Derzeit gibt es in Deutschland knapp 1.400 Krankenhäuser. Einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge sind das viel zu viele: Die Autoren fordern, mehr als die Hälfte der Einrichtungen abzuschaffen. Der Grund überrascht im ersten Moment.

Mehr Gesundheitsthemen finden Sie hier

Die Stiftung errechnet die Zahl der Krankenhäuser hinsichtlich der Krankenhauspläne der Länder, hinzu kommen die Universitätskliniken. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft gibt die Gesamtzahl der Krankenhäuser in Deutschland mit 1.942 (2017) an.

Laut der am Montag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung würden nach der Umstrukturierung nur noch etwas weniger als 600 größere und bessere Kliniken erhalten bleiben. Die Einrichtungen könnten dann mehr Personal und eine bessere Geräte erhalten.

Probleme bei Ausstattung und Personal

Kleine Kliniken verfügen oft nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, angemessen zu behandeln. "Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung", betonen die Autoren der Studie.

Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie guten Geräten in weniger Krankenhäusern vermeiden. Vor allem die Qualität der Notfallversorgung und von planbaren Operationen lasse sich so verbessern. Auch der Mangel an Pflegekräften könne gemindert werden.

Finanzspritzen für Krankenhäuser

Über eine Verringerung der Zahl der Krankenhäuser wird in Deutschland seit langem diskutiert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich betont: "Ein Krankenhaus vor Ort ist für viele Bürger ein Stück Heimat."

Gerade in gesundheitlichen Notlagen brauche es eine schnell erreichbare Versorgung. Krankenhäuser in ländlichen Regionen erhalten von den Krankenkassen künftig extra Geld. Vorgesehen sind im nächsten Jahr Finanzspritzen für 120 Kliniken von jeweils 400.000 Euro und damit insgesamt 48 Millionen Euro.

In der Bertelsmann-Studie heißt es dagegen, die schnelle Erreichbarkeit eines kleinen Krankenhauses sei nur ein vermeintlicher Vorteil. Wenn dort kein Facharzt verfügbar sei, habe die Klinik einen gravierenden Qualitätsnachteil. Nur in ausreichend großen Kliniken könnten Facharztstellen rund um die Uhr besetzt werden

Das Krankenhaus der Zukunft

Die Autoren der Bertelsmann-Studie schlagen einen zweistufigen Aufbau einer neuen Krankenhausstruktur vor. Neben Versorgungskrankenhäusern mit durchschnittlich gut 600 Betten soll es etwa 50 Unikliniken und andere Maximalversorger mit im Schnitt 1.300 Betten geben. Aktuell hat ein Drittel der deutschen Krankenhäuser weniger als 100 Betten. Die Durchschnittsgröße der Kliniken liege bei unter 300 Betten.

Nach Ansicht der Wissenschaftler kommen in Deutschland zu viele Menschen ins Krankenhaus. Etwa fünf Millionen Patienten pro Jahr könnten genauso gut ambulant behandelt oder operiert werden. Die Zahl der Krankenhausfälle ließe sich so bis 2030 auf 14 Millionen im Jahr senken. (awa/dpa)

So unterschiedlich wirken Medikamente bei Männern und Frauen

Fast jedes Medikament kann Nebenwirkungen haben. Doch die Wirkung der Medikation kann auch zwischen den Geschlechtern variieren. Denn was beim Mann hilft, muss bei Frauen nicht zwingend ähnlich wirken.