Apple gibt Eltern jetzt die Möglichkeit, ihre Apple Watch tragenden Kinder zu überwachen. Doch wie viel Kontrolle ist zu viel des Guten - und möchte man dem Megakonzern wirklich eine weitere Möglichkeit geben, das eigene Nutzungsverhalten zu speichern?

Rolf Schwartmann
Eine Kolumne
von Rolf Schwartmann
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Kinder muss man in der Regel nicht von einer Apple-Watch überzeugen. Die Vorzüge des verlängerten Smartphones am Handgelenk verstehen sie sofort.

Normalerweise sind die Eltern zurückhaltend, wenn der Nachwuchs wegen der mangelnden IT-Ausstattung im Kinderzimmer quengelt. Nun macht Apple den Eltern ein interessantes Angebot, das sie im Sinne der Kinder überzeugen soll.

Die kürzlich vorgestellte Apple-Watch hat die Funktion "Familienkonfiguration". Sie ermöglicht es, die Apple Watches verschiedener Familienmitglieder via iPhone als Gruppe zu konfigurieren. So können Eltern ihren Kindern auf smarte Weise die smarte Uhr stellen. Per Apple Watch lassen sich dem Kind Nachrichten schicken und auch dessen Standort orten. Das ist praktisch, denn wenn man gerade sieht, dass die lieben Kleinen sich verbotenerweise im Einkaufszentrum statt in der Schule aufhalten, dann kann man sie immerhin auffordern, für das Mittagessen einzukaufen.

Selbstbestimmtes Orten?

Wem die Ortung zu lästig ist, der kann sich von der Uhr informieren lassen, wenn das Kind in der Schule angekommen ist. All dem können sich Kinder freiwillig verweigern, meint Apple. Der Anbieter empfiehlt pädagogisch, den Grad der Überwachung zwischen Eltern und Kindern auszuhandeln.

Nach dieser Logik lernt man Freiheit, indem man Überwachung akzeptiert, wenn man dafür mit einer Smartwatch bestochen wird. Das klingt nicht für jeden überzeugend. Bedenkt man, dass Apple zumindest potentiell mit Bewegungsdaten von Kindern gefüttert wird, die man perfekt für die Auswertung des kindlichen Nutzungsverhaltens zur Werbung und beliebigen weiteren Zwecken nutzen kann, wird das Szenario gespenstisch.

Aber praktisch ist das alles schon, denn wenn die Eltern zu Großeltern werden und vielleicht irgendwann dement sind, dann müssen die Kinder ja auf sie aufpassen. Dazu ist die Überwachungsuhr, die damit unversehens zum medizinischen Gerät wird, dann auch perfekt geeignet.

Ein Problem bleibt aber, wenn der pubertierende Enkel und sein vergesslicher Opa sich zusammenrotten, weil sie die Überwachungsfaxen dick und die digitalen Fesseln satt haben. Dann können sie einfach die Uhren tauschen und die Verwirrung ist komplett. Entscheiden sie sich, ihre Uhren feierlich im Meer zu versenken, dann kann die Uhr sie ja gleich für ertrunken erklären, damit ein neues Leben ohne Überwachung beginnen kann.

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