Handys lenken uns vom Alltag ab: Beim Autofahren oder als Fußgänger. Auch im Urlaub kann das Handy bei lebensgefährlichen Selfies tödlich sein, nicht nur für uns Menschen.

Soziale Medien machen es möglich immer und überall unser Leben mit anderen zu teilen und uns selbst in Szene zu setzen. Zum Symbol dieser Art der Mediennutzung ist das Selfie geworden. Am besten möglichst spektakulär und in gewagten Posen.

Einen Urlauber in der peruanischen Inka-Ruinenstadt Machu Picchu hat seine Lust an der Selbstinszenierung nun das Leben gekostet. Der 51-Jährige wollte ein Selfie machen, während er in die Luft springt. Dafür kletterte er über eine Absperrung und stürzte daraufhin Hunderte Meter in die Tiefe.

49 Selfie-Tote seit 2014

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Todesopfer, die möglichst atemberaubende Selfie-Kulissen einfangen wollten. Die Agentur Priceconomics hat die Todesfälle bei Selfie-Aufnahmen untersucht. Seit 2014 gab es 49 Todesfälle beim Selfie-Schießen.

Sie sind weltweit sehr unterschiedlich verteilt: Die traurige Spitze bilden Indien mit knapp 40 Prozent der Fälle (19 Todesfälle) und Russland mit 14 Prozent (sieben Todesfälle). Darauf folgen die USA mit zehn Prozent sowie Spanien und die Philippinen mit je acht Prozent.

Die häufigste Todesursache bei Selfies ist übrigens ein Sturz aus großer Höhe.

Selfies können auch für Tiere tödlich enden

Doch nicht nur Urlauber sterben bei Selfies. Im Februar strandete ein Delfin-Baby am Strand von Santa Teresita in Argentinien. Doch anstatt ihn zurück ins Wasser zu bringen, sammelte sich eine Menschenmenge um das Delfin-Baby und die Badegäste machten lieber Erinnerungsfotos. Das Tier vertrocknete bei dem Foto-Shooting.

Kurz darauf tauchte ein YouTube-Video auf, in dem ein Mann am Strand von Palm Beach in Florida einen Hai an den Strand zieht. Danach posiert er mit einer Gruppe Menschen vor dem leidenden Tier.

Auf Instagram erhalten gewagte Selfies mit Löwen, Haien, Krokodilen oder Bären unzählige Likes. Dass diese Begegnungen tödlich enden können und auch ernste Konsequenzen für die Tiere haben, die nach einem Angriff erschossen werden müssen, wird für ein spektakuläres Erinnerungsbild in Kauf genommen.

Das Handy als Ablenkung im Straßenverkehr

Aber auch im Straßenverkehr wird das Handy zu einer gefährlichen Ablenkung. Ein kurzer Blick auf die Nachrichten und eine schnelle Antwort kann zu einem Unfall führen.

Wie die Nachrichtenseite "express.de" berichtet, warnt auch die Polizei vor den Gefahren von Handys im Straßenverkehr: "Wir haben im vergangenen Jahr rund 8.000 Handy-Sünder erwischt", sagt Polizeioberrat Hermann Schiffer bei der Vorstellung der Unfallstatistik für 2014.

Laut dem Bericht seien zwar lediglich elf Handys nach schweren Unfällen sichergestellt worden, die Polizei wisse jedoch um das Mobiltelefon als gefährliche Ablenkung.

Um den Umgang mit dem Handy im Straßenverkehr zumindest etwas sicherer zu machen, gab das Kuratorium für Verkehrssicherheit aus Österreich nun die App "stop&go" in Auftrag. Diese soll in neun Sprachen über die Verkehrslage in Österreich informieren, unter anderem über einen Verkehrszeichen-Scanner und Erste-Hilfe-Regeln.

Die Stadt Augsburg installierte für Fußgänger, die den Blick aufs Handy gesenkt haben Bodenampeln an Haltestellen. Die LED-Leisten sollen Unfälle verhindern, indem sie den abgelenkten Handynutzer vor einfahrenden Straßenbahnen warnen. Die Bodenampeln sind zunächst als Testprojekt installiert.

Der "Smombie" und der digitale Protest

Für den Trend, ständig aufs Handy zu schauen, wurde mittlerweile auch das Wort "Smombie" erfunden, das 2015 zum "Jugendwort des Jahres" erklärt wurde. Eine Mischung aus Zombie und Smartphone beschreibt die Handy-Nutzer, die durch den Blick aufs Display so abgelenkt sind, dass sie ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen.

Mittlerweile ist aus der Selbstinszenierung per Schnappschuss auch eine Protestform geworden, die in den meisten Fällen zum Glück nicht tödlich ist. So protestieren beispielsweise junge Mütter gegen die Empörung über stillende Frauen in der Öffentlichkeit. Unter dem Hashtag #brelfie und #normalizebreastfeeding veröffentlichen sie Bilder von sich mit ihrem Nachwuchs an der Brust.

Im Nahen Osten erklären junge Menschen unter dem Hashtag #notamartyr, warum sie den Heiligen Krieg ablehnen. Dafür schreiben sie auf ein Blatt Papier, warum sie keine Lust haben im Krieg zu sterben und fotografieren sich damit. (arg)