Die Katze ist zu dick, der Hund leckt alles ab, die Hasen vertragen sich nicht. Unsere Leserinnen und Leser hatten anlässlich unserer Themenwoche "Haustiere" die Möglichkeit, uns ihre ganz speziellen Fragen zu schicken. Unsere Experten haben die spannendsten Fälle herausgesucht - hier sind die Antworten.

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Das sind unsere Experten:

  • Dr. Thomas Steidl, stellvertretender Vorsitzender des Bundestierärztekammer-Ausschusses "Kleintiere/Heimtiere" und Fachtierarzt für Klein- und Heimtiere
  • Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund
  • Dr. Henriette Mackensen, Leiterin des Heimtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund
  • Thomas Riepe, Tierpsychologe

Katzen

Muss man bei Katzen die Krallen schneiden?

Dr. Thomas Steidl: Katzen benötigen ihre Krallen. Diese nutzen sie sich beim Freigang draußen ab oder nehmen auch gerne im Haus einen Kratzbaum an. Krallen sollten deshalb grundsätzlich nicht geschnitten werden. Ausnahmen sind Hornwachstumsstörungen nach bestimmten Erkrankungen oder bei sehr alten Tieren.

Wie wird meine übergewichtige Katze schlanker? Sie wiegt ungefähr 1,5 Kilogramm zu viel, aber mit Diätfutter wird es nicht besser.

Dr. Thomas Steidl: Übergewicht ist bei Katzen ein immer größeres und häufigeres Problem, denn damit sind eine Reihe von ernsthaften Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, verbunden.

Um es ganz klar zu sagen: Ein ausbleibender Erfolg bei der Gewichtsreduktion ist in der Regel nicht auf ein "nicht funktionierendes Diätfutter" zurückzuführen. Es ist ein Problem, das beim Tierhalter verortet ist. In solchen Fällen ist es sinnvoll, professionelle Beratung und Hilfe in Ihrer Haustierarztpraxis zu suchen.

Die meisten Praxen sind auf Ernährungsberatung eingestellt und werden Ihnen gerne einen Diätplan erstellen. Die konsequente Durchführung der Diät liegt jedoch in Ihrer Verantwortung.

Mein Wohnungskater hat eventuell Zahnstein. Wie kann ich das behandeln und vermeiden? Ich gebe ihm hochwertiges Nassfutter.

Dr. Thomas Steidl: Vermeiden können Sie den Zahnstein bei Ihrer Katze, wenn Sie deren Zähne - wie Ihre eigenen - zweimal täglich putzen. Ich habe in vielen Berufsjahren aber keinen Katzenhalter in meiner Praxis gehabt, dem dies dauerhaft gelungen wäre.

Die Bildung von Zahnstein hat nichts mit der Qualität des Futters zu tun, sondern ist eine Frage der individuellen Bildung von Speichelsalzen und der Selbstreinigung der Zähne. Ist der Zahnstein erst einmal in den Zustand der harten Beläge übergegangen (Plaque), hilft auch bei der Katze nur das Entfernen des Zahnsteins mit Ultraschall und die anschließende Politur der Zahnoberfläche.

Dies hat nichts mit "Kosmetik" zu tun, sondern ist eine wichtige Maßnahme zur Erhaltung der Zahngesundheit. Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs können sehr schmerzhaft sein und eine ganze Reihe von Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Leider muss der Zahnstein auch in den Schleimhauttaschen entfernt werden, wofür eine Narkose notwendig ist.

Wir haben vier Katzen, zwei Kater und zwei Kätzinnen. Ein Kater (sehr groß) und eine Kätzin (sehr klein) sind Geschwister und wenn sie miteinander spielen, fällt er sie manchmal plötzlich an wie Beute, sitzt auf ihr, kratzt und beißt sie. Die Kleine schreit dann, am nächsten Tag spielen sie aber wieder zusammen. Woran liegt das und was können wir tun?

Dr. Moira Gerlach: Ob eine Katze sich eher zu einem Einzelgänger oder zu einer geselligen Katze entwickelt, hat in erster Linie damit zu tun, welche Früherfahrungen sie mit Artgenossen gemacht hat und welche angeborenen Anlagen sie mitbringt. Auffällig ist, dass die Konflikte anscheinend nur zwischen dem Geschwisterpaar bestehen.

Gleichgeschlechtliche Tiere passen oft besser zusammen als Kater und Kätzin. Zwei Kater beziehungsweise zwei Kätzinnen sind sich im Selbstvertrauen und in der Art und Weise, wie sie miteinander umgehen, ähnlich. Kater gehen mit ihren Sozialpartnern oft recht grob um und setzen sich bei Erreichen der Geschlechtsreife "in Szene".

Viele Kätzinnen mögen diese groben Rangeleien nicht und sind nicht selbstsicher genug, um dem Halbstarken angemessene Grenzen zu setzen. Wichtig ist es, dass die Katzen in der Wohnung genug Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten haben, um sich aus dem Weg gehen zu können.

Sinnvoll wäre auch, einen auf Verhaltenstherapie spezialisierten Tierarzt aufzusuchen, der sich die Situation im Zuhause anschauen und beurteilen kann. Dieser kann die Ursache abschätzen und beraten, welches Vorgehen am besten ist.

Warum beißt unser Kater manchmal? Ansonsten ist er sehr lieb, er ist nur kein Kuschelkater. Was machen wir falsch?

Dr. Moira Gerlach: Katzen sind sehr eigensinnige Tiere. Es gibt die sogenannten Schmusekater, aber auch Tiere, die von Streicheln nicht viel halten und dies dann auch abrupt zeigen, wenn sie keine Streicheleinheiten mehr wollen.

Sie können die Zuneigung der Katze gewinnen, indem Sie ihr Bedingungen bieten, die sie zwischen der Gesellschaft des Menschen und dem Alleinsein wählen lassen. Katzen schätzen ihre Unabhängigkeit. Sie holen sich ihre Streicheleinheiten, wenn es ihnen gerade genehm ist. Ihre Anhänglichkeit wird umso größer, je mehr sie das Gefühl haben, ihr Leben nach eigenem Wunsch einrichten zu können.

Die Tiere möchten ihre Entscheidungen selbst treffen – auch was das Streicheln angeht. Darum sollten Sie Ihre Katze nicht zu sehr bedrängen und keine Kuscheleinheiten aufzwingen.

Um der Ursache des Verhaltens auf den Grund zu gehen, bedarf es aber einer Einschätzung der Situation vor Ort. Darum raten wir Ihnen, einen auf Verhalten spezialisierten Tierarzt aufzusuchen, falls die Situation für Sie problematisch werden sollte.

Hunde

Unser Rüde leckt alles und jeden immer an. Dadurch hat er sich auch schon die eine oder andere Erkrankung zugezogen. Wir lassen ihn auch so gut wie gar nicht an unser Baby heran. Woran könnte das ständige Lecken liegen?

Dr. Thomas Steidl: Lecken bedeutet für den Hund, der ein Nasen- und Geruchstier ist, dass er seine Umgebung erkundet. Außerdem ist das Ablecken anderer Hunde und auch "seiner" Menschen wichtig für die soziale Interaktion. Das kann zwar lästig sein, liegt aber nun einmal in der Natur des Hundes. Dass er sich über dieses Lecken mit Krankheiten infiziert, ist ausgesprochen unwahrscheinlich.

In seltenen Fällen könnte hinter übertriebenem Lecken als krankhafte Ursache ein Mineralstoffmangel stecken. Dieser kann in einer Blutuntersuchung nachgewiesen werden. Als Vater von drei Kindern kann ich Sie beruhigen, was das Belecken Ihrer Kinder betrifft. Man sollte den Hund beim Lecken abrufen, aber auf gar keinen Fall von den Kindern wegsperren. Dadurch werden soziale Probleme ausgelöst. Der Hund sollte aber regelmäßig entwurmt werden, wobei Sie Ihr Tierarzt gerne berät.

Wenn ein Neugeborenes aus dem Krankenhaus zum ersten Mal in die Wohnung kommt, kann man den Kopfbereich abdecken und den Hund Geruchskontakt mit dem neuen "Rudelmitglied" aufnehmen lassen.

Wir haben einen neun Monate jungen Labrador, der unsere Holzmöbel anknabbert. Was können wir tun?

Thomas Riepe: Das Knabbern kann unterschiedliche Gründe haben. Zwar sollte der Zahnwechsel in dem Alter längst abgeschlossen sein, allerdings sollte man beim Tierarzt nachsehen lassen, ob mit den Zähnen wirklich alles in Ordnung ist und auch keine weiteren gesundheitlichen Probleme vorliegen.

Zudem muss man darauf achten, welche Stressfaktoren der Hund im Alltag hat: Hat er ein hektisches, lautes Umfeld, wird er häufig durch hektisches Spiel hochgefahren? Wie wird er "erzogen"? Stress durch Hektik, zu wenige Ruhephasen oder gegebenenfalls falsche Erziehung können Ursachen für das Verhalten sein.

Also: Machen Sie Holzmöbel unzugänglich, zum Beispiel können Sie diese durch Blumentöpfe schützen. Bedenken Sie auch das Alter und warten Sie einfach noch etwas ab. Die tierärztliche Untersuchung und das Vermeiden von unnötigen Stressfaktoren können ebenfalls erste Ansatzpunkte sein.

Wir haben seit fünf Monaten eine Hündin, die aus Spanien kommt. In vielen Situationen ist sie sehr ängstlich. Aber vor allem hat sie immer wieder Phasen, in denen sie große Angst vor meinem Mann hat. Wir versuchen, ihr diese Angst zu nehmen, indem er ihr das Futter gibt und sie ansonsten nicht direkt ansieht, um ihr keinen Stress zu machen. Was können wir noch tun?

Thomas Riepe: Grundsätzlich gehen Sie es schon richtig an. Ihr Mann sollte langsam für die Hündin positiv verknüpft werden. Das sollte aber "nebenbei" passieren. Ihr Mann sollte die Hündin nicht aus der Hand füttern oder locken. Das bringt sie in einen inneren Konflikt. Einerseits möchte sie die Nahrung bekommen, andererseits hat sie Angst vor Ihrem Mann und möchte weg. Das löst einen Konflikt aus, der kontraproduktiv ist.

Besser ist es, wenn die Hündin immer im gleichen Raum gefüttert wird, in dem Ihr Mann gerade ist. Er ist aber in einer anderen Ecke des Raumes, beachtet die Hündin nicht und beschäftigt sich mit etwas ganz anderem. Das sollte er in allen Situationen machen: Da sein, zur Familie gehören, der Hündin aber keinen Anlass geben, sich zu fürchten.

Wie können wir unserem Labrador abgewöhnen, den Kot anderer Hunde zu fressen? Und warum tut er das?

Thomas Riepe: Kotfressen kann gesundheitliche Gründe haben, also hilft hier ein Besuch beim Tierarzt. Wenn er nur den Kot spezieller Hunde frisst, kann es aber auch sein, dass der Hund, von dem der Kot stammt, ein Futter bekommen hat, das auch verdaut und ausgeschieden noch Geschmackstoffe hat.

Durch ein spezielles Training können Sie ihm das Kotfressen am besten abgewöhnen. Ihr Hund lernt dabei, den Kot anzuzeigen. Für das Anzeigen wird er positiv verstärkt. Das können Ihnen aber nur gute Trainer vermitteln, die mit positiver Verstärkung arbeiten. Auf keinen Fall dürfen Sie den Hund bestrafen oder maßregeln. Das zerstört das Vertrauensverhältnis zu Ihnen und kann an anderen Stellen zu Aggressionen führen.

Kaninchen

Nach dem Tod meines Hasenbocks habe ich zu meinem Kaninchenbock noch ein kleines Böckchen dazu geholt. Ich habe mehrfach versucht, die beiden zusammenzubringen, aber sie haben sich immer ineinander verkeilt und verbissen. Seitdem halte ich sie getrennt. Der ältere Bock hat ein Weibchen bekommen, das junge Böckchen wieder ein Böckchen. Auch diese beiden gehen aufeinander los und verbeißen sich ineinander. Können Sie mir helfen?

Dr. Henriette Mackensen: Grundsätzlich sind Kaninchen sehr gesellige Tiere. Bei der Gruppenzusammensetzung gibt es verschiedene Möglichkeiten, die in der Regel funktionieren. Wichtig ist die Kastration männlicher Tiere vor eintretender Geschlechtsreife. Ein kastrierter Bock und ein bis drei Weibchen, zwei kastrierte Böcke und zwei bis vier Weibchen oder nur kastrierte Böcke in kleinen Gruppen (ohne jemals Kontakt zu weiblichen Kaninchen zu haben) haben sich als Gruppenzusammensetzung am besten bewährt.

Die Anpassung an eine neue Gruppenzusammensetzung ist oft schwierig und langwierig. Sie erfordert Zeit und Geduld. Hilfreich ist es, alle Kaninchen in ein neues Gehege zu setzen oder das alte Gehege ganz auszumisten, Häuschen auszuwaschen und frisches Nagematerial in das Gehege zu legen, damit alle Kaninchen abgelenkt und beschäftigt sind.

Zudem sollte es genügend Rückzugsmöglichkeiten mit zweiseitigem Ausgang und einer der Tierzahl angepassten Gehegegröße geben.

Eine Haltung im gleichen Raum, vielleicht sogar noch mit Sichtkontakt, baut Stress und Aggression auf und ist für alle Tiere belastend. Darum ist es aus Sicht der Tiere besser, wenn eine Zusammenführung nicht möglich ist, die Tiere komplett voneinander zu trennen oder eine der Gruppen in andere erfahrene Hände abzugeben.

Aggressionen können vielfältige Ursachen haben. Eine davon kann auch sein, dass Tiere unausgelastet sind. Ist die Haltungseinrichtung ausreichend groß, vielfältig strukturiert und auch die Ernährung artgerecht, können Aggressionen reduziert werden.

Tierschutz

Gibt es für Katzenpensionen Vorschriften, Regelungen oder Empfehlungen zur Anzahl an anwesenden Katzen? Meine Katze ist nach dem Aufenthalt in einer überfüllten Pension erkrankt.

Dr. Moira Gerlach: Anders als bei Hunden gibt es in Deutschland derzeit leider keine rechtlich bindenden Bestimmungen, die die Haltung von Katzen regeln. Grundsätzliche Voraussetzungen für jede Tierhaltung sind die im §2 des Tierschutzgesetzes genannten Bedingungen: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.

Zur Haltung von Tieren gibt es Merkblätter der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, die auf deren Webseite einzusehen sind. Diese Merkblätter sind zwar nicht rechtlich bindend, die darin enthaltenen Empfehlungen werden jedoch häufig als Entscheidungshilfe bei der Beurteilung von Tierhaltungen herangezogen. Die Kontrolle der Tierschutzgesetzgebung unterliegt dem Veterinäramt. Es ist die einzige Behörde in Deutschland, die die Haltung von Tieren kontrollieren darf.

Das Veterinäramt ist leider nicht dazu verpflichtet, über die Vorgänge und Kontrollen zu informieren. Dennoch empfiehlt es sich, wenn Sie weiterhin konkrete Hinweise haben, das Veterinäramt über die Situation zu informieren. Die Anzahl der zu betreuenden Katzen sollte der Zahl der Betreuer und dem vorhandenen Platz angepasst sein (10-15 Katzen pro Betreuer). Eine genaue gesetzliche Regelung gibt es hierfür aber - wie erwähnt - nicht.

Katzen sind zudem sehr territoriale Tiere und eine neue Umgebung ist meist mit Stress für verbunden. Besser ist es darum, die Katze möglichst im eigenen Haushalt durch bekannte Personen, die vorübergehend dort wohnen, betreuen zu lassen.

Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren Leserinnen und Lesern für die zahlreichen Zuschriften bedanken. Aufgrund des sehr hohen Aufkommens war es uns leider nicht möglich, alle Fragen zu berücksichtigen. Wir bitten daher um Verständnis, sollte Ihr Anliegen nicht erfasst worden oder nur ein Teil der Frage zur Beantwortung den Experten vorgelegt worden sein. Die verwendeten Fragen haben wir sinnerhaltend gekürzt.
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Vom treuen Familienhund bis zum überzüchteten Modekläffer - die Deutschen lieben Hunde! Sie gelten als loyal, empathisch und liebevoll. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch unsere Vierbeiner.