Am Horn von Afrika sind Millionen Menschen von einer seit Monaten andauernden Dürre betroffen. Ihre Ernten verdorren, das Wasser in den Brunnen versiegt. Es droht eine Hungersnot.

In Somalia und weiteren Ländern am Horn von Afrika warten die Menschen auf Regen. Hier zeigt sich derzeit, welche konkreten Auswirkungen der Klimawandel haben kann. Die letzten beiden Regenzeiten in Somalia waren trocken – zu trocken, um die Ernten gedeihen zu lassen und das Vieh und somit auch die Menschen zu sättigen.

UNICEF zeigt sich sehr besorgt über die derzeitige Situation, insbesondere in Somalia: "Somalia erlebt gerade eine der schlimmsten Dürren der letzten Jahre, es droht eine Hungerkatastrophe", sagt Christine Kahmann, Sprecherin von UNICEF Deutschland, auf Anfrage unserer Redaktion.

Bereits im November 2025 rief die somalische Regierung offiziell einen Dürre-Notstand aus und appellierte an die internationale Gemeinschaft, das Land auch finanziell zu unterstützen.

Lebensmittelknappheit könnte zu Hungerkrise führen

Innerhalb eines Jahres habe sich in Somalia laut Experten die Zahl der Menschen, die von Lebensmittelknappheit betroffen sind, verdoppelt. Erst 2022 gab es in dem Land eine schwere Dürre und die Menschen haben sich kaum davon erholen können.

"Mangelernährung nimmt stark zu, ebenso Krankheiten, die eigentlich vermeidbar wären. Mehr als 1,8 Millionen Kindern unter fünf Jahren droht akute Mangelernährung", sagt Kahmann.

Neben der Dürre haben auch steigende Lebensmittelpreise und anhaltende Unsicherheiten durch die Terrormiliz Al-Shabaab zur Verschlechterung der humanitären Lage im Land beigetragen.

Der tödliche Teufelskreis durch die Dürren

Eine Dürre birgt meist ein ganzes Bündel an Problematiken. Besonders für Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, ist eine lange Trockenheit eine Existenzbedrohung. "Brunnen trocknen aus, Felder verdorren, Vieh verendet, Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen und sehen sich gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen", sagt Kahmann.

Zusätzlich würden durch die schlecht ausfallenden Ernten die Lebensmittelpreise ansteigen, "die ärmsten Familien können sich das Nötigste dann oft nicht mehr leisten".

Dadurch können viele Eltern ihre Kinder nicht mehr ausreichend ernähren. Sie müssen sich alternative Einkommensquellen suchen - nicht selten führt diese ausweglose Lage dazu, dass auch Kinder arbeiten müssen.

Der Wassermangel ist mehrfach belastend

Vor allem Frauen und Kinder sind für das Besorgen von Wasser zuständig. Doch je weniger Wasserquellen es gibt, desto länger und weiter müssen sie laufen – manchmal mehrere Kilometer.

Eine für sie normale und tägliche Aufgabe wird dadurch zu einem immer mühsameren und gefährlicheren Unterfangen. Zusätzlich hält es Kinder davon ab, zur Schule zu gehen, da sie häufig den ganzen Tag damit beschäftigt sind, Wasser für die Familie aufzutreiben.

Viele Brunnen und Wasserlöcher sind jedoch ausgetrocknet. So müssen die Menschen immer tiefer graben, um noch Wasser zu finden. Dieses ist dann nicht trinkbar, da es stark verschmutzt ist.

"Wenn es aufgrund extremer Wetterereignisse nicht genug sauberes Wasser gibt, müssen Familien häufiger auf verunreinigtes Wasser zurückgreifen. Dadurch steigt das Risiko, dass sich Krankheiten ausbreiten – zum Beispiel Malaria oder Durchfallerkrankungen", sagt Kahmann. Durchfallerkrankungen sind in Kombination mit Mangelernährung besonders gefährlich für kleine Kinder.

Gefährlich wird es, wenn der Regen kommt

Nach so einer langanhaltenden Dürre wäre jedoch auch ein kommender Regen nicht die Erlösung, auf die viele hoffen. Denn durch die Trockenheit verhärten die Böden und können das Regenwasser kaum noch aufnehmen, betont auch Dr. Martins, Leiter der Notfallvorsorge der WHO in Kenia in einer Pressemitteilung.

Stattdessen können Sturzfluten entstehen, die eine zusätzliche Bedrohung für die Menschen darstellen. Gleichzeitig erhöht sich das Krankheitsrisiko beispielsweise von Cholera, wenn stehende Gewässer entstehen.

"Der Klimawandel verstärkt diese extremen Wettermuster und macht Dürren und Überschwemmungen intensiver und unberechenbarer", sagt Dr. Martins. Experten führen diese Entwicklung auf die Erwärmung des Indischen Ozeans zurück. Je länger eine Dürre anhält, desto schwieriger wird es für die Bevölkerung, ihre Resilienz gegen eine solche Krise aufrechtzuerhalten.

Welche Unterstützung leistet UNICEF in betroffenen Gebieten?

UNICEF ist gemeinsam mit Partnern in Somalia vor Ort und identifiziert und behandelt täglich Kinder, die mangelernährt sind. "Kinder erhalten zudem Impfungen gegen gefährliche Krankheiten wie Cholera", berichtet Kahmann. "UNICEF unterstützt beim Bau von Wasserleitungen und liefert, wo nötig, Wasser per Tankwagen in Dörfer. Damit Kinder weiter lernen können, errichten wir Lernzentren und statten sie mit Lernmaterialien aus."

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Durch den Rückgang der internationalen Finanzierung für humanitäre Hilfe sind Millionen von Menschen am Horn von Afrika bedroht. Die Europäische Union jedoch stellte in diesem Jahr 63 Millionen Euro für Somalia bereit.

Verwendete Quellen