kostet eine Stunde Leihen im Schnitt 30 Euro. Die Preise variieren allerdings stark. Rund um die Redaktion in Stuttgart sind beispielsweise Fahrzeuge zu finden, die für nur zwei Euro die Stunde angeboten werden, was deutlich günstiger sein dürfte als die meisten kommerziellen Angebote. Außerdem ist es für die Lynk & Co-Besitzer möglich, neben Stunden- auch Tagestarife anzubieten.

Laut Lynk & Co gab es im laufenden Jahr 2023 schon 18.000 Sharing-Vorgänge, bei denen die Kunden das Auto im Schnitt 3,5 Tage an fremde Menschen ausgeliehen haben. Führend seien die Niederländer. Knapp ein Viertel der Besitzer eines Lynk & Co. 01 verleihen dort ihr Fahrzeug. Im europäischen Durchschnitt liegt die Zahl bei rund 16 Prozent.

Das große Geld verdient kein Kunde

Wirklich Geld verdient aber nur ein kleiner Teil der Lynk & Co-Kunden, heißt es auf Nachfrage. Die meisten der Kunden senken durch das Sharing lediglich ihre Kosten für die monatliche Abogebühr (600 Euro), Leasingrate oder die Grundkosten, die der Besitz eines Autos mit sich bringt, etwa durch Versicherung und Steuer. Es gebe allerdings ein paar wenige Kunden, die ihr Fahrzeug in einigen Monaten sogar mit Gewinn verleihen. Rechnerisch dürfte jeder Lynk & Co-Kunde, der am Sharing teilnimmt, im Schnitt bisher rund 85 Euro eingenommen haben. Reich wurde also vermutlich niemand.

Stand November 2023 hat Lynk & Co etwas mehr 65.000 Fahrzeuge in Europa verkauft. Die meisten gingen in die Niederlande; Deutschland ist mit 11.600 Fahrzeugen der zweitgrößte Markt. Deutlich größer ist dagegen die sogenannte Lynk & Co-Community, zu der ebenso die Personen zählen, die sich die Fahrzeuge ausleihen können. Zur Community zählte der Hersteller im November 2023 über 183.000 Mitglieder in Europa, darunter knapp 24.000 in Deutschland.

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Wer wissen will, wie sich der Lynk & Co fährt, ohne ihn zu extra dafür zu mieten, findet hier den Einzeltest des 01. Die Bilder des ersten Modells von Lynk & Co. für Europa gibt es oben in der Galerie.  © auto motor und sport

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