• Klimakrise und steigende Gaspreise durch den Ukraine-Krieg werfen die Frage auf, wie wir künftig klimafreundlich, nachhaltig, sicher und bezahlbar heizen können.
  • Die eine Lösung für jede Situation gibt es jedoch nicht.
  • Fachleute aus Forschung und Praxis haben aber klare Empfehlungen.

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Der kommende Winter wird für viele Menschen teuer: Die Energiepreise haben sich in den vergangenen Monaten teils vervielfacht und mit ihnen die Betriebskosten von Gasheizungen. Dass wir in unseren Wohnungen frieren müssen, halten die meisten Fachleute zwar für unwahrscheinlich.

Für viele Immobilienbesitzerinnen und -besitzer stellt sich nun aber noch dringlicher die Frage nach der sinnvollsten Heizungstechnik für die Zukunft - die eine Patentlösung gibt es jedoch nicht.

Wärmepumpen

"Die – mit erneuerbarem Strom angetriebene – Wärmepumpe wird das Arbeitstier im Heizungsmarkt darstellen müssen", sagt Dietmar Schüwer im Gespräch mit unserer Redaktion. Schüwer arbeitet in der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesystem am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Gegenüber Stromdirektheizungen – Nachtspeichern oder Heizlüftern – ist die Effizienz der Wärmepumpe um den Faktor drei bis vier höher, weil sie den Strom nutzt, um Umweltwärme aus Luft, Boden oder Grundwasser zu gewinnen. Das Prinzip ähnelt einem umgekehrten Kühlschrank. Gegenüber Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien erzeugt und dann in Zukunft zum Heizen genutzt werden kann, liegt die Effizienz einer Wärmepumpe sogar um den Faktor vier bis fünf höher.

Die höchsten Investitionskosten haben Erdwärmepumpen. Dafür arbeiten sie auch an sehr kalten Tagen ohne Nachteile, sodass der finanzielle Unterschied zu einer weniger effizienten Luftwärmepumpe sich mit der Zeit relativiert.

Ramona Mittag von der Verbraucherzentrale NRW teilt die Einschätzung des Energiesystemforschers: "Im Neubau ist schon lange die Wärmepumpe die erste Wahl bei der Auswahl der Heizung", berichtet sie. Laut Statistischem Bundesamt wurden Wärmepumpen 2021 in mehr als der Hälfte aller Neubauten verbaut.

Und auch im Altbau sei die Wärmepumpe eine nachhaltige und effiziente Heiztechnik – "wenn die Bedingungen stimmen", betont Mittag. Für einen effizienten Betrieb müssen niedrige Vorlauftemperaturen möglich sein.

Erreichen können Hausbesitzer das durch eine gute Dämmung der Gebäudehülle, einen hydraulischen Abgleich der Heizkörper sowie eine Vergrößerung der Heizkörperoberflächen. Neben geringen Wartungskosten kann man zusätzlich sparen, wenn der nötige Strom zumindest teilweise aus der eigenen Fotovoltaikanlage stammt.

Nah- und Fernwärme

"In urbanen Räumen sollte immer die Möglichkeit des Anschlusses an ein Nah- oder Fernwärmenetz geprüft werden, welche das Potenzial haben, eine ganze Reihe an erneuerbaren Wärmeerzeugungsoptionen aufnehmen zu können", empfiehlt Schüwer. Das können industrielle oder kommunale Abwärme sein, Tiefengeothermie, Verbrennung von Biomasse oder Müll, Solarthermie, erneuerbare Gase und mehr.

In vielen dieser Fälle ist Wärme ein Nebenprodukt. Durch ihre Nutzung steigt die energetische Effizienz des Gesamtprozesses. Rund 5,5 Millionen Haushalte in Deutschland nutzen Fernwärme und profitieren von geringen Betriebskosten, da wie bei Wärmepumpen keine Wartung durch Schornsteinfeger erforderlich ist.

Solarthermie

"Solarthermie kann insbesondere in der ganzjährigen Warmwasserbereitung helfen, als 'Fuel Saver' in bestehenden fossilen Gas- und Ölheizungen den CO2-Ausstoß und die Energiekosten zu reduzieren", sagt Schüwer. Die Kombination mit einer Wärmepumpe kann laut Verbraucherzentrale ebenfalls sinnvoll sein.

Das gilt vor allem aus ökologischer Sicht, solange Ökostrom knapp ist, weniger jedoch wirtschaftlich. Als alleinige Wärmequelle ist die Technik in unseren Breitengraden ungeeignet.

Holzpellets

Das Heizen mit Holzpellets ähnelt dem mit Öl: Man benötigt einen Lagerraum und regelmäßige Anlieferungen. Außerdem muss mehrmals jährlich die Asche entsorgt werden und die Wartungskosten sind etwas höher. Auch die Anschaffung ist teurer als eine Öl- oder Gasheizung. Die meisten Fachleute sehen in Pelletheizungen trotz des erneuerbaren Rohstoffs keine gute Zukunftsoption.

So erklärt auch Schüwer: "Da Holz eine sehr begrenzte Ressource darstellt, sollte nur in den Fällen, wo weder ein Anschluss an ein Wärmenetz, noch der Betrieb einer Wärmepumpe möglich ist, auf zum Beispiel eine Pelletheizung ausgewichen werden." Sinnvoll könne der Einsatz in denkmalgeschützten und schwer zu sanierenden Gebäuden sein, wo hohe Vorlauftemperaturen unvermeidlich sind.

Brennstoffzellen

Brennstoffzellenheizungen erzeugen Wärme und Strom. Was nach hoher Effizienz klingt, scheitert oft daran, dass Wärme- und Stromerzeugung in einem Verhältnis zueinander stehen, das nicht immer zur Abnahme passt.

Außerdem benötigt die Brennstoffzelle Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien hergestellt werden sollte. Damit liegt die Effizienz deutlich unter der von Wärmepumpen. Nicht zuletzt sind Brennstoffzellenheizungen noch sehr teuer.

Zukunftstechnologien

"Sowohl die Abwärmenutzung, die Tiefengeothermie als auch die Freiflächen-Solarthermie weisen große technische Potenziale auf", wirft Energiesystemforscher Schüwer einen Blick in die Zukunft.

Alle drei seien auf die Einbindung in Nah- oder Fernwärmenetze angewiesen, die ebenso wie die individuellen Heizsysteme innerhalb von wenigen Jahrzehnten komplett auf erneuerbare Wärmeerzeugung umgestellt werden müssen.

Verwendete Quellen:

  • persönliche Gespräche mit den Fachleuten
  • Verbraucherzentrale: Neue Heizung – welche ist die Richtige?
  • Wuppertal Institut: Wie sieht die Energieversorgung von morgen aus?
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