Steuererklärungen sind pünktlich einzureichen – da versteht das Finanzamt keinen Spaß. Was aber, wenn Sie die Frist verpasst haben? Wir geben wertvolle Tipps.

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Nicht jeder muss eine Steuererklärung einreichen. So sind viele Arbeitnehmer aus dem Schneider und müssen sich um ihre Steuern nicht kümmern. Sie dürfen aber natürlich dennoch freiwillig eine abgeben. Warum das sinnvoll sein kann, erfahren Sie hier.

Darüber hinaus gibt es Personen, die zur Abgabe der jährlichen Steuererklärungen verpflichtet sind, darunter vor allem Freiberufler oder auch Vermieter.

Für sie ist Pünktlichkeit wichtig: Bis zum 31. Mai 2018 hätte die Steuererklärung 2017 beim Finanzamt sein müssen, ansonsten drohen Sanktionen. Ab dem kommenden Jahr ist mehr Zeit.

Fristverlängerung auch nach dem 31. Mai möglich

Diese knappe Frist kann aber durch das Finanzamt verlängert werden. Dafür reichen Sie einfach einen Antrag auf Fristverlängerung ein.

Das geht mit einem formlosen Schreiben, z. B. per Fax oder per E-Mail. Sie müssen aber immer einen Grund angeben, warum Sie die Frist nicht einhalten können, zum Beispiel Krankheit, fehlende Unterlagen oder auch starke Arbeitsauslastung.

Allerdings kann das Finanzamt den Antrag ablehnen. Das passiert vor allem dann, wenn Sie in der Vergangenheit Steuererklärungen und Steuernachzahlungen unpünktlich erbracht haben.

Auch der Zeitpunkt des Antrags ist wichtig: Beantragen Sie die Fristverlängerung nicht zu früh! Geben Sie zum Beispiel bereits im Januar an, dass Sie wegen Arbeitsüberlastung die Steuererklärung zu spät abgeben werden, ist das unglaubwürdig und Sie dürfen mit einer Ablehnung seitens des Finanzamts rechnen.

Haben Sie den 31. Mai untätig verstreichen lassen, dann sind Sie mit der Steuererklärung zu spät und das Finanzamt kann wird Maßnahmen ergreifen.

Doch auch wenn Sie den 31. Mai bereits verpasst haben, können und sollten Sie eine Fristverlängerung beantragen.

Der Grund: Oftmals wird die Frist auch nachträglich verlängert und dann brauchen Sie zunächst kein Zwangsgeld oder Verspätungszuschläge zu befürchten.

Das Finanzamt lehnt die Fristverlängerung ab – und jetzt?

Wird der Antrag auf Fristverlängerung abgelehnt, sollten Sie Ihre Steuererklärung so schnell wie möglich einreichen. Was aber, wenn ein Beleg fehlt und die Steuererklärung unvollständig ist? Kein Grund zur Panik.

Tipp: Macht das Finanzamt Druck und fehlen nur ein paar wenige Unterlagen, reichen Sie Ihre Steuererklärung unvollständig ein. Erläutern Sie schriftlich, welche Angaben und Unterlagen fehlen und beantragen Sie, die Veranlagung in diesen Punkten vorläufig vorzunehmen.

Das Finanzamt wird nun entweder auf die fehlenden Belege warten oder Ihnen einen vorläufigen Steuerbescheid zusenden. Reichen Sie die Belege nach, wird der Steuerbescheid korrigiert.

Rettungsanker Steuerberater

Haben Sie den Termin zur Abgabe Ihrer Steuererklärung verpasst, können Sie sich immer noch "retten", indem Sie einen Steuerberater beauftragen. In diesem Fall verlängert sich die Frist zur Abgabe automatisch um sieben Monate bis Dezember desselben Jahres. Allerdings kann das Finanzamt auch den Steuerberater dazu auffordern, die Steuererklärung früher abzugeben.

Mustervorlage zur Fristverlängerung

Nachfolgend finden Sie eine Mustervorlage für die Fristverlängerung der Einkommensteuererklärung 2017. Personalisieren Sie Ihr Schreiben und senden Sie es an das für Sie zuständige Finanzamt. Bitte ersetzen Sie die in Klammer {} stehenden Platzhalter durch Ihre Daten.

Tipp: Senden Sie Ihren Antrag per Fax an das Finanzamt. So sparen Sie Porto und erhalten gleichzeitig eine Übermittlungsbestätigung.

Hier finden Sie eine Mustervorlage

So streng reagiert das Finanzamt

Der Fiskus versteht bei Trödlern keinen Spaß. Wenn die Steuererklärung nicht bis zum 31. Mai eingereicht und bis dato auch kein Antrag auf Fristverlängerung verzeichnet wurde, müssen Sie mit folgenden möglichen Maßnahmen rechnen:
1. Erinnerung: In der Regel erinnert das Finanzamt an den Fristablauf und setzt eine neue Frist. Aber Vorsicht: Die neu gesetzte Frist bedeutet nur, dass das Finanzamt bis zu dieser Frist keine weiteren Schritte einleiten wird. Ihre Steuererklärung ist bereits zu spät und kann die Festsetzung von Verspätungszuschlägen zur Folge haben.

2. Zwangsgeld: Reagieren Sie nicht, wird das Finanzamt ein Zwangsgeld androhen. Das Zwangsgeld kann bis zu 25.000 Euro betragen, wird aber nur in Extremfällen so hoch ausfallen. Nach der Androhung erfolgt die Festsetzung und schließlich die Vollstreckung – in der Regel durch Kontenpfändung. Ignorieren Sie das Finanzamt nun immer noch, könnte das Prozedere von vorne beginnen: Neue Zwangsgeldandrohung, Festsetzung und Pfändung.

Tipp: Sobald Sie Ihre Steuererklärung eingereicht haben, darf das Finanzamt keine Zwangsmittel mehr durchsetzen. Das gilt selbst dann, wenn das Zwangsgeld bereits festgesetzt wurde und der Vollstreckungsbeamte vor Ihrer Tür steht. Vermeiden Sie die Zahlung von Zwangsgeld, indem Sie umgehend die Steuererklärung einreichen.
Tipps, wie Sie angemessen auf eine Zwangsgeldandrohung reagieren, lesen Sie in unserem Blog-Beitrag "Zwangsgeldandrohung vom Finanzamt – So reagieren Sie richtig".

3. Steuerschätzung: Das Finanzamt kann Ihre Steuer schätzen. Dazu erhalten Sie einen Steuerbescheid mit einem entsprechenden Hinweis auf die Schätzung. Natürlich wird die geschätzte Steuer nicht zu Ihren Gunsten ausfallen. Eine Steuerschätzung lohnt sich also nicht.

Aber Achtung: Wird ein Steuerschätzbescheid erlassen, sind Sie weiterhin verpflichtet, die Steuererklärung abzugeben. Das Finanzamt kann also einen Schätzbescheid erlassen und weiterhin Zwangsmittel einsetzen.

4. Verspätungszuschlag: Das Finanzamt kann einen Verspätungszuschlag von bis zu 25.000 Euro festsetzen. Der Verspätungszuschlag darf maximal 10 % der festgesetzten Steuer betragen.

Die festgesetzte Steuer ist der Betrag, den das Finanzamt in dem Steuerbescheid errechnet hat. Selbst wenn Sie ausreichend Steuervorauszahlungen geleistet haben und gar keine Steuer nachzuzahlen brauchen, kann ein Verspätungszuschlag erhoben werden.

Beispiel: Der selbständige Maurermeister Mustermann gibt seine Einkommensteuererklärung 2017 verspätet ab. In 2017 hat er Einkommensteuer von 20.000 Euro vorausgezahlt. Laut Steuerbescheid wird die Steuer auf 15.000 Euro festgesetzt – also werden Mustermann 5.000 Euro erstattet. Der Verspätungszuschlag kann deshalb bis zu 1.500 Euro betragen (10 % von 15.000 Euro).

Achtung: Ab dem kommenden Jahr – also für die Steuererklärung 2018 – gelten neue Regeln für den Verspätungszuschlag. Das Finanzamt darf dann pro Monat 0,25% der festgesetzten Steuer berechnen, mindestens aber 25 Euro im Monat. Der Höchstbetrag liegt insgesamt bei 25.000 Euro. Der Verspätungszuschlag wird allerdings erst 14 Monate nach Ablauf des Besteuerungszeitraums fällig.

Die oben genannten Maßnahmen müssen nicht in dieser Reihenfolge erfolgen. Das Finanzamt kann auch direkt Zwangsgelder androhen oder Ihre Steuer schätzen. Auch kann das Finanzamt bei verspäteter Abgabe der Steuererklärung einen Verspätungszuschlag festsetzen, selbst wenn Sie zuvor nie ein Schreiben vom Finanzamt erhalten haben.

Keine Fristverlängerung bei freiwilliger Steuererklärung

Arbeitnehmer brauchen in der Regel keine Steuererklärung abzugeben. Aber es gibt Ausnahmen: So müssen Arbeitnehmer mit den Steuerklassen III, IV mit Faktor, V oder VI auf jeden Fall eine Steuererklärung einreichen.

Auch wer Freibeträge eingetragen oder einen Minijob ohne Pauschalversteuerung ausgeübt hat, ist dazu verpflichtet. Aber selbst wenn keine Steuererklärung eingereicht werden muss, kann sich die freiwillige Abgabe lohnen. Oft winkt dem Steuerzahler eine ordentliche Erstattung.
Tipp: Prüfen Sie, ob sich die Abgabe einer Steuererklärung für Sie lohnt. Es gibt auch für Arbeitnehmer viele Möglichkeiten, Steuern zu sparen.
Für die freiwillige Steuererklärung haben Sie ausreichend Zeit: Vier Jahre sieht das Gesetz vor. Die Einkommensteuererklärung 2017 kann also noch bis zum 31.12.2021 eingereicht werden. Sobald diese Frist aber abgelaufen ist, nimmt das Finanzamt Ihre Steuererklärung nicht mehr an. Das bedeutet, Sie müssen auf mögliche Steuererstattungen verzichten, denn diese werden dann auch nicht ausgezahlt.
Sollten Sie zu denjenigen gehören, die sich aussuchen können, ob sie eine Steuererklärung einreichen oder nicht, müssen Sie eines bedenken: Eine Fristverlängerung gibt es bei der freiwilligen Abgabe nicht. Das heißt, entweder Sie geben pünktlich ab oder Sie haben Ihre Chancen auf Steuererstattung vertan.

Gute Nachricht - Ab 2018 mehr Zeit für die Steuererklärung

Ab dem Steuerjahr 2018 haben Steuerberater grundsätzlich zwei Monate mehr Zeit, die Steuererklärung für ihre Mandanten einzureichen. Die Steuererklärung 2018 muss dann beispielsweise erst am 28.02.2020 beim Finanzamt ankommen.
Gute Nachrichten gibt es auch für alle, die keinen Steuerberater beauftragen wollen: Der Abgabetermin ist ab der Steuererklärung für 2018 erst der 31. Juli. Die Steuererklärung 2018 muss dann erst am 31.07.2019 eingereicht werden. Ein Antrag auf Fristverlängerung ist zusätzlich noch möglich.

Annika Haucke ist seit 2014 Rechtsanwältin und Andreas Reichert seit 2003 Steuerberater. Herr Reichert ist Vorstand der 2014 gegründeten Steuerberatungsgesellschaft felix1.de, für die beide tätig sind.