Diese Games sind eigentlich echt übel - und dadurch erst recht Kult!

Manche Videospiele hatten die Chance zum Games-Hit zu werden, scheiterten aber mit Bravour. Dabei stolperten sie nicht etwa über die Konkurrenz, die mit besseren Spielen aufwarten konnte, vielmehr stolperten sie über ihre eigenen Füße. Viele logische Fehler in der Story, zu hohe Systemanforderungen oder eine schlechte Steuerung ließen bei den Gamern keine wirkliche Spielfreude aufkommen.

Manche dieser Rohrkrepierer sind gar so grottenschlecht, dass sie schon wieder gut sind und sich mittlerweile einer wachsenden Anhängerschaft erfreuen. Wir stellen einige dieser üblen Meisterwerke vor.

"Too Human": Vom Ladenhüter zum Kult-Game

"Too Human" ist ein klassisches Action-RPG, das wegen seiner zahlreichen Verschiebungen und Änderungen den Hersteller Microsoft letztlich stolze 60 Millionen US-Dollar kostete. Die konnte das Game aber leider nicht wieder reinholen - "Too Human" lag wie Blei in den Verkaufsregalen.

Was die Kritiker störte, waren Mängel im Design und vor allem die ewig langen Wiederbelebungssequenzen in dem Rollenspiel und die nicht minder langatmigen Clips, die der Gamer nicht überspringen konnte. Zudem sorgten auch die überschaubaren Gegnerklassen für wenig Abwechslung und Spielvergnügen.

Fans des Games halten die actionreichen Kämpfe und die recht gelungene Animation dagegen für erste Sahne. Auch die kleinen Rätsel, die in einer Zwischenwelt erledigt werden und so in der "richtigen" Welt neue Wege freischalten, erfreuen sich vor allem bei der "Too Human"-Anhängerschaft großer Beliebtheit.

"Deadly Premonition": Schräger Spielspaß

Auch "Deadly Premonition" hätte so einiges besser machen können: Eine lieblose Grafik, wirre Story und schlechte Steuerung waren für viele Grund genug, das Spiel schnell in den Tiefen der Games-Sammlung verschwinden zu lassen.

Wer über die kleinen Mankos jedoch hinwegsehen kann, hat mit "Deadly Premonition" ein gruseliges Spiel, das Parallelen zu David Lynchs absurd-kultiger TV-Serie "Twin Peaks" aufweist. Gerade mit seinen schrägen Charakteren kann "Deadly Premonition" punkten. Einen arroganten FBI-Ermittler mit multipler Persönlichkeitsstörung hat es schließlich in keinem anderen Spiel zuvor gegeben.

Ebenso skurril wie absurd sind auch die im Game auftauchenden Monster mit verdrehten Körperteilen, die dem Spieler ständig versuchen, die Hand in den Mund zu stecken. Aber genau diese Details machen das Videospiel zu einem grandiosen Game-Erlebnis.

Auch die dichte Atmosphäre, die fesselnde Story - ein Mordfall, den es aufzuklären gilt - untermalt von schrägen Jazz-Klängen sowie die flüssigen Wechsel zwischen ernsten, gruseligen, traurigen und witzigen Szenen machen einfach nur Spaß. Nicht ohne Grund gilt "Deadly Premonition" als B-Game-Klassiker.

"Just Cause": Chaotisch in jeder Hinsicht

Das Problem bei "Just Cause" ist nicht einmal die ziemlich flache und eigentlich nicht vorhandene Agenten-Story. Vielmehr die zahlreichen Fehler im Spiel schlugen schon so manch einen Gamer in die Flucht. So variiert etwa die Schwierigkeitsstufe der einzelnen KIs in einem ungewohnt hohen Maß - manche Gegner lassen sich mit links ausschalten, andere hingegen scheinen vom Trank der Unsterblichkeit gekostet zu haben.

Wer jedoch auf Überraschungen in Form von plötzlichen Gefechten steht, wird seinen Spaß mit "Just Cause" haben. Den findet man zwar selten bei der etwas chaotischen Bedienung, dafür aber umso mehr beim Chaos-Stiften. Und darum geht's hier schließlich.

Einzigartig an dem Game sind vor allem die Fortbewegungsmöglichkeiten: Ob mittels Fallschirm, Seil und Auto als Gleitschirmflieger über die Szenerie schweben oder Flugzeuge und Helikopter per Enterhaken einnehmen - "Just Cause" bietet einige Möglichkeiten, seinen Unfug zu treiben und dabei Spaß zu haben. Schade ist allerdings, dass man die gekaperten Flugzeuge nicht landen, sondern nur per Absturz komplett in seine Einzelteile zerlegen kann - um hier mit heiler Haut raus zu kommen, bleibt nur der Absprung mit dem Fallschirm.

Obwohl der erste Teil bei der Fachpresse nicht so einschlug wie ein Flugzeug auf dem Boden, gab es eine Fortsetzung, die aus den Fehlern des ersten Teils gelernt hatte und sich so über durchaus positive Kritiken freuen durfte.

"Brink": Recht ordentlicher Spielspaß

"Brink" spielt vor einem Katastrophenszenario: Die Erderwärmung ist wesentlich schlimmer, als viele Experten heutzutage zu träumen wagen und der Planet nahezu komplett überflutet. Eine schwimmende Stadt namens "The Ark" ist einer der letzten Zufluchtsorte für die Menschen.

Mit eigentlich interessanten Konzepten, wie dem SMART-System, das ein verbessertes Bewegungsgefühl bieten sollte, allerdings noch nicht ganz ausgereift war, konnte "Brink" bei Kritikern nicht bestehen. Die gerade einmal acht Karten, verpackt in einem Spielmodus, bieten keine große Auswahl. Dennoch sorgen die Gefechte und Multiplayer-Matches für Spannung und Action, was den Gelegenheitsspieler schon völlig zufriedenstellen dürfte.

Dazu gibt es eine nette Story, eine ansprechende Grafik und eine gelungene Atmosphäre. Wer über eine schlechte KI und wenig Umfang hinwegsehen kann, wird mit "Brink" also durchaus seinen Spaß haben.

"Pathologic": Gutes Konzept schlecht umgesetzt

Gut gedacht, schlecht gemacht. Mit diesem Satz lässt sich "Pathologic" wohl am besten beschreiben. Das Konzept weiß durchaus zu überzeugen: Es gibt drei spielbare Charaktere, die alle das gleiche Ziel verfolgen. Das lautet erst einmal: Überleben! Denn in der verseuchten Stadt Nahrung zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Des Weiteren gilt es, die Bevölkerung vor einer um sich greifenden Seuche zu schützen, gegen die scheinbar niemand ankommt.

Als wäre das alles nicht schon schwer genug, gibt es jedoch noch zusätzliche Faktoren, mit denen der Gamer fertig werden muss. Und die wirken sich nicht gerade positiv auf das Spielvergnügen aus. So wirkt etwa die Stadt mit seinen wenigen Überlebenden ziemlich trist und eintönig. Die sich wiederholenden Spielermodelle schlagen in die gleiche Kerbe. Die teilweise schlechte Übersetzung der englischen Dialoge erweist sich als zusätzliches Hindernis beim Bewältigen der Aufgabe.

Ein Ass im Ärmel hat das Horror-Spiel allerdings. Auch wenn die triste Umgebung nicht zu einer dichten Atmosphäre beiträgt, gleicht die musikalische Untermalung, die für Gänsehaut sorgt, dieses Manko gut aus. Auch die spannenden Handlungsstränge und die alternativen Enden wissen den Spieler zu fesseln.

Fazit: Für Genre-Liebhaber ist "Pathologic" alles in allem eine gute Wahl.