Viele Menschen, die vegan leben, sprechen auch darüber. So ist Veganismus als Thema in aller Munde, obwohl nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung auf sämtliche tierische Produkte verzichtet. Dabei kursieren viele Mythen über den Veganismus. Was ist an ihnen dran?

Nach dem Vegetarismus heißt der neue Ernährungstrend nun Veganismus. Vegan bedeutet, ohne Fleisch und Fisch sowie ohne Milchprodukte, Honig und alle anderen tierischen Produkte auszukommen. Doch nicht jeder neue Trend muss auch notwendig sinnvoll sein. Viele Ernährungswissenschaftler diskutieren über die Folgen und möglichen Risiken einer veganen Ernährungsweise.

Twitter-User lassen sich den Fleisch-Genuss nicht verderben.

Auseinandersetzung mit der Ernährung

Veganer können im Grunde viel mehr essen, als viele glauben. Ihre Ernährung ist teilweise sogar sehr vielfältig: Broccoli, Mandeln, Sesamsamen, Sojafleisch und Tofu versorgen den Körper mit Nährstoffen, die andere aus tierischen Lebensmitteln beziehen. Kuhmilch wird dabei durch Soja- oder Reismilch ersetzt, Eier durch einen Eierersatz aus Kartoffelstärke. Dadurch essen Veganer auch weniger Cholesterin und gesättigte Fettsäuren. Die reichlichen Obst- und Gemüseportionen bei einer veganen Ernährung sind ebenfalls sehr gesund für den Körper.

Aus dieser speziellen Ernährung kann allerdings auch ein akuter Mangel an Nährstoffen entstehen. Dabei kommt es laut Nadia Röwe, Ernährungswissenschaftlerin bei Verbraucherschutz aid infodienst (aid), auf die richtige Zusammenstellung der Gerichte an. Viele Menschen, die aus Überzeugung streng vegan leben, sogar auf Lederschuhe und Produkte verzichten, die Leim enthalten, setzen sich auch im Detail mit den Problemen dieser Ernährungsweise auseinander. Sie informieren sich darüber, wie sie den Mangel an Nährstoffen ausgleichen können.

Fehlende Nährstoffe

Calcium, Eisen und viele Vitamine kann der Körper auch aus nicht-tierischen Lebensmitteln beziehen. Der Calciumbedarf kann beispielsweise durch Calciumreiches Mineralwasser oder pflanzliche Produkte abgedeckt werden. Der Großteil der Veganer ist, wenn sie ausreichend auf bestimmte Lebensmittel mit viel Nährstoffgehalt achten, gut versorgt. Nur der Konsum von Vitamin B12 ist ohne tierische Produkte sehr schwierig. Gegen den Mangel helfen nur noch Tabletten. "Wir empfehlen allerdings, den Nährstoffbedarf so weit wie eben möglich über Lebensmittel abzudecken", sagt Röwe.

Da es genügend Alternativen für die Stoffe gibt, die der Körper braucht, sind Veganer auch in ihrer sportlichen Leistung nicht eingeschränkt. Trotzdem sollten sie regelmäßig zum Arzt gehen und den Nährwertgehalt im Körper überprüfen lassen. Veganern fehlen nämlich unter anderem Zink, Jod, Vitamin B2, Eiweiß sowie Eisen, das über pflanzliche Lebensmittel nicht so gut aufgenommen werden kann wie über tierische Produkte.

Vegan in besonderen Lebenslagen

"Wegen mangelnden Vitaminen und Mineralien sollten Kinder, Schwangere oder Stillende nicht vegan leben", sagt die Ernährungswissenschaftlerin unserer Redaktion. Besonders Kinder brauchen mehr Nährstoffe als Erwachsene. Eine vegane Lebensweise kann sich durch eine Mangelversorgung negativ auf die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes auswirken. Dasselbe gilt für Schwangere und Stillende. Auch für Dr. Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim ist "vegane Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit ein No-Go", wie in einem Wirtschaftsseminar vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) nachzulesen ist.

Bei Erkrankungen wie Infektionskrankheiten kann ein Mangel an einzelnen Vitaminen und Mineralien Auswirkungen auf den Verlauf der Erkrankung haben. Laut KErn leiden Veganer zwar seltener an "sogenannten Zivilisationskrankheiten", trotzdem gibt es keine Studien, die den Gesundheitswert einer veganen Ernährung über lange Zeit geprüft hätten. (ff)