Manche tun es als spirituellen Blödsinn ab, andere schwören auf seine heilende Wirkung: Yoga. Doch können die Entspannungsübungen wirklich bei gesundheitlichen Beschwerden oder sogar beim Abnehmen helfen? Wir beantworten Ihnen die häufigsten Fragen.

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Yoga, die philosophische und religiöse Lehre aus Indien, vereint geistige und körperliche Übungen. Stars wie Schlagersängerin Helene Fischer oder Schauspielerin Ursula Karven schwören seit Jahren auf die Entspannungsmethode Nummer eins.

Dass es entspannend wirken kann, wenn man sich auf das Atmen konzentriert - das würde wohl kaum jemand bestreiten. Es gibt aber auch körperlich fordernde Konzepte, durch die Yoga noch mal eine ganz andere Wirkung erzielen kann. Wir erklären Ihnen, bei welchen Beschwerden Yoga helfen kann.

Hilft Yoga gegen Stress?

Yoga gilt als das perfekte Hilfsmittel bei Stress. Doch wer sich normalerweise eher beim Sport auspowert, um sein Stresslevel zu senken, wird Yoga anfangs vermutlich als Herausforderung empfinden.

Anders als beim Ausdauersport geht es hierbei nämlich nicht allein um Entspannung, sondern um die Fähigkeit, entspannen zu können. Das soll hierbei trainiert werden. Die Besinnung auf das Wesentliche, auf die eigene Atmung und damit auf sich selbst fördert die Entspannung und kann Stress dadurch deutlich reduzieren.

Hilft Yoga gegen Verspannungen?

Verspannungen können viele Ursachen haben. Sind sie stressbedingt, können hier Yoga-Übungen helfen, so genannte Asanas. Entspannung statt Anspannung lautet das Geheimrezept, das der Muskulatur in Kopf, Nacken und Rücken Erlösung bringen soll. Sanfte Dehnungen können die Verspannungen lösen.

Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt gegenüber "Süddeutsche Zeitung" allerdings davor, dass Bänder, Sehnen und Gelenke beim Yoga schnell überdehnt werden können. Die Gefahr, aus einer Verspannung eine richtige Verletzung zu machen, ist also gegeben. Daher wäre es wichtig, Yoga zumindest anfangs unter Beaufsichtigung eines erfahrenes Yogis zu üben.

Hilft Yoga gegen Kopfschmerzen?

Wer häufig Kopfschmerzen hat, sollte versuchen, diese auf andere Weise als nur mit Schmerzmitteln zu bekämpfen. Manche Betroffene machen mit Yoga oder auch autogenem Training gute Erfahrungen.

Eine ausführliche Erläuterung, wann und wie Yoga bei Kopfschmerzen helfen kann, finden Sie hier:

Egal, ob Spannungskopfschmerzen oder Migräne: Yoga hilft, die Muskulatur zu entkrampfen und kann mit ganzheitlichem Ansatz für mehr Lebensqualität sorgen.

Hilft Yoga gegen Nackenschmerzen?

Egal, ob sie vom falsch eingestellten Bürostuhl, chronischem Stress oder einer schlechten Körperhaltung kommen: Nackenschmerzen können viele Ursachen haben – lassen sich mit kleinen Yoga-Übungen aber meist in den Griff bekommen. Asanas wie etwa die Katze, die Kuh oder die Kindposition machen die Wirbelsäule mit einer sanften Dehnung geschmeidig und lockern die Nackenmuskulatur.

Als besonders wirksam bei Nackenschmerzen gilt übrigens Iyengar-Yoga. Diese Art bedient sich neben bekannten Yoga-Haltungen auch Hilftsmitteln wie Stühlen, Polstern oder auch Matten. So werden Kopf und Nacken während der Asanas entsprechend gestützt.

Hilft Yoga gegen Muskelkater?

Wie kommt es überhaupt zum Muskelkater? Wird ein Muskel etwa beim Sport zu sehr beansprucht, kann das die Muskelfasern zerstören. Wasser gelangt in feine Risse ins Gewebe und lässt es anschwellen. Die dadurch entstehende Dehnung ist das, was wir gemeinhin unter Muskelkater verstehen.

Wer trotzdem weiter trainiert, riskiert ernsthafte Verletzungen. Tatsächlich sind einige Asanas aber hervorragend geeignet, um die Muskelschmerzen zu lindern. Dehnpositionen wie etwa die Kobra, der liegende Schmetterling, der Baum, die halbe Kerze oder auch der Halbmond entspannen den Körper und fördern die Durchblutung, was wiederum den Erholungsprozess bei Muskelkater beschleunigt.

Hilft Yoga gegen Bluthochdruck?

Yoga ersetzt keine Medikamente. Sollten Sie unter Bluthochdruck leiden, sollten Sie daher immer einen Arzt aufsuchen. Bewusstes Atmen und beruhigende Techniken wie etwa Wechselatmung oder auch Ujayi-Atmung können Ihnen aber zumindest die nötige Entspannung bringen, die es braucht, um den Blutdruck etwas zu beruhigen.

Wichtig ist aber, dass Sie es ruhig angehen. Bedeutet: Praktizieren Sie keine Yoga-Arten, die als Body-Workout funktionieren, wie etwa Vinyasa-Yoga. Setzen Sie Ihren Körper auch nicht unter Stress, indem Sie durch komplizierte Figuren, Kopf-, Hand- oder Schulterstand unnötig Ihre Herzaktivität erhöhen.

Hilft Yoga bei Depressionen?

Eine Studie der Harvard University in Massachusetts und der Columbia University in New York konnte nachweisen, dass Yoga gegen die negativen Auswirkungen von Depressionen helfen kann. Die 30 Probanden mit depressiven Störungen hatten zwölf Wochen lang mehrmals in der Woche an Yoga-Kursen teilgenommen. Die Mischung aus Iyengar-Yoga und kontrollierten Atemübungen konnte die Symptome der Studienteilnehmer deutlich verringern.

Grund dafür soll nach Angaben der Wissenschaftler die Aminosäure GABA sein: Niedrige GABA-Werte werden mit der Entstehung von Depressionen in Verbindung gebracht. Bei den Menschen, die Yoga-Kurse besuchten, war die Konzentration der Aminosäure jedoch signifikant erhöht.

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Hilft Yoga beim Abnehmen?

Yoga stärkt durch regelmäßiges Üben die Muskulatur und strafft den Körper. Es wirkt aber auch beruhigend auf den Körper und somit auf den Stoffwechsel. Eine Fettverbrennung wie sie etwa bei Kraft-Ausdauer-Sport gegeben ist, findet daher nicht statt. Zumindest nicht beim klassischen Hatha-Yoga. Andere Yoga-Arten eignen sich aber durchaus für den Kampf gegen überflüssige Kilos.

Unter Einfluss von Hitze wie beispielsweise bei Bikram-Yoga läuft unser Stoffwechsel richtig an. Selbiges gilt für das besonders dynamische Ausführen der Übungen wie beim Vinyasa-Yoga oder auch Power-Yoga. Je nach Fitnesslevel verbrauchen wir während einer solchen Trainingsstunde 450 bis 650 Kalorien. Die Frage, ob man mit Yoga abnehmen kann, lässt sich daher weder pauschal mit Ja noch mit Nein beantworten. In jedem Fall kann Yoga beim Abnehmen unterstützen.

Hilft Yoga gegen Cellulite?

Bei Cellulite handelt es sich um Dellen in der Hautoberfläche, die entstehen, wenn sich Fettzellen durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung um ein Vielfaches vergrößern. Sie erscheinen dann als eine Art Knoten oder Verdickung unter der Haut. Durch eine ausgewogene Ernährung, eine gute Durchblutung und Sport können sich die Fettzellen aber auch wieder verkleinern.

Asanas fördern die Durchblutung und den Lymphfluss und stärken zudem die Muskulatur. Durch dieses Zusammenspiel wird das Bindegewebe gestrafft, mit etwas dynamischeren Yoga-Praktiken Fett verbrannt und somit Cellulite verringert.

Yoga ersetzt keinen Arzt

Sollten Sie bereits über einen längeren Zeitraum an körperlichen Beschwerden leiden oder große Schmerzen empfinden, sollten Sie einen Arzt aufzusuchen. Zwar kann Yoga Beschwerden lindern, allerdings nur, wenn die Asanas regelmäßig und korrekt ausgeführt werden. Wenn Sie unsicher sind, welche Übungen sich am besten für Sie eignen und wie man sie richtig durchführt, hilft Ihnen ein Yoga-Lehrer oder -Studio weiter.

Bikram-Yoga, das ist Yoga bei 40 Grad. Durch die Extrembedingungen soll es gelingen, sich vollständig nur auf sich zu konzentrieren. Doch funktioniert das auch?