Guter Rat ist oft teuer, wenn zuhause der Haussegen schief hängt oder wir bei der Erziehung unsicher sind: Wie lernt mein Kind Selbstständigkeit? Bringe ich mein Pubertier in diesem Leben noch zum Lernen? Die Familientherapeutin Anette Frankenberger beantwortet hier Ihre Fragen.

  • Soll ich meinem Kind bei den Hausaufgaben helfen?
  • Was tun bei Schulproblemen in der Pubertät?
  • Harmloser Konflikt oder Mobbing: Wann Erwachsene eingreifen müssen
  • Erwachsener Bruder in Lebenskrise: Kann ich ihm helfen?

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Mobbing auf dem Schulhof: Was können Eltern und Lehrkräfte tun? Fragen wie diese erreichen regelmässig unsere Ratgeber-Redaktion. Wir lassen sie für Sie von der Münchner Familientherapeutin Anette Frankenberger beantworten. Am Ende des Textes haben Sie die Möglichkeit, uns auch Ihre Frage zu schicken!

Bei Hausaufgaben helfen?

Leserfrage: Für die Schule soll meine Tochter dieses Jahr einen ausführlichen Aufsatz schreiben. Auf dem Elternabend hat die Lehrerin klar und deutlich formuliert, dass die Eltern bei dem Bericht helfen sollen. Wie viel oder wenig Hilfe ist bei solchen Hausaufgaben gut, damit das Kind auch Selbständigkeit lernt?

Anette Frankenberger berät seit 26 Jahren Familien und Paare in ihrer Praxis.

Ihre Frage trifft einen Nerv, denn solche Aussagen von Lehrern werden tatsächlich ganz unterschiedlich von Eltern aufgefasst, daher rate ich als erstes: Klären Sie, was die Lehrerin konkret meint.

Das Kind bei der Struktur und einer guten Arbeitsumgebung zu unterstützen: Das sind Hilfestellungen, die Eltern geben müssen, damit ihr Kind selbstständiges Arbeiten lernen kann.

Was sich vielleicht selbstverständlich anhört, aber meiner Erfahrung nach nicht ist: Eltern sollen nicht die Aufsätze ihrer Kinder schreiben! Das Kind lernt dabei nur eines: Ich brauche immer einen Helfer. Und kein Lehrer kann solch eine Hausaufgabe sinnvoll benoten.

Lesen Sie dazu auch: Wie "Rasenmäher-Eltern" ihren Kindern jeden Frust ersparen und damit ihrer Entwicklung schaden

Keine Lust auf Hausaufgaben

Frage von M.M. aus Niederösterreich: Mein Sohn (14) ist stark in der Pubertät und interessiert sich nur noch für seine Freunde. Für die Schule möchte er überhaupt nichts mehr tun. Ich weiß nicht mehr weiter, was können wir tun?

Strafen bringen in dem Alter nichts, das führt nur zu einer Eskalation. Ebenso wenig Belohnungen, die immer nur kurzzeitig wirken - schon kleine Kinder fangen dann an, darüber mit Ihnen zu verhandeln.

Wichtig sind: Klare Regeln und klare Absprachen, die für den Jugendlichen fair und nachvollziehbar sind. Das gilt nicht nur für die Schule, sondern auch für die Freizeit: "Wenn ich weiß, wo du bist und du zur vereinbarten Zeit wieder zuhause bist, wenn ich mich auf dich verlassen kann, bekommst du auch mehr Freiheiten."

Das Thema Schule ist in Familien oft ein Streitthema und mit viel Stress verbunden. Meiner Erfahrung nach vor allem dann, wenn Eltern ihren Kindern bezüglich der Hausaufgaben über Jahre hinterherjagten. Spätestens in der Pubertät - der Phase, in der sich das Gehirn massiv im Umbau befindet - wird Kindern das zu anstrengend und sie machen zu. Eine faire Absprache kann sein: "Wenn du deine Hausaufgaben gemacht und sie mir gezeigt hast, dann hast du Freizeit."

Finden Sie außerdem gemeinsam mit Ihrem Sohn heraus, wie es ihm leichter fallen könnte und lassen Sie ihn Vorschläge machen. Ein Beispiel: Ihr Kind möchte erst um 19:00 Uhr Hausaufgaben machen. Manchen fällt es leichter, abends zu arbeiten, aber die Eltern wehren sich oft dagegen.

Probieren Sie den Vorschlag Ihres Kindes aus! Nach zwei Wochen schauen Sie gemeinsam, ob es geklappt hat - wenn nicht, suchen sie nach einer neuen Lösung. Ganz wichtig: gemeinsam, so dass sich der Jugendliche beteiligt fühlt. Es gibt nun mal nicht die Option "Schule oder nicht", aber es gibt viele Möglichkeiten für das Wie.

Mobbing in der Schule?

Frage: Mein Sohn ist nachmittags auf einem Schulhof und wird dort von mehreren Jungs umzingelt und gefragt, ob er sein Fahrrad abgibt. Sollen Eltern die Kinder das unter sich ausmachen lassen?

Wenn es sich um eine einmalige Situation handelt, würde ich zunächst abwarten, was passiert. Löst sich der Konflikt nicht binnen weniger Minuten, muss ich schlichtend eingreifen. Viel komplizierter ist es, wenn es sich um einen Dauerzustand handelt, Ihr Kind gemobbt oder immer wieder von anderen bedroht wird. Das Fahrrad ist ein typisches Beispiel, ein anderes Mal leeren die Kinder oder Jugendlichen das Federmäppchen aus oder nehmen ihm andere Dinge weg.

In so einem Fall braucht das Kind Unterstützung. Doch gleich vorweg: Was Sie vermeiden sollten, ist ein unmittelbares Eingreifen in die Situation. Springt die Mutter dem Kind zur Seite, geht das oft nach hinten los. Sie verstärken damit die Dynamik, das Kind wird bei der nächsten Begegnung mit diesen Jungs ausgelacht: "Du kannst dich ja nicht mal alleine wehren."

Statt zu Hilfe zu eilen, üben Sie privat mit Ihrem Kind, sich zu wehren. Melden Sie die Vorfälle der Schule. Was auf dem Schulhof passiert, fällt in den Verantwortungsbereich der Lehrkräfte, die die Situation im Blick behalten müssen, und auch der Schulpsychologen. Sehr hilfreich - das können Sie an der Schule anregen: Projekte von Polizei oder Jugendverbänden: Hier kommen Experten an die Schulen, die über Mobbing aufklären.

  • Präventionsangebote für Ihr Bundesland finden Sie auf den Seiten der Polizeigewerkschaft.
  • Trainings und Seminare in Bayern bietet etwa Kisko (Konflikte in Schulklassen kommunikativ lösen)

Lebenskrise des Bruders: Wie kann ich helfen?

Frage: Ich möchte Sie um Ihren Rat bitten: Es geht um meinen Bruder. Vor Jahren hat er ein gutes Abitur gemacht, danach mehrfach das Studienfach gewechselt, hier und da gejobbt, aber mehr nicht. Meine Eltern werfen ihm vor, sein Leben in den Sand zu setzen. Mein Verhältnis zu ihm ist gut, doch wenn ich seine Zukunft thematisiere, wird er wütend. Wie kann ich ihm auf die richtige Spur helfen?

"Auf die Spur helfen" können Sie ihm nicht. Ihr Bruder ist erwachsen, muss seine eigenen Entscheidungen treffen und dafür die Verantwortung tragen. Manche brauchen einfach länger: Er kommt offensichtlich erst später als seine Geschwister im Leben an und hat noch nicht das Richtige für sich gefunden, muss sich noch finden.

Im Leben wird so etwas immer wieder vorkommen: Jeder durchlebt Krisen, und als Geschwister, als enger Angehöriger, fragen wir uns, wie wir helfen können. Das ist schwer auszuhalten, aber: Drängen Sie sich nicht auf. Wir gehen auch oft zu sehr davon aus, dass die eigene Art zu leben die einzig richtige ist.

Eines können Sie aber tun: Schildern Sie Ihrem Bruder Ihre Sorge und signalisieren Sie ihm: "Ich nehme wahr, was du da gerade durchmachst - ich bin da, wenn du mich brauchst und unterstütze dich, wenn du es willst." (af)

Lesen Sie dazu auch: Geschwister in der Krise - wie sich die Beziehung im Lauf des Lebens verändert

Zur Person: Anette Frankenberger arbeitet als systemische Paar- und Familientherapeutin sowie Supervisorin seit 1994 in eigener Praxis. Seit 1989 ist sie als Dozentin in der Erwachsenenbildung und Erziehungsberatung tätig. Frankenberger hat zwei erwachsene Kinder.

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