Akupunktur gilt als sanfte Heil-Methode, die gegen viele Beschwerden wirken kann. Wer sich behandeln lassen möchte, sollte allerdings einige Dinge beachten – und sich vor allem einen erfahrenen Therapeuten suchen.

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Es gibt ganz unterschiedliche Situationen, in denen Menschen versuchen, mit Akupunktur ihre Beschwerden zu lindern. Sie wird zum Beispiel zur Entspannung, gegen chronische Schmerzen oder auch zu Rauchentwöhnung eingesetzt. Aber wie effektiv ist die Methode eigentlich?

"Bei Schmerzen und Übelkeit, psychosomatischen Erkrankungen, Erschöpfung, Depression, Kopfschmerzen, Störungen des Magen-Darm-Systems und Heuschnupfen kann Akupunktur gut helfen", sagt Dr. Dominik Irnich, 1. Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGFA) und Leiter der Interdisziplinären Schmerzambulanz am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Akupunktur kann ausgleichen, aber nicht reparieren

Laut Irnich gehört Akupunktur bei chronischen Schmerzen der Halswirbelsäule, des Rückens, des Knies und bei Schulterschmerzen zu den Therapien, deren Wirkung am besten untersucht und in Studien nachgewiesen worden ist.

Dabei gibt es aber auch eine Einschränkung: Akupunktur kann etwas ausgleichen, das gestört ist und im Körper nicht reibungslos funktioniert. Sie kann aber nichts reparieren.

Leidet man zum Beispiel unter einem Gelenkverschleiß, dann kann Akupunktur die Schädigungen am Knorpel nicht rückgängig machen. "Sie kann aber die Schmerzen an Bändern, Muskeln und im Bereich der Gelenkkapsel, die damit verbunden sind, deutlich verringern", sagt der Experte.

Akupunktur wirkt nicht bei jedem Menschen gleich gut

Akupunktur kann also Menschen in bestimmten Situationen durchaus helfen. Es gibt aber auch Fälle, bei denen man sie nicht anwenden sollte. "Das gilt immer dann, wenn eine bessere Therapie zur Verfügung steht", sagt Irnich.

Manche Menschen haben auch Angst vor den feinen Nadeln, die bei der Akupunktur gesetzt werden. In solchen Fällen gibt es auch sanftere Methoden wie zum Beispiel eine Laserakupunktur.

Akupunktur hilft nicht in jedem Fall und sie wirkt auch nicht bei jedem Menschen gleich gut. "Babys und Kleinkinder reagieren oft besonders sensibel", sagt der Experte.

Bei ihnen reicht manchmal schon eine sanfte Massage entlang der Akupunkturpunkte. Bei Schulkindern besteht darüber hinaus die Möglichkeit, mit extrem dünnen und schmerzarmen Nadeln zu arbeiten.

"Bei Erwachsenen entscheidet die körperliche Verfassung darüber, wie viele Nadeln gesetzt werden und wie fein sie sein sollen."

Ein Therapeut sollte einige Standards erfüllen

Damit die Behandlung tatsächlich hilft, sollte man zu einem erfahrenen Therapeuten gehen. Es gibt einige Standards, die ein Akupunkteur erfüllen sollte.

"Dazu zählen eine gute Ausbildung, Zeit für ein Gespräch und eine ausführliche Diagnostik", sagt Irnich. Außerdem sollte der Therapeut auf die jeweiligen Bedürfnisse des Patienten eingehen.

Dabei sollte sich ein Arzt nicht nur nach einem einzelnen Symptom erkundigen, sondern auch nach den Lebensumständen, weiteren Symptomen und nach den Gefühlen des Patienten.

"Wichtig ist die körperliche Untersuchung, die je nach Ansatz durch eine Zungen- oder eine Pulsdiagnostik ergänzt werden kann", sagt Irnich. Daraufhin sollte ein Therapeut ein individuelles Behandlungskonzept entwickeln.

Es werden pro Sitzung bis zu 30 Nadeln gesetzt

In den meisten Fällen finden bei einer Akupunktur acht bis zwölf Behandlungen statt, in der Regel einmal in der Woche. "Der Therapeut setzt je nach Beschwerden sechs bis 20, manchmal auch bis zu 30 Nadeln", erläutert der Experte.

Die Nadeln sollten dann 20 bis 30 Minuten im Körper bleiben, während der Patient dabei ruht.

Oft ist das Gespräch mit Verwandten, Freunden oder Kollegen, die bereits Erfahrung gesammelt haben, kein schlechter Weg, um einen guten Akupunkteur zu finden. Die DÄGFA betreibt darüber hinaus online ein Portal, in dem qualifizierte Akupunkteure gelistet sind.

Einige Beschwerden können Patienten selbst über Druckpunkte lindern

Einige Beschwerden können Patienten auch selbst lindern. Dazu massiert man bestimmte Punkte am Körper rund 30 Sekunden lang mit einem leichten Druck. Das wird als Akupressur bezeichnet.

Ein Punkt, der bei vielen Beschwerden helfen soll, befindet sich zum Beispiel auf dem Fußrücken zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen.

Wenn man ihn mit einem festen Fingerdruck massiert, soll das zum Beispiel gegen Kopfschmerzen, Krämpfe und Verstopfung helfen. Weitere Punkte hat die DÄGFA online HIER zusammengestellt.

Akupunktur ist allerdings nicht immer frei von Nebenwirkungen, auch wenn sie als sanft gilt. "Die Datenlage spricht dafür, dass Akupunktur insgesamt geringe Risiken hat", sagt Professor Dr. Klaus Linde vom Institut für Allgemeinmedizin an der Technischen Universität München.

Das Setzen der Nadeln kann jedoch wehtun, es können sich auch leichte Blutergüsse und blaue Flecken bilden. "Sehr selten wird einmal vergessen, eine Nadel zu entfernen."

Wichtig ist, sich einen erfahrenen Arzt zu suchen

Auch zu leichtem Schwindel oder kurzen anderen Kreislaufreaktionen kann es bei der Behandlung kommen. "Das normalisiert sich aber schnell", sagt Irnich. Um Infektionen zu vermeiden, verwenden Therapeuten sterile Einmalnadeln aus Edelstahl.

"Gefahr bei der Behandlung besteht vor allem dann, wenn die Akupunktur von nicht ausreichend qualifizierten Therapeuten vorgenommen wird."

Deshalb ist es besonders wichtig, sich nur von gut ausgebildeten und erfahrenen Ärzten behandeln zu lassen.

"So können die Patienten sicher sein, dass die notwendigen schulmedizinischen Abklärungen und Untersuchungen vor der Behandlung erfolgen und bei Bedarf schulmedizinische Begleittherapien eingeleitet werden", sagt der Experte. Dann besteht keine Gefahr, dass Krankheiten verschleppt werden.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Dominik Irnich, 1. Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGFA) und Leiter der Interdisziplinären Schmerzambulanz am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • Gespräch mit Professor Dr. Klaus Linde vom Institut für Allgemeinmedizin an der Technischen Universität München.
  • Deutsches Ärzteblatt "Akupunktur: Großstudie bestätigt Wirkung"
  • Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur: "Akupunktur hat nicht geholfen: Woran könnte es liegen?"
  • Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur: "Selbsthilfe durch Akupunktur"
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