Mit dem Frühling steht auch ein großer Wetterumschwung ins Haus, der nicht selten mit Sturm und starken Böen einhergeht. Wer Gefahrenzonen erkennt, die Windanfälligkeit seines Autos richtig einschätzt und sein Fahrverhalten anpasst, kommt dennoch sicher ans Ziel.

Dass man bei starkem Wind oder Sturm nicht mit Tempo 100 über die Landstraße heizen und das Verkehrsgeschehen besonders aufmerksam beobachten sollte, ist eigentlich klar. Doch es sind weniger die konstanten Luftbewegungen, die für den Straßenverkehr so gefährlich sind. Ihnen kann man durch stetiges Gegenlenken entgegenwirken. Tückisch sind plötzliche, heftige Windstöße. In Böen kann sich die Windgeschwindigkeit kurzfristig mehr als verdoppeln.

Wo droht Gefahr?

Mehr als 80 Prozent der Seitenwindunfälle finden laut Statistischem Bundesamt außerhalb geschlossener Ortschaften statt. Land- und Kreisstraßen sind doppelt so gefährlich wie Autobahnen. Aufpassen muss man im Bereich von Brücken, Waldschneisen und Tunnelein- sowie -ausfahrten. Auch am Ende von Wällen und Lärmschutzwänden können heftige Böen Fahrzeuge aus der Spur drücken. Waldgebiete sollten Fahrer bei Sturm möglichst gänzlich meiden.

Smartphone-Apps, Internet und Radio informieren über lokale Unwetterrisiken. Durch Seitenwind gefährdete Streckenabschnitte sind mit dem Gefahrenzeichen 117 gekennzeichnet – dem dreieckigen Schild mit Windsack. Echte Windsäcke sind beispielsweise bei Talbrücken installiert. Behalten Sie auch Baumwipfel im Auge. Sie lassen ebenfalls Rückschlüsse auf die Windstärke zu.

Fahrverhalten anpassen

Je schneller Sie unterwegs sind, desto stärker kann Seitenwind auf Ihr Fahrzeug einwirken. Bei Windgeschwindigkeiten von 80 km/h driften Personenwagen mit Tempo 100 bereits einen Meter von der Fahrspur ab. Bei Tempo 140 beträgt der Versatz sogar vier Meter. Im schlimmsten Fall landet man im Straßengraben oder gerät auf die Gegenfahrbahn.

Bei starkem Wind: Fuß vom Gas und Abstand halten. Eine ausreichende Entfernung zum nächsten Fahrzeug ist bei Sturm noch wichtiger als sonst. "Das gilt auch für den seitlichen Abstand", sagt Eberhard Lang vom TÜV SÜD. "Auch andere Autos können ins Schlingern geraten." Halten Sie das Lenkrad deshalb immer mit beiden Händen fest.

Vorsicht beim Überholen

Volle Konzentration ist beim Überholen von Lastwagen und Anhängergespannen geboten. Bereits beim Eintauchen in ihren Windschatten ist eine leichte Lenkkorrektur erforderlich. Nach dem Überholvorgang wird das eigene Fahrzeug abrupt vom Seitenwind erfasst. Wenn Sie langsamer überholen, können Sie die wechselnden Lufteinwirkungen kontrollierter ausgleichen. Rechnen Sie damit, dass der Lkw, den Sie passieren, bei starkem Seitenwind selbst die Spur nicht halten kann.

Wenn das Fahrzeug von einer Böe erfasst wird: Ruhe bewahren. Hektisches Reißen am Lenkrad macht das Fahrzeug noch instabiler und erhöht die Schleudergefahr. "Lenken Sie gefühlvoll gegen", rät der TÜV-Experte.

Windanfälligkeit von Fahrzeugen

Ein Pkw bietet dem Wind von der Seite eine etwa dreimal so große Angriffsfläche wie von vorne. Wie sensibel er auf Wind reagiert, hängt neben Karosserieform und Antriebskonzept auch von der Gewichtsverteilung, Fahrwerksauslegung und Reifenbreite ab. Dachlasten und Anhänger sollten an stürmischen Tagen vermieden werden. Der Schwerpunkt des Fahrzeuges sollte möglichst tief liegen und das Gewicht auf beide Fahrzeugachsen verteilt sein. Achten Sie außerdem darauf, dass die Stoßdämpfer intakt sind.

Besonders anfällig gegenüber Seitenwind sind Lkw, Anhängergespanne und Wohnmobile. Sie bieten dem Wind große Angriffsflächen. Leere Anhänger oder niedriger Reifendruck fördern die Schlingerneigung zusätzlich.  © 1&1 Mail & Media / CF