"Florence": Ein tödlicher Sturm flutet die USA

Kommentare128

Mit zerstörerischer Kraft zieht Sturm "Florence" über North und South Carolina. Die Tücke ist weniger die Windstärke als die enormen Niederschläge. Dramatische Szenen spielen sich ab. Mindestens fünf Menschen sterben. Und es ist noch nicht vorbei. (Mit Material der dpa)

Wirbelsturm "Florence" lässt, begleitet von heftigem Wind, enorme Wassermengen über die Bundesstaaten North Carolina und South Carolina regnen. Wegen nachlassender Windgeschwindigkeiten vom Hurrikan zum Tropensturm zurückgestuft, bewegt er sich nach Darstellung des Nationalen Hurrikanzentrums in Miami nur sehr langsam voran und lässt den Küstenabschnitt am Atlantik nicht aus seinem Würgegriff.
"Wir wissen, dass es noch Tage weitergehen wird", sagte der Gouverneur von North Carolina, Roy Cooper. Per Erlass ordnete er an, dass Menschen, die wie dieses Mädchen ihr Zuhause verlassen mussten, leichter als bisher an Übergangswohnungen kommen.
Weiter sagte Gouverneur Cooper: "Tatsache ist: Dieser Sturm ist tödlich." Bis dato starben mindestens fünf Menschen durch "Florence" oder seine Folgen. In diesem Haus in der Küstenstadt Wilmington (North Carolina) kamen eine Mutter und ihr Kleinkind um, nachdem ein umstürzender Baum auf ihr Haus krachte, wie die Polizei mitteilte.
Hier sieht man Freunde der Verunglückten. Dem Mann und seiner Tochter steht der Schmerz ins Gesicht geschrieben.
Eine Frau starb an einem Herzinfarkt. Ein Mann erlitt einen Stromschlag, als er mit einem Notstromaggregat hantierte. Ein 77-Jähriger in Kinston wurde vom Sturm schlicht umgeblasen - er starb durch den Sturz.
Das Zentrum des Sturms war am Freitagmorgen (Ortszeit) in Wrightsville Beach in North Carolina auf Land gestoßen. "Florence" brachte schwere Fluten, heftige Böen und extreme Regenfälle. Katastrophenschützer mussten ausrücken, um Menschen aus überfluteten Häusern zu retten.
Nach Angaben des Stromversorgers Duke Energy waren Hunderttausende Menschen in North und South Carolina ohne Strom, laut Gouverneur Cooper allein in North Carolina 650.000. Eine Ursache: Bäume, die auf Stromleitungen gefallen waren. Hier Jacob und Josh Fernandez in Bolivia in North Carolina. Beinahe hätte der Stamm ihr Haus getroffen.
Es liefen bereits viele Notfalleinsätze in der betroffenen Küstenregion, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long. Als eine der ersten Gegenden wurden die Outer Banks getroffen, eine dem Festland vorgelagerte Inselkette in North Carolina.
Auch den Ort New Bern an der Küste North Carolinas traf die Sturmflut. Wie Robert Simmons und seine Katze Survivor warteten hier zwischenzeitlich rund 150 Menschen darauf, von Einsatzkräften aus den Wassermassen gerettet zu werden. Das teilte der National Weather Service auf Twitter mit.
Die Auswirkungen von "Florence" zeigten sich dennoch an vielen Orten. Die Tücke an "Florence" ist nicht die Windstärke, sondern die große Menge an Niederschlägen. Flüsse traten über die Ufer und erreichten Rekord-Pegelstände.
Straßen wurden überspült. Mehr als 1.300 Flüge wurde laut CNN an der US-Ostküste gestrichen. In der Nähe von Wilmington in North Carolina - unweit des Ortes, an dem "Florence" auf die Küste traf - hatte der Stromversorger Duke Energy ein Atomkraftwerk vorsichtshalber vom Netz genommen.
Wirbelstürme entwickeln zwar Winde mit enormen Geschwindigkeiten, bewegen sich selbst aber nur gemächlich vorwärts. "Florence" rückte am Freitag besonders langsam voran - zuletzt mit nur etwa sechs Kilometern pro Stunde.
Die Behörden hatten vorsorglich mehr als eine Million Menschen entlang der Küste aufgerufen, sich vor dem Hurrikan in Sicherheit zu bringen und landeinwärts Schutz zu suchen - bei Freunden, Verwandten, in Hotels oder Notunterkünften. Nicht alle folgten aber den Aufrufen. Allein 20.000 fanden Unterschlupf in den 150 Notunterkünften North Carolinas wie hier in Garner.
Die Behörden rechnen damit, dass insgesamt fünf Millionen Menschen in einem riesigen Einzugsgebiet im Südosten der USA von Überschwemmungen betroffen sein könnten. Sturmfluten, die vom Ozean in die Flüsse und damit ins Hinterland drängen sowie ergiebiger Regen könnten gemeinsam große zerstörerische Kraft entfalten. Hier suchen Rettungskräfte in den Wassermassen nach Hilfsbedürftigen.