Frische Luft, Ruhe und Natur – das sind drei Dinge, die unserem Körper und Geist guttun. Etliche Studien sagen, dass Spaziergänge förderlich für unsere mentale und körperliche Gesundheit sind. Wie lange ein Spaziergang sein sollte, warum er eine medizinische Wirkung hat und warum Sie dabei besser alleine unterwegs sein sollten, erfahren Sie hier.

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In unserer modernen Gesellschaft sind Erkrankungen wie Burnout, Depressionen und Stress keine Seltenheit. Immer mehr Menschen haben mit psychischen Problemen zu kämpfen, lassen sich therapeutisch behandeln oder nehmen Medikamente.

Dabei gibt es auch ein ganz einfaches und natürliches Mittel, um einen Weg aus dem Stimmungstief zu finden. Psychologen, Gesundheitsexperten und Forscher haben den Spaziergang als grüne Therapie wiederentdeckt.

Zwischen Vogelgezwitscher, Wassergeplätscher und dem Wiegen der Bäume im Wind findet unsere Psyche wieder zu sich und wir zu unserer inneren Ruhe.

Grüne Medizin für unseren Körper

Durch einfaches Gehen wird unser Körper gleichmäßig und in gesundem Maße beansprucht, ohne dass er dabei zu stark überlastet wird. Unsere Sauerstoffversorgung steigt um ein Vielfaches, wodurch unsere Lungenkapazität maximiert wird.

Noch dazu werden die Blutfettwerte gesenkt und das Herz-Kreislauf-System gestärkt. Der Stoffwechsel kommt in Schwung und das Immunsystem wird stimuliert.

Laut einer Studie des Gesundheitsexperten und Sportwissenschaftlers Prof. Ingo Froböse hat das Gehen sogar einen ähnlichen Effekt auf unseren Körper wie das Joggen:

"Das kommt natürlich immer auf die Trainingssituation und den Trainingszustand eines Menschen an. Aber 80 Prozent der Menschen sind relativ untrainiert und sind bei einem fünf bis zehn Kilometer langen und strammen Spaziergang bereits an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit."

Die Natur als gesundes Psychopharmakon

Britische Forscher haben im Rahmen der Studie "Ökotherapie: die grüne Agenda für psychische Gesundheit" herausgefunden, dass ein Spaziergang in der Natur zu messbaren Veränderungen bei Depressionen führt und diese lindert.

Durch das Gehen werden in unserem Körper vermehrt Endorphine ausgeschüttet. Diese Glückshormone sorgen dafür, dass sich unsere Stimmung aufhellt und wir aktiver und wacher werden.

"Weil inaktive Menschen die negativen Auswirkungen von Stress viel schlechter kompensieren können, begünstigt alltäglicher Bewegungsmangel auch psychische Verstimmungen", weiß Froböse.

"Bewegung funktioniert wie ein reinigender Filter. Bei körperlicher Aktivität ist der Mensch so abgelenkt, dass er nicht in der Lage ist, sich mit seinen Problemen zu beschäftigen. Sie verlieren dadurch an Bedeutung", lautet die Erklärung. "Körper und Geist werden durch die frische Luft sozusagen restauriert und renoviert."

Spaziergänge gegen Kummer und Frust - alleine!

Je mehr Zeit man sich für einen Spaziergang nimmt, der reinigend und gesund für Körper und Geist ist, umso besser. Idealerweise sind es mindestens 30 Minuten.

"Der Körper braucht einfach eine gewisse Zeit, bis die ganzen Systeme hochgefahren sind und sich eine Balance einstellt", so der Gesundheitsexperte. Auch auf den gewählten Ort für den Spaziergang kommt es an.

Die Großstadt ist nicht gerade empfehlenswert. "Mit Licht, Lärm, anderen Leuten und viel Information gelingt uns Ablenkung deutlich schwerer. Wir brauchen eine mentale Reinigung und eine andere Wahrnehmung.

Raus aus der Flut an Informationen und der ganzen Alltagshektik. Ein Spaziergang in der Natur ist also die beste Wahl", erklärt Froböse. Oft sei es auch besser, allein und nicht in Gesellschaft spazieren zu gehen.

"Das Tempo ist so individuell und man setzt sich in Gesprächen mit einem anderen Menschen immer mit dem Alltag und mit Problemen auseinander", meint Froböse. "Dabei ist es so wichtig, sich auf sich selbst und die Umwelt zu konzentrieren."

Allein so - im wahrsten Sinne - sei ein echtes Abschalten von belastenden Alltagsgedanken beim Spaziergang in der Natur möglich.

Nimmt der Hass im Internet immer mehr zu? Wir haben mit dem Sozialpsychologen Herrn Prof. Dr. Andreas Zick über Hatespeech im Netz gesprochen. Er leitet an der Universtität in Bielefeld das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung.