Brauche ich eine Lebensversicherung? Und wenn ja: welche? Die Antwort auf diese Fragen ist nicht ganz so spannend wie ein Krimi – aber fast. Versprochen!

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Ulrike Sosalla dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Es gibt Dinge, die erklärt einem nie jemand, weil alle denken, man wisse es längst. So ging es mir mit der Lebensversicherung. Frisch von der Uni in meinem ersten Job als Wirtschaftsjournalistin wusste ich natürlich, dass es Lebensversicherungen gibt. Nebulös hatte ich auch schon davon gehört, dass es zwei verschiedene Arten gibt. Aber was die Unterschiede sind und warum ich die eine oder andere abschließen sollte? Keine Ahnung.

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Meine Rettung war eine Kollegin. "Mensch, das ist doch die Krimi-Versicherung", sagte sie, als ich mal wieder ins Stottern geriet. "Risikolebensversicherung ist die, die immer in Krimis vorkommt. Wenn jemand plötzlich jung stirbt und dann rauskommt, dass die Geliebte die ganzen Millionen aus der Lebensversicherung bekommt." Seitdem weiß ich: Wenn Krimi, dann Risikolebensversicherung.

Der Name ist Programm: Sie sichert Angehörige gegen das Risiko ab, dass der oder die Versicherte plötzlich stirbt und damit ein Einkommen wegfällt. Der größere, aber langweiligere Bruder ist die Kapitallebensversicherung. Sie ist eine Art besseres Sparbuch und leidet genau wie Sparkonten unter den niedrigen Zinsen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute habe ich Spannung versprochen. Nicht dass ich plane, plötzlich und viel zu jung zu sterben. Und noch viel weniger plane ich, eine Lebensversicherung wie im Krimi abzuschließen, bei der eine aberwitzig hohe Versicherungssumme den Verdacht schnell auf die Nutznießer des Geldsegens lenkt (in guten Krimis war es am Ende dann doch der Tanzlehrer des Adoptivsohns, der der leiblichen Mutter des Kindes auf dem Sterbebett versprochen hatte, Rache zu nehmen).

Ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll? Machen Sie den Test

Nein, was ich will, ist das Gegenteil von Spannung: das beruhigende Gefühl, dass meine Familie zu allem Elend wenigstens nicht auch noch in Geldnöte gerät, falls ich sterbe. Falls Sie niemanden haben, der durch Ihren Tod in finanzielle Schwierigkeiten kommt: Herzlichen Glückwunsch, Sie können aufhören zu lesen. Alle anderen können diesen kleinen Test hier machen, um herauszufinden, ob eine Risikolebensversicherung sinnvoll ist.

Bei Risikolebensversicherungen gibt es, das wissen auch Krimi-Autoren, eine wichtige Zahl: die Versicherungssumme. Das ist der Geldbetrag, den die Angehörigen im Fall der Fälle erhalten. Je höher der Betrag, desto höher meist der Beitrag – hier heißt es also genau kalkulieren. Das Geld sollte reichen, um Geldsorgen zu vermeiden, aber nicht so überdimensioniert, dass die Versicherung absurd teuer wird. Der Krimi-Fall, in dem der oder die Versicherte den eigenen Tod vortäuscht oder von missgünstigen Angehörigen gemeuchelt wird, um die Versicherungssumme zu kassieren, kommt im echten Leben übrigens nur selten vor.

Damit Sie nicht zu hoch oder zu tief liegen: Bei "Finanztest" gibt es einen Online-Rechner für die Versicherungssumme, der aus wenigen Grunddaten einen geeigneten Betrag auswirft.

Neben der Versicherungssumme sind Alter, Beruf und Gesundheitszustand die wichtigsten Größen für den Jahresbeitrag, den eine Risikolebensversicherung kostet. Am günstigsten versichern sich natürlich junge, gesunde Menschen mit Bürojobs, die keinen gefährlichen Hobbys wie Fallschirmspringen nachgehen. Immerhin: Mit einem Bürojob kann ich dienen, und dass ich in Berlin täglich Fahrrad fahre, zählt hoffentlich nicht zu den gefährlichen Hobbys.

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Erst Online-Rechner befragen, dann Angebote einholen

Nun wird es ernst: Ich möchte einen guten und gleichzeitig günstigen Tarif finden. Die erste gute Nachricht: Fast alle Tarife im "Finanztest"-Vergleich waren gut. Die zweite gute Nachricht: Die Preisunterschiede betragen mehrere Hundert Euro pro Jahr. Hier lässt sich also viel Geld sparen. Und das geht so:

Schritt 1: Nachsehen, welche Versicherungen günstige Tarife in der passenden Altersklasse anbieten - "Finanztest" hat die Tarife für einen Versicherungsbeginn mit 35, 45 und 55 Jahren erhoben.

Schritt 2: Beim Online-Rechner der entsprechenden Versicherungen eine unverbindliche Vorauskunft mit den eigenen Daten einholen.

Schritt 3: Eine Versicherung auswählen und einen Antrag stellen.

Eine wichtige Ausnahme gibt es allerdings: Interessenten mit Vorerkrankungen fahren besser, wenn sie zunächst telefonisch bei der Versicherung nachfragen, ob sie dort trotz der Vorerkrankung versichert werden können. Eine solche informelle Auskunft ist zwar nicht bindend. Damit kann man aber einen wichtigen Nachteil vermeiden: Wer einen offiziellen Antrag stellt und abgelehnt wird, könnte dadurch in der internen Risikodatei HIS der Versicherer landen. Das kann die weitere Suche erschweren.

Wenn der Antrag abgeschickt ist, dauert es ein bisschen, bis die Antwort kommt. Für die Wartezeit empfehle ich einen guten Krimi – mit oder ohne verdächtig hohe Lebensversicherung.

Infokasten: Ulrike Sosalla ist stellvertretende Chefredakteurin von "Finanztest" und damit ausgewiesene Fachfrau für Finanzfragen. Das Verbrauchermagazin "Finanztest" gehört zur Stiftung Warentest, die seit 30 Jahren Finanzdienstleistungen testet. Test.de und "Finanztest" sind komplett anzeigenfrei und gewährleisten damit absolute Unabhängigkeit gegenüber Banken, Versicherungen und der Industrie. Die Newsletter der Stiftung Warentest können Sie hier abonnieren.
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