Ein dreidimensional wirkender Zebrastreifen sorgt gerade im thüringischen Schmalkalden für Aufsehen. Durch seine ungewöhnliche Gestaltung soll er Autofahrer zum Bremsen motivieren. Den Vorschriften entspricht er allerdings nicht.

Durch eine optische Täuschung erzielt der erste 3D-Zebrastreifen Deutschlands seinen ungewöhnlichen Effekt: Statt einfacher Streifen wurden perspektivisch dargestellte Balken aufgemalt, denen scheinbare Schatten zusätzliche Tiefe verleihen. So scheinen die Balken zu schweben – Autofahrer könnten auf den ersten Blick glauben, ein wirkliches Hindernis vor sich zu haben. Ein Graffitikünstler hatte die originellen Streifen auf einer Nebenstraße im Wohngebiet Walperloh im Auftrag der Stadtverwaltung angebracht.

3D-Streifen nicht vorschriftsmäßig

Das Landesverwaltungsamt hat jedoch Bedenken gegen den 3D-Zebrastreifen angebracht, da er nicht der Straßenverkehrsordnung und den zugehörigen Richtlinien entspricht. Darin ist die Gestaltung von Fußgängerüberwegen einschließlich der Zebrastreifen genau vorgeschrieben.

Der Schmalkaldener Bürgermeister Thomas Kaminski (SPD) erklärte dazu, dass der Zebrastreifen nicht offiziell als Verkehrszeichen beantragt worden sei. Zudem verweist Kaminski auf Linz in Österreich. Dort gibt es einen 3D-Zebrastreifen, und dort sei die rechtliche Situation vergleichbar mit der in Deutschland.

Weitere Gemeinden an 3D-Streifen interessiert

Auch hierzulande ist Kaminski nicht der einzige Bürgermeister oder Stadtrat, der an der Idee von 3D-Zebrastreifen Gefallen findet. In Braunschweig wurde unlängst ein solches Verkehrszeichen beantragt – aber auch dort hatten die Behörden Einwände wegen der Vorschriften, die nur zweidimensionale Streifen kennen. Der Stadtbezirksrat hat darum den Antrag der Grünen am 7. Februar 2018 mit großer Mehrheit abgelehnt.

In mehreren weiteren Städten gibt es Pläne, den 3D-Zebrastreifen zu testen. Über eine Initiative der Grünen in Essen wird gerade diskutiert. Im Düsseldorfer Norden forderte vor einigen Monaten eine Bezirksvertretung solche Streifen, um den Verkehr auf der Duisburger Landstraße einzubremsen. In Hamburg wiederum möchte die FDP eine derartige Verkehrsregelung erproben.

Die Idee kommt aus Island

Den ersten europäischen 3D-Zebrastreifen realisierten jedoch ganz andere. Er befindet sich in Isafjördur, einem abgelegenen Städtchen im äußersten Nordwesten von Island. Laut einem Bericht des „Iceland Magazin“ kommt die Idee von Ralf Trylla, der ursprünglich aus Zürich stammt und jetzt Umweltbeauftragter von Isafjördur ist.

Der Bürgermeister von Schmalkalden will nun den 3D-Zebrastreifen legalisieren. Bis zum 15. Mai kann die Stadt die Unterlagen dafür beim Landesverwaltungsamt einreichen. Dann wird sich erweisen, ob der 3D-Streifen bleiben darf.  © 1&1 Mail & Media / CF