• Herzstück etwa in den Küchen Vietnams und auch Italiens, hat sie bei uns noch nicht jede Küche erobert: Fischsoße.
  • Ihr Umami-Geschmack peppt jedes Gericht auf. Sie können zum Beispiel Salz damit ersetzen.

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Wer zum ersten Mal Fischsoße riecht, zuckt meist intuitiv zusammen. Die klare, bernsteinfarbene bis rötlichbraune Flüssigkeit aus Sardellen hat einen intensiven Geruch.

Als eine der wichtigsten Würzsoßen Südostasiens peppt sie dort fast jedes Essen auf. Italophile Genießer dagegen schwören auf das Gewürzkonzentrat Colatura di Alici aus Kampanien oder Sizilien. Das Geheimnis der "Essenz des Meeres" ist ihr Umami-Geschmack.

"Fischsauce ist eine Kombination aus Salz und umami", schwärmt Food-Blogger Stefan Leistner. Das japanische Wort "umami" steht für "wohlschmeckend" und bezeichnet eine nach süß, sauer, salzig und bitter nicht so geläufige fünfte Geschmacksrichtung.

Fischsoße hebt Eigengeschmack der Zutaten hervor

Stefan Leistner verwendet Fischsoße beim Kochen überall dort, wo er den Eigengeschmack hervorheben will. "Die würzige Soße ist das Herzstück der vietnamesischen Küche. Kaum ein Gericht, das nicht durch sie gewürzt, belebt und vollendet wird", sagt der Asienexperte.

Ein in Vietnam beliebter Dip sei Nuoc Cham oder Nuoc Mam Pha, der etwa zu Frühlingsrollen gereicht wird. Hauptzutat ist Fischsoße, die mit Zucker, Reisessig, Knoblauch und Chilis angerührt wird.

Sardellen werden noch an Bord mit Salz vermengt

Die "weltbeste" Fischsoße ist für Leistner die "Red Boat Fish Sauce" von der Insel Phu Quoc. Dort wird seit über 200 Jahren Nuoc Mam - übersetzt: Fischwasser - hergestellt. Der Food-Blogger hat sich die Produktion seiner Lieblingsmarke vor Ort angeschaut.

"Die frisch gefangenen Sardellen werden schon an Bord mit Salz vermengt, damit keine Fäulnisbakterien entstehen", erzählt er. An Land werden sie in große Holzfässer geschichtet. "Die sind etwa vier Meter hoch und haben ein Fassungsvermögen von jeweils einigen Tausend Litern. Darin lagern die Fische 12 bis 18 Monate", so Leistner. Die entstehende Flüssigkeit werde Tropfen für Tropfen gesammelt und wieder ins Fass gepumpt.

Italienische Variante etwas milder im Geschmack

Was für Vietnamesen Nuoc Mam oder Thailänder Nam pla ist, schätzen Italienfans als Colatura di Alici - Sardellentropfen. Für Autor und Food-Fotograf Hans Gerlach sind die Varianten aus Italien und Vietnam "in der Zubereitung extrem ähnlich, mit der Ausnahme, dass bei der Colatura di Alici vor dem Einlegen Kopf und Innereien entfernt werden. Das macht wohl den leichteren Fischgeschmack aus." Was dem gelernten Koch persönlich besser mundet.

Für einen Liter Colatura benötigt man 30 Kilo Fisch

Seit 2020 gibt es die "Sardellentropfen" mit geschützter Ursprungsbezeichnung aus Cetara, einem kleinen Ort an der Amalfiküste. In Sizilien ist Sciacca für seine Colatura bekannt. Die Anchovis werden von April bis August direkt vor der Küste gefangen. Es gibt kaum Unterschiede bei der Herstellung zum Prozedere der Römer oder der Asiaten. Für einen Liter Colatura braucht man etwa 30 Kilo Sardellen und der Reifeprozess kann bis zu neun Monate dauern.

Sardellentropfen statt Salz für die Pasta

Ruckzuck gelingt mit der Würzsoße etwa eine Pasta mit Geschmacksexplosion. Spaghetti oder Linguine ohne Salz kochen, Petersilie, Chili sowie Knoblauch fein schneiden, mit etwas Nudelwasser verrühren und wenigen Tropfen Fischsoße würzen, zum Schluss Nudeln unterheben. Mehr braucht es nicht für Spaghetti di Colatura di Alici. Hans Gerlach peppt sie mit Mangold und Bröseln aus Brezeln, Thymian, Knoblauch und Rosinen auf.

"Der Einsatzbereich ist groß. Es gibt viele Rezepte, wo ein kleiner Tropfen passt", sagt er. Er würzt etwa Hühnereintopf damit und auch Salatdressing. Stefan Leistner sorgt mit einigen Tropfen bei einer Sauce bolognese für den letzten Pfiff.

"Ein schnelles und köstliches Gericht sind Spaghetti mit Zucchini und Fischsoße", schwärmt er. Dazu klein gewürfelte Zucchini in Olivenöl scharf anbraten, mit einem Esslöffel Fischsauce würzen, unter die gekochten Nudeln geben und mit etwas Olivenöl abschmecken. Wohlschmeckend, umami eben. (dpa/idi)

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