Vera Mäusbacher arbeitet seit über zwei Jahren als Redakteurin für internationale Programmarbeit und Spenderkommunikation bei UNICEF Deutschland. Jetzt hat die 29-Jährige sechs Wochen das UNICEF Team auf den Philippinen unterstützt.

Drei Wochen lang verbrachte sie im Hauptbüro in Manila und jeweils eineinhalb Wochen in den Field-Offices Cotabato (auf der Insel Mindanao) und in Tacloban (auf der Insel Leyte). Wir haben uns mit ihr über die Erlebnisse während ihres Aufenthaltes dort unterhalten.

United Internet for UNICEF: Vera, was war das Ziel deiner Reise?

Vera Mäusbacher: Meine Aufgabe war es, Geschichten der Kinder zu sammeln, die von den dortigen UNICEF Projekten profitiert haben.

Gruppenbild mit den Kollegen im UNICEF-Büro in Manila. Vera Mäusbacher ist die Dritte von rechts.

Wie haben dich die Menschen aufgenommen?

Es kommt darauf an, wie man auf die Menschen zugeht. Ich hatte oft Spielzeug dabei oder habe mich erst einmal mit den Kindern hingesetzt und gemalt. Lachen ist meiner Meinung nach ganz wichtig. Das zeigt ihnen, dass ich nicht unnahbar bin und vermittelt, dass ich mich freue sie kennenzulernen. Mit Erwachsenen gehe ich ganz ähnlich um: Offen sein, lachen und Blockaden brechen.

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Wie können wir uns das vorstellen? Warst du immer mit einem Dolmetscher unterwegs?

Mit den Kollegen, den Nothelfern und mit vielen Lehrern konnte ich Englisch sprechen, das ist auch die Geschäftssprache auf den Philippinen. Die Kinder, die auf Mindanao weit im Inneren der Insel leben, haben ihren ganz eigenen Dialekt. Das ist nicht mal Filipino. Da war ein Dolmetscher an meiner Seite beziehungsweise ein Kollege aus dem Field-Office, der den Dialekt beherrscht. Dazu muss man wissen, dass UNICEF in erster Linie sogenannte Locals anstellt, um Vertrauen und Nachhaltigkeit zu gewähren.

Welches Erlebnis ist dir am meisten im Gedächtnis geblieben?

Die Begegnung mit den Straßenkindern in Tacloban. Ich war insgesamt zwei Tage dort, um die Situation zu dokumentieren. Es war sehr sensibel mit den Kindern zu sprechen…

Unterwegs mit dem UNICEF-Kinderschutzmobil zu Kindern, die auf der Straße leben.

… warum?

Du musst dir das so vorstellen. Das ist eine Straße in Tacloban, wo sich per Zufall – ich denke, weil es dort eine kleine Wasserstelle gibt und es nicht ganz so weit weg von einer Stadt ist – Hunderte von Menschen angesiedelt haben. Darunter wahnsinnig viele Kinder und Jugendliche, die da auf sich allein gestellt leben. Babys und Vier-, Fünfjährige ohne Eltern, ohne Geschwister. Niemand konnte sagen, wo diese Kinder herkommen oder wer die nächsten Verwandten sind. Sie sind einfach irgendwo mit irgendwem mal aufgetaucht. Das Geburtsdatum oder den Namen werden wir nie erfahren.

Wie leben diese Kinder dort?

In sehr ärmlichen Umständen. Sie haben kein sauberes Wasser, keinen Schlafplatz – sie übernachten wirklich auf der Straße, auf einem Stück Pappe. Überall sieht und riecht man Fäkalien, die Kinder sind nicht sauber, haben Krankheiten, Läuse, Flöhe, Hautausschlag, schlechte Zähne schon mit sechs Jahren. Weltweit geht es von den Lebensumständen und der Lebensqualität nicht schlimmer, als in dieser Straße – Kriegssituationen ausgenommen.

Oft sind die Hinterhöfe und Slumviertel die letzte Zuflucht für Kinder ohne Rückhalt.

Wovon Leben die Kinder?

Sie schnüffeln einen Klebstoff namens Rugby, den man für wenig Geld kaufen kann. Er stillt ihren Hunger den ganzen Tag und ist viel günstiger als Nahrung. Die Kinder versuchen immer an so viel Geld zu kommen, um den Stoff besorgen und den ganzen Tag zugedröhnt sein zu können.

UNICEF-Helfer über die Lage im Flüchtlingscamp in Mazedonien.

Wie kommen die Kinder an das Geld?

Da haben sie ihre ganz eigenen Methoden. Dazu gehören Prostitution, Bettelei, einfache Straßenarbeit. Manche Kinder haben erzählt, dass sie am Hafen arbeiten.

Wie sieht die UNICEF-Hilfe dort aus?

Dreimal die Woche kommt ein mobiler, kindersicherer Ort. Das ist ein Van, in dem große Tische und Stühle stehen, der Unterrichts- und Lesematerialien dabei hat sowie Spielzeug und Nahrung. Bis zu fünf Sozialarbeiter spielen und lernen mit den Kindern den ganzen Tag. Zudem leisten sie psychologische Betreuung.

Das UNICEF-Mobil steckt voller Spielsachen, Möbel, Snacks und Unterlagen für die Kids. Dreimal die Woche kommt Dave für einige Stunden vorbei und spielt mit seinen Schützlingen.

Woher kommen die Sozialarbeiter?

Die Betreuer sind von UNICEF geschult und haben gelernt, wie man mit Straßenkindern umgeht, sind aber grundsätzlich bei der Stadt angestellt. Der Partner für uns ist an der Stelle die Stadt.

Warum sind solche Reisen so wichtig?

Für uns ist es wichtig die UNICEF Teams vor Ort von Zeit zu Zeit zu unterstützen, damit wir uns in die Situation der Kinder, der Situation vor Ort und auch in die Arbeit der Länderbüros besser hineinversetzen und darüber schreiben können. Für die UNICEF Teams vor Ort sind sie wichtig, weil ihnen jemand hilft Fundraising Material zu produzieren. Da kommen sie oft nicht zu, weil sie sich um die Umsetzung der Projekte kümmern müssen.