Ob Bankkonto, Kreditkarte, Handyvertrag oder Leasingauto: Bei fast allen Verträgen unterschreiben wir die Schufa-Klausel und willigen damit ein, dass unsere Daten an die Schufa weitergegeben werden. Doch was passiert eigentlich damit? Welche Auswirkungen hat das auf unser Leben?

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Die Schufa scheint genau zu wissen, ob wir gute oder schlechte Kunden sind. Wie und warum das funktioniert, erklärt Rechtsanwalt Dr. Sven Tintemann im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Berlin hat bereits mehr als 700 Schufa-Fälle bearbeitet.

Was ist die Schufa?

Schufa ist die Abkürzung für "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung". Die Schufa ist keine Behörde, sondern eine Gemeinschaftseinrichtung von 9.500 Unternehmen der kreditgebenden Wirtschaft.

Als so genannte Auskunftei sammelt sie Daten von Banken, Versicherungen, Kaufhäusern, Internet-Handelsgesellschaften, Mobilfunkanbietern, Energieversorgern und vielen anderen Unternehmen und errechnet daraus einen Wert - den Score -, der aussagen soll, wie zuverlässig und kreditwürdig ein Kunde ist.

Welche Aufgaben hat die Schufa?

Das Kerngeschäft der Schufa ist es, kreditrelevante Informationen zu Privatpersonen und Unternehmen bereitzustellen. Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen ihre Zahlungserfahrungen mit Kunden untereinander austauschen, um eventuelle Zahlungsausfälle zu verhindern.

Auf diese Weise sollen sichere, schnelle und effiziente Geschäftsabschlüsse möglich gemacht werden. Die Schufa entscheidet aber nicht über Kredite, wie ein weit verbreiteter Irrglaube lautet.

Wie konnte die Schufa so mächtig werden?

Die Schufa wurde 1927 gegründet und sammelt seitdem Daten. Nach eigenen Angaben verfügt sie derzeit über insgesamt 864 Millionen kreditrelevante Informationen zu 67,5 Millionen Personen und 5,3 Millionen Unternehmen.

Obwohl es auch andere so genannte Auskunfteien in Deutschland gibt, hat die Schufa nach Einschätzung von Rechtsanwalt Sven Tintemann aufgrund ihrer langen Geschichte eine Art Monopolstellung, "denn ohne Schufa kommt fast keine Bank aus".

Wie kommt die Schufa an die Daten?

Die Schufa erhält die meisten ihrer Daten von ihren 9.500 Vertragspartnern, wozu Banken, Sparkassen, Unternehmen im stationären oder Internet-Handel, Telekommunikationsgesellschaften, Energieversorger und viele mehr gehören.

Dabei werden sowohl positive Merkmale (beispielsweise, wenn ein Kredit pünktlich zurückgezahlt wurde) als auch neutrale Merkmale (z.B. Alters- und Adressabfragen) gespeichert.

Welche Daten speichert die Schufa?

Personendaten, die für eine Identifizierung des Verbrauchers erforderlich sind, wie Namen, Geburtsdatum, Anschrift und auch frühere Anschriften. Ebenso Informationen über Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Telekommunikationskonten, Versandhandelskonten, Ratenzahlungsgeschäfte, Kredite und Bürgschaften.

Daten über Vermögen und Einkommen, Kaufverhalten, Beruf, Lebenseinstellungen und Mitgliedschaften, Familienstand und Nationalität dürfen der Schufa nicht geliefert werden und werden auch nicht gespeichert.

Kann ich verhindern, dass die Schufa Daten über mich speichert?

Eigentlich nicht. Die einzige Chance ist, komplett auf Bankkonten, Kredite, Schulden, Handy- und Internetverträge sowie Online-Shopping zu verzichten.

"Man kann der Schufa aber ein Auskunftsverbot erteilen. Das bedeutet jedoch, dass man viele Verträge nicht mehr abschließen kann", erklärt Fachanwalt Sven Tintemann.

Wie kann ich mich gegen einen negativen Schufa-Eintrag wehren?

Werden Raten beispielsweise nicht vertragsgemäß bezahlt, darf der Gläubiger einen Negativeintrag bei der Schufa vermerken. Die Folgen von negativen Schufa-Einträgen können sein, dass man keine Mobilfunk-, Miet- oder Kreditverträge mehr abschließen kann.

Viele Betroffene wollen deshalb Negativeinträge sofort löschen. Nach Erfahrung von Schufa-Experte Sven Tintemann ist das auch möglich. Allerdings lassen sich nur die Negativeinträge relativ einfach löschen, bei denen die Forderungen unter 2.000 Euro liegen, nicht tituliert sind und innerhalb von sechs Wochen bezahlt werden.

Schwierig wird es bei titulierten Forderungen, wozu anwaltliche Hilfe nötig ist.

Was ist der Schufa-Score?

Scoring nennt man das Berechnen von Eintrittswahrscheinlichkeiten. Mit ihrem eigenen, geheimen Score-Verfahren berechnet die Schufa das zukünftige Zahlungsverhalten einer Person auf Basis der gespeicherten kreditrelevanten Informationen.

Der Score kann zwischen fünf und 99,9 Prozent liegen. Je höher er ist, desto wahrscheinlicher ist es in den Augen der Schufa, dass der Kunde pünktlich zahlt.

"Ein Score von mindestens 95 Prozent ist in Ordnung. Alles was darunter liegt, kann Probleme bei Vertragsabschlüssen machen", sagt Schufa-Experte Sven Tintemann.

Warum beantragt man eine Schufa-Auskunft?

Hauptgründe sind nicht gewährte Kredite oder vom potenziellen Vermieter geforderte Bonitätsnachweise. Seit 2010 hat jeder deutsche Bürger das Recht, einmal im Jahr eine kostenlose Schufa-Auskunft zu beantragen.

Sven Tintemann empfiehlt dies dringend, denn nach seiner Erfahrung kommen Namensverwechslungen oder fälschlich gespeicherte Negativeinträge immer wieder vor.

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