Das verunglückte Kreuzfahrtschifft Costa Concordia tritt heute seine letzte Reise an – zweieinhalb Jahre nach dem es auf einen Felsen im Mittelmeer aufgelaufen war. Warum dauerte die Bergung so lange? Wie viel kostete sie? Was wurde aus dem Unglückskapitän? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Warum hat die "Costa Concordia"-Bergung so lange gedauert?

Erst zweieinhalb Jahre nachdem die Costa Concordia einen Felsen vor der Mittelmeerinsel Giglio gerammt hatte, wird das Schiff nun zur Verschrottung abtransportiert. Die Bergung gehört zu den größten und kompliziertesten Aktionen dieser Art. Zunächst musste eine Lösung gefunden werden, bei der das 290 Meter lange Schiff nicht auseinanderbricht und die Umwelt geschont wird. Es dauerte allein mehr als zwei Monate, bis die knapp 2.400 Tonnen Schweröl an Bord abgepumpt waren. Danach begann der Bau der komplizierten Konstruktion, um die Costa Concordia wieder aufzurichten. Dazu wurde eine Plattform unter dem Schiff gebaut und Schwimmkörper an der Seite angebracht.

Im September 2013 waren die Arbeiten soweit, dass das Schiff aufgerichtet werden konnte. Nun musste es noch halbwegs schwimmfähig gemacht werden. Durch die Kollision und das lange Liegen im Salzwasser war linke Seite des Schiffs stark beschädigt. Sie musste erst repariert werden, bevor auch hier ein Schwimmcontainer angebracht werden konnte und das Wrack Anfang Juli angehoben wurde.

Wie teuer ist die "Costa Concordia"-Bergung?

Das mit der Bergung beauftragte Unternehmen geht davon aus, dass sie 1,2 Milliarden Dollar kosten wird, also etwa 900 Millionen Euro. Die Reederei, der die Costa Concordia gehört, spricht von mindestens 1,5 Milliarden Euro, die sie für Bergung und Abtransport zahlt. Das wäre fast dreimal so viel, wie der Bau des Schiffes gekostet hat. Einen Teil der Summe übernehmen allerdings Versicherungen wie die Hannover Rück. Nach deren Einschätzungen ist die Aktion die bislang teuerste Schiffsbergung aller Zeiten.

Video: Die "Costa Concordia"-Bergung im Zeitraffer

Was passiert jetzt mit dem "Costa Concordia"-Wrack?

Vier Schlepper bringen die Costa Concordia in den Hafen von Genua. Ihre letzte Reise wird vier bis fünf Tage dauern, da sie nur sehr langsam bewegt werden kann. Begleitet wird sie von etwa zehn weiteren Schiffen: Die Küstenwache patrouilliert, Umweltschützer achten darauf, dass kein Restöl austritt. In Genua soll die Costa Concordia in ihre Einzelteile zerlegt werden. Das könnte noch einmal fast zwei Jahre dauern. 80 Prozent des Materials sollen wiederverwendet werden.

Welche Folgen hatte das "Costa Concordia"-Unglück?

Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. Der Kreuzfahrtbranche hat es jedoch offenbar nicht geschadet. Bei Umsätzen und Passagierzahlen machte sie 2012 keine Einbußen. 2013 erreichte Wirtschaftsleistung der europäischen Kreuzfahrtindustrie sogar einen neuen Rekordwert. Der Sicherheitsausschuss der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation beschloss allerdings, die Regeln für Rettungsübungen an Bord zu verschärfen.

Die Costa Concordia war mitten in einem Meeresschutzgebiet havariert. Die Umweltschäden halten sich bislang in Grenzen, auch weil der Großteil des Öls erfolgreich abgepumpt wurde. Nichtsdestotrotz wurde bei dem Unglück und der Bergung die Unterwasserwelt geschädigt. Laut einem Bericht des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) klagten Fischer ein Jahr nach der Katastrophe über weniger Bestände – viele Meerestiere reagieren auf Unterwasserlärm sehr sensibel. Auch sei der Meeresboden an der Unglücksstelle stark geschädigt worden.

Was wurde aus dem Unglückskapitän Schettino?

Francesco Schettino steht seit Sommer 2013 vor Gericht. Ihm wird unter anderen fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffs und das Zurücklassen Hilfsbedürftiger vorgeworfen. Laut Medienberichten drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Er ist der Einzige, gegen den noch ein Verfahren läuft. Fünf andere Angeklagte waren im vergangenes Jahr mit ein paar Monaten Haftstrafe davon gekommen.

Schettino machte von Anfang an keine gute Figur. Er zeigte sich Uneinsichtig und schob die Schuld immer wieder auf seine Offiziere.Gerade erst sorgte er erneut für Aufregung: Eine Tageszeitung druckte ein Foto, auf dem sich Schettino ganz in Weiß auf einer Party in einer Villa auf der Insel Ischia amüsiert. An Bord eines Schiffes darf er das Kapitänsweiß jedenfalls erst mal nicht mehr tragen: Im vergangenen September hat das italienische Verkehrsministerium ihm vorerst den Schiffsführerschein entzogen. Die Zeit vertreibt er sich offenbar anders: Demnächst soll ein Buch von ihm erscheinen.