• Die Hilfsbereitschaft in den von der Flut zerstörten Gebieten ist grenzenlos.
  • Viele freiwillige Helferinnen und Helfer gehen seit vielen Tagen über ihre Belastungsgrenze.
  • Doch nicht überall sind sie willkommen. Die Vize-Präsidentin des Technischen Hilfswerks berichtet von verbalen und tätlichen Angriffen.
  • Unterdessen bereiten sich die Menschen in den Flutregionen auf weiteren Regen vor.

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Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks (THW) sind bei ihrem Einsatz in westdeutschen Flutgebieten mitunter unfreundlich empfangen worden. "Das geht dann soweit, dass unsere Helferinnen und Helfer beschimpft werden", sagte die Vize-Präsidentin des THW, Sabine Lackner, am Samstag im RTL/ntv-"Frühstart". "Wenn sie mit Einsatzfahrzeugen unterwegs sind, werden sie mit Müll beschmissen", fügte Lackner hinzu.

Hinter den Angriffen seien vor allem Querdenker oder Menschen aus der Prepper-Szene, die sich als Betroffene der Flutkatastrophe ausgäben, sowie einige frustrierte Flutopfer.

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Ehrenamtliche Helfer werden von Wildfremden gefilmt

Teils seien die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit auch von Menschen gefilmt worden, die sich nicht als Pressevertreter erkenntlich gemacht hätten, sagte Lackner. Es seien noch keine Einsätze wegen der Vorfälle abgebrochen worden, doch die Situation sei für die ehrenamtlichen Helfer psychisch belastend.

"Ich bin unseren Einsatzkräften unendlich dankbar, dass sie recht unerschrocken weitermachen", sagte Lackner.

Menschen in Flutregion bereiten sich auf neuen Regen vor

Unterdessen blicken die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit Sorge auf die Wetterprognosen fürs Wochenende. Zwar sagte der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), am Freitag, er habe "im Augenblick keine Hinweise darauf, dass Wassermengen drohen wie das der Fall gewesen ist".

Dennoch trifft der Krisenstab Vorkehrungen. Rückzugsmöglichkeiten für die Bevölkerung sind laut Lewentz ebenso vorbereitet wie mögliche Lautsprecherdurchsagen für Warnungen. Man beobachte die Meldesituation "ganz, ganz aufmerksam", ergänzte er.

Auch NRW rüstet sich für mögliche neue Starkregenfälle. Per Erlass des NRW-Innenministeriums würden die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei nochmals besonders für die Wetterlage sensibilisiert, teilte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. "Die Arbeit in den Krisenstäben der Städte und Kreise wird auch am Wochenende fortgesetzt, um die Lage vor Ort zu koordinieren. Gleiches gilt für die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs im Innenministerium."

Bislang hat die Hochwasserkatastrophe 179 Todesopfer gefordert. Der Deutsche Wetterdienst rechnet am Samstag in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erneut mit Gewittern. Allerdings bleibe die Regenmenge wohl meist unterhalb der Warnschwelle, hieß es am Freitag.

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Für apokalyptische Szenarien, wie hier in Erftstadt-Liblar, und Zerstörungen historischen Ausmaßes sorgt die Flut im Sommer 2021 in Teilen Deutschlands. (Symbolbild)

Dobrindt: "Bündelung aller Informationen ist sehr wichtig"

Um künftig besser reagieren zu können, hat sich CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt währenddessen für einen ständigen nationalen Krisenstab ausgesprochen. "Ein ständiger Krisenstab Naturkatastrophen in Kombination von Bund und Ländern sollte eingesetzt werden", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Er halte die föderalen Strukturen für richtig, aber "auch die Bündelung aller Informationen ist sehr wichtig", argumentierte Dobrindt.

Erkennbar ist aus Sicht des Ex-Verkehrsministers, dass das Wiederherstellen von Kommunikation vor Ort viel zu lange gedauert habe. "Mobilfunknetze müssen gerade im Krisenfall funktionieren. Eine mobile Aufbautruppe "Kommunikation" sollte eingerichtet werden und sofort zum Einsatz kommen, zum Beispiel mit Drohnen und mobilen Funkzellen, wenn in Krisenlagen die Handynetze zusammenbrechen", sagte Dobrindt.

Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker lobte unterdessen die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Deutschen. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) hob er das "unwahrscheinliche Volumen an Solidarität" hervor. Der Luxemburger fügte hinzu: "Das hat sich schon vor Jahren beim Oder-Hochwasser unter Beweis gestellt und zeigt sich jetzt wieder." Menschen seien bei großen Problemen zu Großem fähig: "Und da haben die Deutschen mit ihrer Hilfsbereitschaft füreinander ein gutes Beispiel abgeliefert." (dpa/hau/mbo)

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