Viele übergewichtige Menschen leiden unter Störungen des Stoffwechsels. Allerdings ist nicht jeder dicke Mensch automatisch krank. Dabei kommt es stark darauf an, wie sich das Fett am Körper verteilt. Auch der Lebensstil spielt eine Rolle.

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Der Gürtel kneift und der Bauch spannt sich unter dem Shirt. Da hat man wohl etwas zu gut zugelangt in der letzten Zeit. Aber ab wann wird das eigentlich ungesund? "Nicht alle dicken Menschen sind automatisch auch krank", sagt die studierte Ernährungsberaterin Maike Ehrlichmann. "Aber beim größten Teil der Übergewichtigen zeigen sich Störungen des Stoffwechsels."

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Meistens sind dabei Blutfette, Blutzucker und Cholesterinwerte erhöht. Auch der Blutdruck klettert bei Übergewicht häufig ungesund nach oben. "Typische Langzeitfolgen sind Herzerkrankungen und Diabetes", sagt die Expertin. Hinzu kommen Probleme mit dem Bewegungsapparat. "Der Rücken und die Knie schmerzen häufig." Auch Atemprobleme in der Nacht kommen bei Übergewicht häufig vor.

Es ist nicht gesund, gegen den eigenen Körper zu kämpfen

Hinzu kommt, dass viele Menschen durch das hohe Gewicht ungelenker werden. Dadurch bewegen sie sich weniger gerne. "Viele Menschen entfreunden sich regelrecht von ihrem Körper", sagt Ehrlichmann. Die körperliche Bewegung macht dann keine Freude mehr, sondern wird zum Kampf gegen den Körper oder gegen die Kalorien. "Auch das ist nicht gesund." Gesundheitsfördernder kann es hingegen sein, sich im eigenen Körper wirklich wohlzufühlen.

Aber ab wann ist viel Gewicht zu viel? "Meiner Erfahrung nach fühlen sich die Menschen ab etwa acht bis 15 Kilo über dem berechneten Durchschnittgewicht gesundheitlich eingeschränkt", sagt Ehrlichmann.

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Wer dann Gewicht verliert, fühlt sich schnell fitter. Besonders häufig verbessern sich dann die Werte für Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck. Auch Rücken und Knien geht es schnell besser. "Die meisten Menschen fühlen sich dann aktiver, wacher und wohler."

Der BMI liefert oft keine zuverlässigen Ergebnisse

In konkreten Werten ist es aber gar nicht so einfach, eine Grenze zum gefährlichen Übergewicht zu ziehen. "Als Messwert wird häufig der BMI herangezogen", sagt Ehrlichmann. Das ist das Ergebnis aus dem Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. "Dieser Wert scheint als Hinweis für Bevölkerungsgruppen zu funktionieren", sagt Ehrlichmann.

Die Bewohner eines Stadtteils mit einem im Schnitt höheren BMI haben zum Beispiel ein höheres Risiko für Diabetes als Bewohner eines anderen Teils, die im Schnitt einen niedrigeren BMI aufweisen. Für Individuen funktioniert dieser Wert aber nicht immer.

Das Problem liegt dabei vor allem darin, dass der BMI nicht berücksichtigt, welchen Anteil am Gewicht die Fettmasse ausmacht. Auf sie kommt es aber an. "Entscheidend ist dabei vor allem die stoffwechselaktive Fettmasse", sagt Ehrlichmann. Damit sind die Extrakilos im Bauchraum gemeint. Dieses Bauchfett sitzt zwischen wichtigen hormonproduzierenden Organen wie der Leber, dem Darm und der Bauchspeicheldrüse.

Wie viel ungünstiges Fett am Bauch sitzt, kann man grob selbst berechnen

Wie es um das Verhältnis bestellt ist, kann jeder selbst messen. Dafür bestimmt man die sogenannte Waist-Hip-Ratio, also das Verhältnis von Taille zu Hüfte. Dabei misst man den Taillenumfang etwa auf Nabelhöhe und den Hüftumfang auf Höhe der größten Hüftbreite. Danach teilt man den Taillenumfang durch den Hüftumfang. Je größer dieser Wert ist, desto mehr ungünstiges Fett sitzt am Bauch.

Bei Männern sollte dieser Wert kleiner als 1,0 sein. Bei Frauen gilt durch den Körperbau ein Wert von kleiner als 0,85 als optimal. "Diese Berechnung ist nicht perfekt, aber präziser als der BMI", sagt Ehrlichmann. Zu viel Fett am Bauch kann auch ansonsten dünne Menschen krank machen.

Auch der Lebensstil spielt bei Übergewicht eine Rolle

Ein besonders häufiges Phänomen ist dabei die sogenannte nichtalkoholische Fettleber. Dabei setzt explizit die Leber Fett an und erhöht je nach Stadium auch den Bauchumfang. "Dies geschieht meist durch eine Überversorgung mit Zucker und Kohlenhydraten", sagt Ehrlichmann. Die Fettleber führt zu den gleichen Stoffwechselproblemen wie Übergewicht an sich.

Neben dem Taille-Hüfte-Verhältnis zeigen auch bestimmte Risikofaktoren an, ob jemand zu dick ist. "Ich empfehle, die Blutwerte prüfen zu lassen", sagt Ehrlichmann. "Sie zeigen an, ob der Stoffwechsel mit der Situation noch gut zurecht kommt."

Zu diesen Blutwerten zählen Zucker und Fette, also ein klassisches Blutbild, das idealerweise mit Fokus auf die Leber gemacht wird. Wichtige Werte sind dabei die Alanin-Amino-Transferase (ALT; ältere Bezeichnung auch GPT) und die Aspartat-Amino-Transferase (AST; ältere Bezeichnung auch GOT).

Darüber hinaus kommt es bei der Frage, wie gefährlich Übergewicht ist, stark auf den Lebensstil an. Ehrlichmann sagt: "Ein dicker Mensch, der gute Sachen isst, sich viel bewegt, gut schläft, liebe Menschen um sich hat und schöne Hobbys ausübt, der ist vermutlich sogar gesünder als ein dünner Mensch, der den ganzen Tag nichts isst, sich die Nächte am Computer um die Ohren schlägt und dabei Softdrinks zu sich nimmt."

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