Der Mund kribbelt und die Lippen jucken, wenn Sie frisches Obst essen – jedoch nur im April und Mai? Wenn Sie solche periodisch auftretenden Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel zeigen, kann ein Orales Allergiesyndrom dahinterstecken. Ein Experte erklärt, ob das gefährlich ist und was Sie dagegen tun können.

Viele Menschen kennen das: Nur zu bestimmten Zeiten stellt sich beim Verzehr mancher Nuss- oder Obstsorten ein unangenehmes Jucken der Zunge ein. Die Lippen können anschwellen oder man spürt ein Kratzen im Hals.

Einige Wochen lang zeigen sich diese Unverträglichkeitsreaktionen jedes Mal, wenn man die betreffenden Lebensmittel isst. Kurz darauf ist der Spuk dann plötzlich wieder vorbei. Die Beschwerden kommen aber leider auch irgendwann zurück. Was steckt dahinter?

Wer solche periodisch auftretenden Symptome kennt, leidet vermutlich unter einer noch schwach ausgeprägten Form des Oralen Allergiesyndroms.

Ursache ist eigentlich eine Pollenallergie. Aufgrund von Kreuzreaktionen schlägt das Immunsystem von Betroffenen aber auch wegen der Proteine bestimmter Früchte Alarm.

Meist betrifft das Stein- und Kernobst wie zum Beispiel Äpfel. Auch einige Nusssorten können Auslöser bei Kreuzallergien sein.

Wie funktioniert eine Kreuzallergie?

Doch wie kommt es, dass eine Allergie auf Birkenpollen gleichzeitig Reaktionen beim Verzehr von Äpfeln auslöst?

Die körpereigene Immunabwehr funktioniert so, dass sie gegen die vermeintlich gefährlichen Allergene Antikörper ausbildet. "Im Grunde ist das wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip", erklärt Prof. Torsten Zuberbier vom Allergie-Centrum der Charité in Berlin.

"Die Schlüssel sind aber nicht ganz präzise, damit die Antikörper auch mutierte Krankheitserreger erkennen können." Man könne sich das vorstellen, wie Generalschlüssel, "die vielleicht zwei, drei verschiedene Türen öffnen können".

Proteine in Birkenpollen sind von der chemischen Struktur her zufällig denen ähnlich, die in Äpfeln vorkommen. Dazu muss keine botanische Verwandtschaft vorliegen.

Das Vorkommen der Allergene in einzelnen Früchten hängt auch davon ab, um welche Sorte der Frucht es sich handelt. "Beispielsweise gibt es alte Apfelsorten, die praktisch kaum allergische Reaktionen auslösen, während junge Apfelsorten wie Cox Orange eine deutliche Allergenität aufweisen", so Zuberbier.

Lagerbedingungen und die Zubereitungsart spielen ebenfalls eine Rolle. Während viele Menschen auf einen rohen, ungeschälten Apfel stark reagieren, vertragen sie den Apfel im Apfelkuchen problemlos.

Das liegt daran, dass viele Allergene hitzeempfindlich sind und beim Kochen oder Backen zerstört werden.

Gibt es eine Behandlung gegen das Orale Allergiesyndrom?

Der Allergie-Experte hat auch eine gute Nachricht für Betroffene: "Dadurch, dass die Beschwerden an eine Pollenallergie gekoppelt sind, ist es oft möglich, auch das Orale Allergiesyndrom zu beheben, wenn man mit einer Hypersensibilisierung auf Pollen arbeitet. Die Chance liegt bei über 40 Prozent."

Außerdem rät Zuberbier dazu, die Lebensmittel in geringen Mengen regelmäßig zu essen, die eine Reaktion auslösen. Denn das Risiko, dass sich die Allergie verstärkt sei größer, wenn man nur selten mit dem Auslöser in Berührung kommt.

"Wir haben eine Studie gemacht: Wenn man alte Apfelsorten regelmäßig isst, dann gewöhnt man sich auch wieder an das Allergen und kann dann oft auch die neuen Apfelsorten vertragen."

Das gilt allerdings nur bei schwachen Reaktionen. "Wenn der Mund richtig zuschwillt, sollten Sie das unbedingt von einem Arzt abklären lassen."

Abfinden muss man sich heutzutage jedenfalls nicht mehr mit Allergien: "Wir sind inzwischen zum Glück in der Lage, sie gut behandeln zu können. Man kann die Lebensqualität oft problemlos wiederherstellen", sagt Zuberbier.

Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine persönliche Beratung und Behandlung durch einen Arzt.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Torsten Zuberbier ist Sprecher des Allergie-Centrum-Charité in Berlin und leitet die Europäische Stiftung für Allergieforschung ECARF. Unverträglichkeitsreaktionen bei Nahrungsmitteln zählen zu seinen Forschungsschwerpunkten.