Sie zählen zu den edelsten iberischen Pferde. Kein Wunder, schließlich gründete ein König die Zucht der Altér Real. pferde.de hat sieben spannende Fakten zu den königlichen Portugiesen zusammengestellt.

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Bei portugiesischen Pferden denken die meisten an Lusitanos. Doch unter ihnen gibt es noch ganz besonders edle Pferde – die Altér Real. Sie wurden für den Hof in Lissabon gezüchtet und sind noch heute an Hofreitschulen begehrt. Dabei zeichnet nicht nur Talent für die Hohe Schule die Pferde aus. Sie sind auch sehr gutmütig und ideale Freizeitbegleiter. Wenn du mehr über die königlichen Portugiesen wissen möchtest – hier kommt das etwas andere Rasseportrait…

1) Wenn ein König seine Königin beeindrucken will…

…dann kann schon mal eine neue Pferderasse entstehen. So zumindest lief es in Portugal. Vor rund 300 Jahren hatte dort das Herrscherhaus Bragança das Sagen. Und König João V. "der Großherzige" wollte 1748 seiner Frau Maria Anna aus Österreich imponieren. Wie? Indem er ihr ein Stück Heimat nach Portugal holte. Und was passte da besser, als die Hofreitschule. Dabei wollte er natürlich auch gleich besser als das Original sein. Es gab nur ein kleines Problem: Das Land besaß keine Dressurpferde.

Also gründete er kurzerhand sein eigenes Gestüt. Und da er nahe dem Städtchen Altér do Chão Land besaß, entstand das Pferdeparadies dort. Die Zucht begann er mit etwa 50 erstklassigen andalusischen Stuten. Dazu wurden besonders edle portugiesische und spanische Hengste ausgewählt. Die edlen Pferde sollten in der Reitakademie für die Hohe Schule ausgebildet und bei Paraden und anderen festlichen Anlässen eingesetzt werden. Der Name der Rasse setzt sich aus dem Namen des Gestüts und dem Begriff "real" zusammen, der übersetzt "königlich" bedeutet. Übrigens: Heute ist das Gestüt das älteste Portugals.

2) Mit Napoleon kam fast das Ende

Nach einer kurzen Blütezeit kamen mit Beginn des 19. Jahrhunderts schlechte Zeiten auf das Gestüt zu. Von 1807 bis 1814 zogen die Armeen von Napoleon durch Portugal. Die Soldaten zerstörten nicht nur das Land, sie stahlen auch die wertvollen Pferde. Damit wären die Altér Real beinahe schon wieder verschwunden.

Doch das Gestüt überlebte und versuchte die Wiederauferstehung. Dabei waren die ersten Zuchtversuche mit englischen, französischen, deutschen und arabischen Pferden nicht so erfolgreich, wie gehofft. Schließlich wurden wieder spanische Pferde, darunter auch Karthäuser, eingezüchtet – mit Erfolg.

3) Privater Züchter rettet die Rasse

Anfang des 20. Jahrhunderts stand Portugal vor der Wende: Während die Menschen unter Armut litten, führte die Königsfamilie weiter ein luxuriöses Leben. 1910 war es damit dann endgültig vorbei: Es kam zu Aufständen, eine provisorisch gebildete Regierung rief die Republik aus. Die Folgen spürte auch das Gestüt Altér Real: Aus dem königlichen Besitz wurde erst ein Militärgestüt, 1920 wurde es dann aus politischen Gründen ganz aufgelöst. Die Pferde wurden in alle Winde verstreut, viele Hengste kastriert. Damit waren die edlen Pferde schon wieder vom Aussterben bedroht.

Doch die Altér Real hatten erneut Glück: Der private Züchter Ruy D’Andrade rettete elf Altér-Stuten und drei Hengste. Mit ihnen züchtete er weiter. Als das Gestüt 1942 in das Landwirtschaftsministerium integriert und neu eröffnet wurde, übergab er seine Zucht. Seitdem hat sich der Bestand wieder erholt. Heute gilt: Nur Pferde, die im Gestüt Alter gezüchtet wurden und den AR-Brand mit Krone tragen, dürfen als Altér Real bezeichnet werden.

4) Altér Real – zwischen Tradition und Moderne

Für das Gestüt – und damit auch für die Pferde – gilt heute: Tradition ist gut, Geld verdienen ist besser. Denn die Pferde kosten Geld: Rund 300 Pferde leben auf der 800 Hektar großen Anlage, 20 Mitarbeiter und sieben Bereiter sind täglich für sie im Einsatz. Kein Wunder also, dass der Staat nach Einnahmequellen suchte. Und fand: In nicht genutzten Teilen der Anlage zogen erst eine Pferdeklinik und eine Landwirtschaftsschule ein. Dann wurden das königliche Privathaus und einige Nebengebäude zu einem Hotel umgebaut.

Auch dort dreht sich alles um die Pferde: Historische Sättel gehören zur Dekoration, und Gäste können sogar in ehemaligen Pferdeboxen übernachten. Wer will, kann auch einmal königlich reiten: Es werden Reitstunden und Satteltaufen angeboten. Natürlich nur auf Altér Real…

5) Altér Real: Dressur-Könner mit Herz

Heute werden Altér Real auch für die Portugiesische Hofreitschule gezüchtet. Denn die Pferde sind wahre Dressur-Könner. Dazu sind sie sehr intelligent, lernwillig – und menschenbezogen. Zwar sind Altér Real durchaus temperamentvoll, aber sie lassen sich leicht regulieren und gelten als nervenstark.

Übrigens: Rein optisch unterscheiden sie sich von ihren Verwandten, den Lusitanos. Im Gegensatz zu ihnen haben sie keinen Ramskopf. Und auch farblich setzten sie Akzente: Für das Altér-Real-Pferd typisch ist die braune Fellfarbe ohne Abzeichen, mit üppigem und dichtem schwarzen Langhaar an Mähne und Schweif.

6) Denkmal für die königlichen Pferde

Wer in Lissabon ist, kommt dem Reitdenkmal kaum vorbei: Mitten auf der Praça de Comércio steht die 14 Meter hohe Statue von König José I auf seinem Pferd Gentil. Die vom Bildhauer Machado de Castro 1775 gearbeitete Skulptur gilt heute nicht nur als Hommage an den liberal vorausschauenden König. Die Skulptur ist aber auch ein überlebensgroßes Denkmal für die königliche Pferde-Zuchtlinie Altér Real.

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7) Ein Hengst für Olympia

Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Altér Reals gehört der Hengst Rubi AR. Mit dem Dressurreiter Gonçalo Carvalho startete er zum Beispiel bei den Weltreiterspielen in Kentucky 2010, den Europameisterschaften 2011, den Olympischen Spielen 2012 und noch einmal der EM 2013. 2014 wurde er aus dem Sport verabschiedet. Das Besondere: Auch wenn er seit 2020 nicht mehr im Deckeinsatz ist, wurde er 2021 vom Oldenburger Zuchtverband zugelassen. Möglich wird das durch TG-Samen…  © Pferde.de

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