CDU-Politiker Erwin Rüddel wollte mit einem Twitter-Post Pflegekräfte dazu motivieren, positive Geschichten aus ihrem Job zu teilen, um so etwas Werbung für den Pflegeberuf und den dringend benötigten Nachwuchs zu machen. Die Aktion ging allerdings gründlich daneben.

"#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege", schrieb Erwin Rüddel kürzlich auf seiner Twitter-Seite.

Für viele Pflegekräfte ein Affront, denn ihr Alltag sei alles andere als empfehlenswert. In ihren Kommentaren schildern sie die vorherrschenden Missstände in ihrem Berufsstand und stellen sich so offen gegen den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bundestag.

Dienstpläne sind knallhart

Unter dem Hashtag #twitternwierueddel berichtet eine Userin, wie ihr der Dienstplan einen Strich durch ihre Hochzeitspläne machte: "Als ich heiraten wollte und im Dienstplan plötzlich 'Spätdienst' stand. 'Ja aber die Trauung ist doch morgens oder nicht?' Ja, das erdet. Wer so einen erfüllenden und wichtigen Beruf in der #Pflege hat, muss doch gar nicht mehr heiraten."

Ein anderer schreibt nicht etwa über Probleme beim Zeitmanagement, sondern über die Rationalisierung wichtiger Utensilien im Arbeitsalltag der Pflegekräfte: "Du wolltest schon immer mal Menschen mit tollen Zitronenfeuchttüchern 'waschen', weil Waschlappen rationiert wurden und sie anschließend mit Kopfkissenbezügen abtrocknen, weil Handtücher auch knapp sind? Dann komm zu uns in die #Pflege, dort wird dir nie langweilig."

Antidepressiva gegen Schlafstörungen

Ein drittes Beispiel der Twitter-Flut gegen das Anliegen von Erwin Rüddel soll zeigen, dass die Pflegekräfte unmöglich von ihren Arbeitgebern behandelt werden.

Die würden zum Beispiel bei Schlafstörungen die Einnahme von Antidepressiva empfehlen: "Schlafstörungen! Ein Träumchen. Du kannst viel mehr leisten, wenn Du erst 36h wach warst! Was der Chef sagte? Besorg Dir Citalopram. Nehmen hier alle! So ein toller Beruf voller Empathie. Man muss es mit dem Herzen machen!"

Auch der enorme Zeitdruck und die Überbelastung der Pflegekräfte durch zu viel Arbeit werden offen kritisiert: "Wenn du morgens um 7.00 Uhr die liebe, alte Dame auf der Toilette sitzend findest, weil die Nachtschwester ihr um 02.08 Uhr gesagt hat, sie komme gleich wieder. Und sie es vor lauter Arbeit vergessen hat."© 1&1 Mail & Media / CF

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