Auf Werbeversprechen sollten Verbraucher bei der Suche nach einem Kredit nicht viel geben. Stattdessen ist es wichtig zu vergleichen. Denn mancher Anbieter verkauft alles, nur keinen Kredit. Worauf Sie achten sollten.

Mehr Verbraucherthemen finden Sie hier

"Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig" – für viele Haushalte ist das bitterer Ernst. Geht dann die Waschmaschine kaputt oder das Auto braucht eine Reparatur, können manche nicht auf Ersparnisse zurückgreifen und müssen dafür einen Kredit aufnehmen.

Angebote dafür gibt es im Internet reichlich. Kreditanbieter werben mit fantastisch niedrigen Zinsen, Sofort-Krediten oder Darlehen ohne Schufa. Doch darunter finden sich auch unseriöse Vermittler, warnt Marcus Köster von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Statt eines Kredits entpuppe sich manches Angebot als sogenannte Finanzsanierung oder Verkauf von Versicherungen.

"Kreditanbieter oder Kreditvermittler geben selbst kein Darlehen, sondern vermitteln Kunden lediglich den Kredit einer Bank", erklärt Josefine Lietzau, Kreditexpertin des Verbraucherportals Finanztip. Für die Vermittlung erhalten sie in einigen Fällen eine Art Provision. Für Verbraucher hat es den Vorteil, dass sie nicht einzelne Banken abklappern müssen, um verschiedene Angebote einzuholen. Auf einem Vergleichsportal, das auch Kreditvermittler ist, haben sie sogar eine große Bandbreite für den Kreditvergleich.

Der zweite Eindruck zählt

Dabei sei es nicht ganz einfach, unseriöse Angebote im Netz von seriösen zu unterscheiden, sagt Köster: "Die Homepages sind heute gut gestaltet und machen oft einen seriösen Eindruck. Sie haben vertrauenserweckende Namen und zeigen verschiedene Siegel. Erst bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass diese Siegel unbekannt sind und nichts aussagen." Nur nach dem äußeren Eindruck sollten Kreditnehmer deshalb bei diesen Seiten nicht gehen.

Verbraucher sollten sich den Internetauftritt stattdessen ganz genau darauf hin ansehen, ob tatsächlich eine Kreditvermittlung angeboten wird, oder ob es um etwas ganz anderes geht - zum Beispiel darum, eine Versicherung teuer zu verkaufen.

Wer ein Darlehen sucht, muss außerdem wissen, dass jede Bank bei der Kreditvergabe grundsätzlich eine Bonitätsprüfung für den Kreditsuchenden braucht, also eine Einschätzung, wie wahrscheinlich es ist, dass er das geliehene Geld auch zurückzahlen kann. "Anbieter verlangen dazu häufig die Einschätzung einer Wirtschaftsauskunftei, etwa die Schufa-Auskunft", sagt Köster.

Sitzen Sie schon an Ihrer Steuererklärung für 2018? Dann könnten Ihnen die folgenden Tipps helfen, damit die Rückzahlung vom Finanzamt dieses Jahr höher ausfällt.

Kredit ohne Schufa: wenig sinnvoll

Verbraucher sollten deshalb unbedingt von Angeboten die Finger lassen, die mit Krediten ohne Schufa werben. Auch wenn die Bonität nicht bei dieser Auskunftei abgefragt wird: Irgendwie müssen die Banken die Kreditwürdigkeit prüfen. Das schreibt der Gesetzgeber vor.

Wer nach einem solchen Darlehen sucht, ist aber in der Regel kaum kreditwürdig. "Das Risiko lassen sich die Banken mit teuren Zinsen bezahlen", warnt Lietzau. Und Verbraucherschützer Köster rät: "Meist ist die Schuldnerberatung für die Verbraucher in dem Fall der beste Ansprechpartner." Auskunft über anerkannte und gemeinnützige Einrichtungen gibt es bei der Kommune am Wohnort.

Versicherung statt Kredit

Gerade unter den Angeboten für solche Schufa-freien Kredite oder Sofortkredite, die sich an Menschen richten, die unter finanziellem Druck stehen, finden sich schwarzen Schafe.

Köster berichtet von vermeintlichen Kreditanbietern, die ihren Kunden die Unterlagen für ihr Angebot per Nachnahme schicken. "Der Verbraucher bezahlt dann gleich eine Vermittlungsgebühr. Allerdings bekommt er keinen Kredit, sondern eine Finanzsanierung." Der Anbieter fasst also lediglich alle bestehenden Kredite zusammen und leitet die Ratenzahlungen an die Gläubiger weiter. Oft kassiert er dafür noch eine Vermittlungsgebühr oder einen monatlichen Beitrag. Grundsätzlich gilt: Vorsicht bei allen Angeboten, die Vorauszahlungen verlangen.

Noch immer gebe es auch vermeintliche Kreditvermittler, die einen Hausbesuch machen und dann zum Beispiel Versicherungen verkaufen. Nur einen Kredit hat der Verbraucher am Ende nicht bekommen.

Eine weitere Masche sei, statt eines Darlehens dem Kunden eine Prepaid-Kreditkarte zu verkaufen. Um die zu nutzen, muss der Verbraucher die aber zuerst mit Geld aufladen. Ein Kredit ist mit der Karte dagegen regelmäßig nicht verbunden, außerdem fordert der Anbieter Gebühren. "Solche Maschen sind aus unserer Sicht ein Geschäft mit der Armut", kommentiert Köster.

Seriöser Kredit: So geht der Vergleich

Um einen seriösen Kredit zu bekommen, rät Kreditexpertin Lietzau, mehrere Angebote einzuholen und zu vergleichen. Bekannte Vergleichsportale im Internet seien ein guter Ausgangspunkt dafür. Aber auch die eigene Hausbank kann angefragt werden. Wichtig ist, unbedingt die "unverbindliche Konditionsanfrage" dafür zu nutzen. Denn die ist Schufa-neutral, verschlechtert also die Bonität nicht.

Von den Werbeversprechen der Anbieter sollten sich Verbraucher nicht blenden lassen. "Die geben lediglich eine Zinsspanne an. Welchen Zins der Kunde am Ende tatsächlich zahlen muss, weiß er erst nach dem Eingeben seiner kompletten Daten." Eine gute Orientierung für den Vergleich bietet der sogenannte 2/3-Zins, den Anbieter ausweisen müssen. Zwei Drittel der Kunden erhalten diesen Zinssatz oder einen besseren.

Dafür fragen die Kreditanbieter einiges ab. Arbeitgeber, Gehalt, Miete, Verbindlichkeiten und Wohnort sind Standardfragen bei der Kreditvermittlung. "Ob eine Bank den Zins letztendlich vergibt und zu welchen Konditionen, lässt sich kaum vorhersagen. Denn jedes Geldhaus bewertet das Kreditrisiko einer Person anders", sagt Lietzau.

Auf eines sollten sich Kunden einstellen: Nach einer Konditionsanfrage rufen viele Kreditvermittler die Verbraucher an und haken nach. "Lassen Sie sich davon nicht unter Druck setzen", rät Lietzau. "Vergleichen Sie in Ruhe die Konditionen und stellen Sie dann einen Kreditantrag bei der Bank."

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Marcus Köster, Syndikusrechtsanwalt, Verbraucherzentrale NRW
  • Gespräch mit Josefine Lietzau, Kreditexpertin, Verbraucherportal Finanztip
  • Marktwaechter.de

Geld sparen: Finanzplanerin verrät ihren Trick

Am Ende des Monats noch Geld auf dem Konto haben? Wenn Sie gewisse Tipps zum Geld sparen im Alltag und im Haushalt beachten, dürfte das kein Problem mehr sein. Eine Finanzplanerin verrät ihren Trick. © ProSiebenSat.1