• Trotz verheerender Auswirkungen auf Leben und Gesellschaft gibt es während der Pandemie auch positive Entwicklungen.
  • Dazu zählen unter anderem: der Durchbruch des Homeoffice, ein Digitalisierungsschub - und weniger Verkehrstote.
Eine Analyse

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Erneut diskutieren Bund und Länder über eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen, das Robert-Koch-Institut meldete am Freitag einen neuen Höchstwert an Neu-Infizierten und Todesopfern und von besinnlichen Festtagen redet in diesem Jahr wohl kaum jemand. Kann es im Zusammenhang mit der Pandemie also noch gute Nachrichten geben?

Die gibt es tatsächlich. Neben all den verheerenden Auswirkungen, welche die Pandemie auf Leben und Gesellschaft hat, gibt es zwischendrin ein paar Lichtblicke – die insbesondere Hoffnung für die Zeit nach Corona machen.

1. Durchbruch für das Homeoffice

Als mit Ausbruch der Pandemie plötzlich zahlreiche Arbeitnehmer ins Homeoffice sollten, stellte das viele Unternehmen und Beschäftigte vor eine Mammutaufgabe. Letztlich soll diese aber vielerorts besser bewältigt worden sein, als zunächst angenommen. Und man erkannte positive Auswirkungen der Heimarbeit.

Vielen Arbeitnehmern fehlte laut einer Erhebung der DAK zwar der Kontakt zu Kollegen und insbesondere jungen Menschen fiel es häufig schwer, Beruf und Privatleben zu trennen. Dennoch empfanden es die meisten als Vorteil, dass sie durch den Wegfall des Arbeitsweges Zeit sparen konnten, die Arbeit sich besser über den Tag hinweg verteilen und für viele auch Beruf und Familie besser vereinen ließen.

Während der Corona-Pandemie soll laut DAK-Studie der Anteil der täglich gestressten Arbeitnehmer um 29 Prozent zurückgegangen sein, die Mehrheit der Befragten fühlte sich während der Krise nur selten unter Druck. Von den rund 7.000 Beschäftigten, die die Forschungsinstitute IGES und Forsa hierzu befragt hatten, gaben drei Viertel an, auch nach der Krise zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten zu wollen. Die Gruppe derer, welche Digitalisierung generell als belastend empfinden, verkleinerte sich insgesamt um 80 Prozent.

2. Digitalisierungsschub

Genau in dieser neuen Akzeptanz des Digitalen sehen auch Ökonomen einen möglicherweise positiven Effekt der Krise. So einschneidend die ökonomischen Auswirkungen der Coronakrise auch sein werden, wächst nebenbei die Hoffnung, dass der Umgang mit neuen Technologien auf lange Sicht das Produktionspotenzial und die Arbeitskraft stärken könnten.

Auch im Bereich der Bildung könnte das langfristige Auswirkungen haben. Die plötzliche Umstellung der Schulen und Universitäten auf digitale Lehre führte laut Berichten von Beteiligten zwar häufig zu schwierigen Arbeitsbedingungen und verschärfte Ungleichheiten. Längerfristig könnte die Fähigkeit des digitalen Lernens allerdings für Schüler wie auch für Lehrende einen Vorteil im Alltag und auf dem Arbeitsmarkt erwirken.

3. Weniger Verkehrsunfälle, weniger Verkehrstote

Im Oktober meldete das Statistische Bundesamt einen deutlichen Rückgang der Verkehrsunfälle. Von März bis Juni nahm die Polizei rund 26 Prozent weniger Unfälle auf als im Jahr zuvor. Die Anzahl der Verkehrstoten in diesem Zeitraum lag mit 880 so tief wie nie seit der Wiedervereinigung (2019 waren es 1.069 Tote). Die Deutschen waren einfach deutlich seltener auf den Straßen.

Während des aktuellen Teil-Lockdowns sind nach Auswertung von Mobildaten zwar auch weniger Menschen als üblich unterwegs, allerdings beobachten Wissenschaftler keinen so starken Rückgang der Mobilität wie noch im Frühjahr. In Großstädten ist allerdings durchgehend zu beobachten, dass weniger Menschen unterwegs sind. So lag in Deutschlands zwanzig größten Städten die Mobilität seit März fast durchgehend unter den Werten des Vorjahres.

4. Tiere gegen die Einsamkeit

In Zeiten der Pandemie schaffen sich viele Menschen ein Haustier an. Mehrere Tierheime berichteten von einem regelrechten Ansturm auf ihre Auffangstationen. Ungewöhnlich viele Katzen, Hunde und Nager wurden an neue Familien vermittelt.

Tierschützer beobachten das auch mit Skepsis, immerhin ist es möglich, dass viele der Tiere wieder abgegeben werden, sobald die neuen Halter nicht mehr von Zuhause aus arbeiten. Allerdings, und das ist in jedem Fall ein schöner Aspekt: Vielen Menschen kann das Haustier die Einsamkeit nehmen, diese Erkenntnis bleibt auch über Corona hinweg.

5. Renaissance der Wissenschaft

Die Pandemie hat nicht nur einzelne Wissenschaftler in Deutschlands abendliche Talkrunden geholt, sondern auch die Investitionen in Forschung, Bildung und Bereichen des Gesundheitswesens erhöht. Welch große Rolle Forschung spielen kann, wurde in den vergangenen Monaten nicht nur offensichtlich, sondern insbesondere von der Politik als auch großen Teilen der Öffentlichkeit äußerst ernst genommen.

Mehr als 60 Milliarden Euro möchte die Große Koalition laut Bundesministerium in Bildung, Forschung und Innovation investieren, um die Folgen der Pandemie abzufedern. Dazu gehören einerseits finanzielle Mittel, um Impfstoffe und Therapien gegen das Coronavirus zu entwickeln, aber genauso auch Förderungen in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie oder Grünen Wasserstoff.

Verwendete Quellen:

  • DAK Gesundheitsreport 2020
  • Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts: Weniger Verkehrsunfälle in der Coronakrise (27. Oktober 2020)
  • COVID-19 Mobility Project (November 2020)
  • Institut der deutschen Wirtschaft (IW) 2020: Langfristeffekte der Corona-Pandemie - eine Orientierung
  • ARD: Tagesschau vom 19. Juni 2020; Ansturm auf die Tierheime
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung: Zukunftspaket für das Innovationsland Deutschland
  • dpa
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