Buchungen für Schiffsreisen steigen seit Jahren an – der Kreuzfahrttourismus boomt. Dabei wird nur selten über eine unangenehme Begleiterscheinung gesprochen: die verheerenden Auswirkungen der Riesenkreuzer auf die Umwelt.

Endlose Weiten, strahlender Himmel und blaues Meer - kaum eine Art zu reisen erfüllt so viele Träume gleichzeitig wie die Fahrt auf einem Kreuzfahrtschiff. Wie gigantische Kleinstädte mit Schwimmbad, Theater und Shoppingparadies gleiten die Ozeanriesen elegant über das Wasser und steuern die schönsten Orte der Welt an.

Kein Wunder also, dass laut Beratungsunternehmen PwC jeder dritte Deutsche eine Kreuzfahrt machen würde. Rund 24 Millionen Menschen ließen diesen Traum im vergangenen Jahr Wirklichkeit werden.

Ein Kreuzfahrtschiff ist so schädlich wie fünf Millionen PKW

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Doch der Kreuzfahrttourismus hat eine Kehrseite - und die ist erschreckend. Die Schifffahrt belastet jedes Jahr mit unfassbaren Mengen an Schadstoffen die Umwelt. Im Transportbereich ist sie der mit Abstand größte Verschmutzer.

Auto- und Flugzeugemissionen sind dagegen verschwindend gering. Daran hat die Kreuzfahrtbranche ihren Anteil.

Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) stößt ein einziger Ozeanriese pro Tag 450 Kilogramm Rußpartikel, 5250 Kilogramm Stickoxide und 7500 Kilogramm Schwefeldioxide aus. Das entspricht auf gleicher Strecke der Menge von fünf Millionen Pkw.

Rußpartikel verursachen Krebs

"Die Umweltbelastung der Kreuzfahrtschiffe hängt direkt mit dem Kraftstoff zusammen, den die Schiffe tanken", sagt Dietmar Oeliger, Leiter des Bereiches Verkehrspolitik beim NABU. "In der Regel ist das giftiges Schweröl, einem Abfallprodukt der Ölindustrie."

Eine teerartige Masse, die bis zu 3,5 Prozent Schwefel enthalten darf, also 3500 mal mehr als im Straßendiesel. "Darüber hinaus machen Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle das Schweröl zu einem gefährlichen Cocktail. Hinzu kommt, dass nahezu alle Schiffe ohne Abgastechnik unterwegs sind. Auf Katalysatoren und Rußpartikelfilter verzichten die Reedereien, obwohl die Technik vorhanden ist", erklärt der Experte.

Das wirkt sich auch auf den Menschen aus. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist die krebserregende Wirkung von Rußpartikeln ähnlich hoch wie die von Asbest. "Insbesondere die ultrafeinen Partikel sind extrem gefährlich", so Oeliger.

NABU fordert Umstieg auf saubere Kraftstoffe

Betroffen von den Belastungen seien vor allem Menschen, die entlang der Küste und in Hafenstädten leben. Auch die Passagiere und Mitarbeiter an Bord atmen die schmutzige Luft ein.

Vor wenigen Wochen hat der französische TV-Sender France 3 auf einem Kreuzfahrtschiff mit Unterstützung des NABU erschreckend hohe Abgaswerte gemessen. Die Luft war an Deck etwa 200 mal so stark mit Partikel belastet wie saubere Seeluft.

Ein internationales Abkommen darüber, wie der Anstieg an Emissionen zu bremsen oder gar zu reduzieren ist, gibt es nicht. "Gemessen an der Gesamtzahl der Schiffe ist die Kreuzfahrt das kleinere Übel", sagt Oeliger.

Dennoch: Die Branche wächst stark und dutzende neue Schiffe sind bestellt, die die Emissionen weiter in die Höhe treiben. Ein Umdenken der Branche zeichnet sich nicht ab, schließlich stellen Dieselkraftstoffe und Schweröl nach wie vor die günstigste Antriebsalternative dar.

Dietmar Oeliger richtet deutliche Worte an den Kreuzfahrtourismus: "Der NABU fordert, dass die Kreuzfahrtindustrie mit gutem Beispiel vorangeht und auf sauberere Kraftstoffe umsteigt und Abgastechnik auf den Schiffen einsetzt, denn sie profitieren am meisten von einer intakten Umwelt. Und schließlich ist es immer noch ein Unterschied, ob ein Schiff Menschen transportiert oder Container."