Geht es nach der SPD, soll der Spitzensteuersatz auf 45 Prozent angehoben werden. Die Union spricht sich gegen eine stärkere Belastung aus. Doch wie ist die Situation aktuell: Wie viele Deutsche zahlen den höchsten Steuersatz?

Bei der Steuerpolitik haben Rot und Schwarz unterschiedliche Vorstellungen: Die SPD will den Spitzensteuersatz schrittweise von 42 auf 45 Prozent heben, wie am Montagabend aus Verhandlungskreisen verlautete. Die Union ist dagegen.

Die schrittweise Erhöhung um drei Punkte soll nach SPD-Vorstellung als Ausgleich für Pläne dienen, ihn erst bei etwas höheren Einkommen greifen zu lassen, wie es hieß. Demnach soll er statt bei 54.058 Euro künftig erst ab 60.000 Euro Jahreseinkommen fällig werden. Der Spitzensteuersatz betrifft dabei nicht das gesamte Einkommen, sondern nur jenen Anteil oberhalb von 54.058 beziehungsweise 60.000 Euro.

Doch wer zahlt den Satz? Antworten liefert das Bundesfinanzministerium. Nach einer Schätzung vom Mai fielen vergangenes Jahr etwa 2,69 Millionen Steuerpflichtige unter den Spitzensteuersatz von 42 Prozent.

Unter Berücksichtigung der Zusammenveranlagung von Eheleuten betraf dies damit 3,73 Millionen einkommensteuerpflichtige Personen.

Mehr Steuerpflichtige rutschen in Spitzensteuersatz

Damit unterlagen 6,4 Prozent aller Steuerpflichtigen dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent, wie es in einer Antwort des Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag vom Frühjahr hieß. Die Zahl der Betroffenen ist im Laufe der Jahre gestiegen: 2004 fielen noch gut 1,2 Millionen Steuerpflichtige in diese Kategorie.

Wenn die Pläne umgesetzt würden, unterlägen weniger Menschen dem Spitzensteuersatz und würden damit entlastet. Die Entlastung durch die Verschiebung der Grenze, ab der der Spitzensteuersatz greift, ist dabei relativ. Schließlich ist der Satz seit 2005 unverändert und wurde zum Beispiel nicht an die Inflation angepasst.

In Verhandlungskreisen wurde auch darauf hingewiesen, dass von dieser Verschiebung viele Angehörige der Mittelschicht wegen steigender Mieten und sonstiger Lebenshaltungskosten nicht stark profitieren würden. Umgerechnet würde der Satz dann bei einem Einkommen von knapp 5.000 Euro monatlich greifen.  © dpa